Unsere Väter und Mütter im Glauben, die ersten Christen, wenn sie auch oft weit voneinander entfernt lebten, waren doch im Glauben und in der Liebe miteinander vereint. Sie alle fühlten sich als Kinder der einen, heiligen katholischen Kirche und teilten daher ihre Freuden und ihre Leiden einander mit. Dies taten denn auch die Christen von Lyon in Frankreich, wo der heilige Pothinus, ein Schüler des Aposteljüngers Polykarp, schon seit mehreren Jahren Christentum predigte und eine zahlreiche Christengemeinde gegründet hatte.
Der Kaiser Mark Aurel hatte zwar verboten, die Christen anzuzeigen, aber ihre Verfolgung ging doch an vielen Orten immer weiter und die Heiden lauerten nur auf eine Gelegenheit, um ihre Wut gegen die Christen losbrechen zu lassen. Schon lange hatten diese Feinde Jesu auch in der Stadt Lyon mit geheimem Zorn die Zunahme der Christen dort gesehen und mit Ungeduld darauf gewartet, um ihre Rache am Bischof Pothinus und seiner Herde auszulassen. Diese günstige Gelegenheit gaben ihnen die öffentlichen Spiele, die alle fünf Jahre stattfanden. Bei diesen Spielen war jedes Mal eine große Menge Menschen versammelt. An den Ausschweifungen, die dabei vorkamen, wollten die Christen auf keinen Fall mitmachen und so brach denn die blutige Verfolgung aus. Die Geschichte dieser Verfolgung und das Leiden des heiligen Pothinus und seiner Genossen erzählten nun einige Christen von Lyon, die Augenzeugen waren, in einem Brief an die Christen von Asien und Phrygien, die mehrere hundert Stunden von ihnen entfernt waren. Diesen Brief haben wir noch und er enthält in Kürze Folgendes:
„Anfangs wurden sie, die Christen, dem wütenden Volk gleichsam als Beute vorgeworfen; sie wurden beschimpft, geschlagen, ihrer Güter beraubt, mit Steinen beworfen und dann bis zur Ankunft des Richters ins Gefängnis gebracht. Als der Statthalter angekommen war, wurden sie vor seinen Richterstuhl geführt und von ihm mit wilden Drohungen und Lästerungen empfangen. Dies konnte der junge Vettius Epagathus nicht ertragen. Er war von heiliger Liebe Gottes ganz erfüllt und hatte bisher, obwohl noch jung, ein äußerst strenges Leben geführt. Unwillig über die Behandlung seiner Glaubensgenossen, forderte er die Erlaubnis, sie verteidigen zu dürfen. Aber da erhob das wütende Volk seine Stimme gegen ihn und als ihn der Statthalter fragte, ob er ein Christ sei und er es laut bekannte, wurde er sogleich unter Hohn und Spott als Advokat der Christen den Martyrern beigesellt.
Nun begann aber auch die Scheidung unter den Bekennern selbst. Zehn von ihnen fielen ab, erschreckt durch den Anblick der Marterwerkzeuge. Unaussprechlich war der Schmerz, der die treuen Bekenner hierüber ergriff, zumal auch noch andere, die bisher mutig ihnen beigestanden waren, in ihrem Eifer nachließen. Sie fürchteten, es möchten sich noch mehrere zum Abfall verleiten lassen. Doch ihr Schmerz wurde gemildert und in Freude verwandelt, als sie sahen, wie fast täglich neue Bekenner verhaftet und die edelsten Menschen ihnen zugesellt wurden. Zugleich mit diesen vornehmen Christen wurden auch mehrere ihrer Sklaven, die noch Heiden waren, verhaftet.
Diese Sklaven nun, vom Teufel angetrieben und aus Furcht vor der Marter, beschuldigten die Christen, dass sie das Fleisch von kleinen Kindern essen und Blutschande begehen. Darüber nun geriet das Volk in die größte Wut und es erfüllte sich das Wort Jesu an den Christen: „Es wird eine Zeit kommen, wo der, der euch tötet, glauben wird, Gott einen Dienst zu leisten.“ Unerhört waren die Qualen, die die Unschuldigen jetzt dulden musste, um ihnen ein Bekenntnis ihrer Schuld auszupressen. Besonders waren es der Diakon Sanktus von der Kirche zu Vienne, Maturus, ein Neugläubiger, der erst Christ geworden war, Attalus, ein tapferer Streiter Christi und die Magd Blandina, gegen die sich die Wut der Heiden richtete.
