Heiliger Eulogius, Bischof von Edessa, + um 379 – Fest: 5. Mai, und heiliger Protogenes, Bischof von Carrä in Mesopotamien, + nach 382 – Fest: 6. Mai

Heiliger Barses - Heiliger Eulogius - Heiliger Protogenes

 

Als der arianische Kaiser Valens gegen die Katholiken im Morgenland eine blutige Verfolgung erregte, versuchte er durch allerlei Mittel einen Bischof seiner Sekte zu Edessa in Mesopotamien an die Stelle des heiligen Barses, den er ins Elend verwiesen hatte, zu setzen. Das Volk aber wollte diesen Eingedrungenen nicht anerkennen, verließ die Stadt und versammelte sich unter den Augen des Valens zu den gottesdienstlichen Verrichtungen auf dem freien Feld. Dadurch geriet er in solche Wut, dass er dem Statthalter Modestus eine Maulschelle gab, weil er diese Zusammenkünfte nicht verhindert hatte: er befahl ihm, eilends die Kriegsknechte zusammenzuraffen, um diese Versammlungen zu zerstreuen, das Volk mit Gewalt in der Stadt zurückzuhalten, und zum Gehorsam des irrgläubigen Bischofs zu nötigen. Modestus, wiewohl ein Arianer, ließ den Katholiken sagen, des anderen Tages sich nicht zu versammeln an dem Ort, wo sie ihren Gottesdienst zu halten pflegten, weil ihm von dem Kaiser der Befehl zugekommen sei, die Widerspenstigen zu bestrafen. Dieser Drohungen ungeachtet, versammelten sich die Gläubigen von Edessa des Morgens früh an dem gewöhnlichen Ort, da ihr Gebet zu verrichten.

 

Als dieses der Statthalter Modestus erfuhr, ließ er sich von der Besatzung begleiten, und begab sich zu der Stätte hin, wo das Volk zusammengekommen war. Da er über den öffentlichen Platz zog, erblickte er eine arme Frau, die rasch aus ihrem Haus trat, ohne die Tür hinter sich zu schließen; sie trug auf ihren Armen ein Kind, und ließ, gegen die Landesgewohnheit, nachlässig ihren Mantel nachschleppen. Sie durchschnitt die Reihen der Soldaten, die vor dem Statthalter herzogen, und ging mit geschäftiger Eile vorüber. Dieser ließ sie anhalten, und fragte sie, wo sie so geschwind hin wolle. „Ich habe vernommen,“ erwiderte das Weiblein, „dass man den Dienern des Himmels nachstelle; ich eile deswegen zu meinen Glaubensbrüdern, auf dass ich mit ihnen den Tod, den ihr ihnen androht, leiden möge.“ – „Wozu aber,“ sagte Modestus, „das Kindlein da?“ – „Es wird,“ entgegnete die Katholikin, „min Todesgenosse sein.“

 

Erstaunt über den Mut dieser Frau, und von ihr auch auf die Übrigen schließend, kehrte der Statthalter zurück in den Palast, setzte den Kaiser davon in Kenntnis, und suchte ihn zu bereden, von seinem Beginn abzustehen.

 

Auf diese Vorstellung entschloss sich der Kaiser, die Menge zu verschonen, gab aber Befehl, die Priester, die Diakonen und Vornehmsten des Volkes vor Gericht zu führen, sie zu ermahnen, in die Gemeinschaft des arianischen Bischofs zu treten, im Fall der Weigerung sie aus der Stadt zu jagen, und an die äußersten Grenzen des Reiches zu verbannen. Modestus also beruft sie vor seinen Richterstuhl, und sucht sie dahin zu bringen, dass sie dem Willen des Kaisers entsprechen, mit dem Bemerken, es sei töricht, einem so mächtigen Fürsten Widerstand leisten zu wollen. Da sie sämtlich schwiegen, redete er den Priester Eulogius, der der erste unter ihnen und ein Mann von Ehrfurcht gebietender Würde war, also an: „Warum erwiderst du nichts auf meine Worte?“ Eulogius „Ich glaubte nicht, dass es mir anstände zu reden, da ich nicht gefragt wurde. Hättest du mich gefragt, so würde ich dir meine Meinung eröffnet haben.“ Modestus: „Nun rate ich dir, mit dem Kaiser zu halten.“ Eulogius, der ungemein entschlossen war, und überdies großen Verstand besaß, erwiderte scherzhaft: „Hat etwa der Kaiser mit dem Reich auch zugleich das Priestertum erhalten?“ Der Statthalter brach bei diesen Worten in Schmähungen aus, und setzte dann noch hinzu: „Das habe ich nicht gesagt, frecher Mensch; ich ermahne dich nur, mit jenen Kirchengemeinschaft zu pflegen, mi denen es auch der Kaiser tut.“ – „Wir haben nur einen Hirten,“ entgegnete der Greis, indem er auf Barses hindeutete, „und wir befolgen dessen Befehle.“ Hierauf verbannte der Statthalter die Bekenner, achtzig an der Zahl, nach Thracien.

 

Die außerordentlichen Ehrenbezeigungen, die die Rechtgläubigen überall auf dem Weg den mutige Bekennern erwiesen, erregten die Eifersucht ihrer Feinde, die ihren Ärger nicht verbergen konnten, da allweit ganze Dörfer und Städte ihnen entgegen kamen, und sie über die so ehrenvoll errungene Siegespalme priesen. Als Kaiser Valens den Hergang erfuhr, ließ er die Bekenner je zwei und zwei abteilen, und befahl, besonders die Verwandten oder Freunde nicht beisammen zu lassen, um dadurch das Drangsal ihrer Verbannung auf alle mögliche Weise zu vermehren. Die einen wurden nach Thracien, die anderen auf die äußersten Grenzen von Arabien und wieder andere in verschiedene kleine Städte der Thebais geschickt.

 

Eulogius, der erste der Geistlichkeit von Edessa, und Protogenes, sein treuer Gefährte im priesterlichen Amt, wurden nach Antinous, auf den Grenzen von Oberägypten und der Niederthebais, verbannt. Diese zwei heiligen Männer hatten lange Zeit in klösterlicher Abgeschiedenheit gelebt, ehe sie sich dem Dienst der Kirche widmeten. Überaus groß war ihre Freude, als sie an dem Bischof von Antinous einen eifrigen Bekenner der katholischen Lehre fanden. Die Bewohner jenes Landes waren noch meist dem Heidentum zugetan; bei diesem Anblick entbrannte in Protogenes der Eifer, diesen Unglücklichen die Botschaft des Heils zu verkünden. Eulogius verschloss sich in eine Zelle, in der er sich Tag und Nacht dem Gebet widmete. Sein heiliger Genosse, der auch in den weltlichen Wissenschaften bewandert war, eröffnete eine Schule, in der er den Kindern Unterricht erteilte, sie zur christlichen Frömmigkeit anleitete, und sie die Psalmen nebst Stellen aus dem Neuen Testament auswendig lernen ließ. Als eines dieser Kinder in eine Krankheit fiel, besuchte es Protogenes, und erflehte ihm von Gott die Heilung. Als dies bekannt wurde, führten auch andere Eltern ihre Kinder und Kranken dem Heiligen vor, und diese Gelegenheit nützte er, um ihnen von der Notwendigkeit der heiligen Taufe zu reden. Viele andere, die ebenfalls im christlichen Glauben unterrichtet zu sein und die Taufe zu empfangen wünschten, brachte er zu seinem Gefährten Eulogius, den nur eine so wichtige Angelegenheit, wie das Heil unglücklicher Seelen, im Gebet zu unterbrechen vermochte.

 

Die beiden Heiligen, die auf diese Weise den Ort ihrer Verbannung in eine gottgefällige Segensstätte verwandelten, widmeten sich diesen Liebeswerken bis in das Jahr 379, als mit dem Tod des Kaisers Valens (378) auch die Christenverfolgung ein Ende nahm. Sein Neffe Gratian, und später der Kaiser Theodosius ließen überall Befehle ergehen, die wegen des katholischen Glaubens Verbannten zurückzurufen, und sie in die Würden, die sie vorher bekleidet hatten, wieder einzusetzen. Eulogius und Protogenes kehrten nun heim nach Mesopotamien, unter den herzlichsten Segenswünschen und den heißesten Tränen der Bewohner von Antinous. Besonderen Schmerz empfand der dortige Bischof, der an den Heiligen solche rüstige Arbeiter im Weinberg des Herrn, die mit erstaunlichem Erfolg den Götzendienst zerstörten, verlor.

 

Mehrere Bischöfe waren in der Verbannung gestorben, unter anderen der heilige Barses, der nach Phönizien in der Thebais verwiesen worden. Viele bischöfliche Stühle in Syrien und Mesopotamien waren verwaist, unter anderen denn auch der von Edessa, auf den alsbald der heilige Bekenner Eulogius den Ruf erhielt. Protogenes arbeitete noch zwei oder drei Jahre unter seinem geistlichen Vater, worauf er von Eulogius, nach dem Tod des Vitus, mit dem dieser dem allgemeinen Konzil von Konstantinopel beigewohnt hat (Vitus war Bischof von Carrä), im Jahr 382 oder 383 zum Bischof von Carrä, einer Stadt derselben Provinz, geweiht wurde. – Bis hierher erstreckten sich die Begebenheiten, die uns die Geschichte von diesen Heiligen überliefert hat. Aus späteren Jahren ist uns weiter nichts mehr von ihnen Bekannt. Das römische Martyrologium feiert das Andenken des heiligen Eulogius am 5. Mai und das des heiligen Protogenes am 6. Mai.