Blandina war von schwächlichem Leib, und die Gefangenen, unter denen auch ihre Frau, zitterten für sie und fürchteten, sie möchte die Peinen nicht ertragen können. Allein obwohl sie vom Morgen bis zum Abend schrecklich gefoltert wurde, blieb sie doch standhaft und so oft sie sagte: „Ich bin Christin, nein, es geht nichts Böses unter uns vor,“ war es, als wenn neue Kraft ihre Glieder durchströmte und endlich mussten die Peiniger selbst nachgeben und bezeugen, dass sie diese Magd nicht besiegen könnten. Sanktus, der Diakon, wurde auf die Folter gespannt, um ihn zum falschen Bekenntnis zu zwingen. Er aber gab keine andere Antwort, als: „Ich bin ein Christ;“ da befahl der Statthalter, auf die Glieder seines zerfleischten Leibes glühende Eisen zu legen; allein er duldete schweigend und fand seinen Trost und seine Stärke in der Seitenwunde Christi. Sein Leib war durch die Folter ganz zusammengezogen und hatte kaum mehr eine menschliche Gestalt, aber Christus der Herr verherrlichte den heiligen Martyrer durch ein großes Wunder. Als nämlich am anderen Tag ihn die Peiniger wieder auf die Folter spannten und mit glühenden Eisen seine Wunden brannten, in der Meinung, er würde vor Schmerz entweder abfallen oder sterben, siehe, da wurde sein Leib wieder jugendlich und frisch und seine gekrümmten Glieder gerade und mit neuer Kraft erfüllt.
Unter denen, die Christus verleugnet hatten, war eine gewisse Frau, Biblis genannt. Der Satan, der ihre Verdammung noch durch Gotteslästerung vollenden wollte, trieb sie an, auf die Richtstätte zu gehen, um dort von den treuen Gläubigen Schändlichkeiten auszusagen. Aber als sie die Marterwerkzeuge und die Peinen der heiligen Bekenner sah, da gedachte sie an das Feuer der Hölle und wie aus einem Traum erwacht, schrie sie: „Wie könnten wohl die Christen Kinder essen, da ihnen nicht einmal erlaubt ist, vom Blut der Tiere zu kosten!“ Sogleich wurde sie ergriffen und unter die Martyrer gestellt.
Da bisher die Peiniger vergeblich alle Arten von Martern an den standhaften Bekennern verschwendet hatten, so wurden sie nun in einen dunklen, stinkenden Kerker geworfen und in den Bock gespannt. Unmenschlich wurden ihre Glieder auseinandergespreizt und ihre Leiber aufs Neue zerfleischt. Viele der Heiligen gaben nun unter den Martern ihren Geist auf und starben in diesem grauenhaften Gefängnis.
Jetzt kam die Reihe an Pothinus, den Bischof von Lyon, der schon 90 Jahre alt war und vor Schwäche nicht mehr gehen konnte. Sein Geist aber war noch ungeschwächt und sein Herz war voll von der Freude beim Anblick der Marter und des Todes, der auf ihn wartete. Soldaten trugen ihn auf ihren Schultern vor den Richterstuhl. Als das Volk ihn sah, erhob es ein wütendes Geschrei und lästerte und beschimpfte ihn, als wenn er Christus selbst wäre. Auf die Frage des Richters, wer der Gott der Christen sei, gab er die Antwort: „Wenn du dich seiner würdig machst, wirst du ihn kennenlernen.“ Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als er vom Volk weggerissen und mit unmenschlichen Schlägen misshandelt wurde. Diejenigen, die nahe bei ihm waren, schlugen ihn mit Fäusten und stießen ihn mit Füßen, jene aber, die entfernt waren, warfen auf ihn alles, was ihnen unter die Hände kam. Fast ohne Lebenszeichen wurde er in das Gefängnis geworfen, wo er nach zwei Tagen starb.
Nun aber zeigte sich Gottes gerechtes und zugleich barmherziges Gericht wunderbar. Diejenigen, die bei ihrer Gefangennahme Christus verleugnet hatten, wurden auch in den Kerker geworfen, wo sich die treuen Bekenner befanden. Ihr Abfall half ihnen also nichts; denn da sie fälschlich bekannt hatten, die Christen essen das Fleisch der Kinder und treiben Blutschande, so hielten sie die Heiden für Mörder und Frevler und legten sie in Ketten. Welch ein großer Unterschied war also zwischen diesen Abtrünnigen und zwischen den treuen Bekennern! Diese waren als Christen gefesselt, jene als Mörder; diese tröstete die Liebe Christi, für den sie duldeten und die Hoffnung der versprochenen Seligkeit, jene aber wurden von ihrem schlechten Gewissen gepeinigt; diese gingen mit Freude auf dem Angesicht einher und trugen ihre Ketten wie eine Zierde und verbreiteten um sich einen lieblichen Wohlgeruch, als wären sie mit duftendem Öl gesalbt, jene aber schritten mit gesenktem Haupt, düsterem Blick und mit schmutzigen Lumpen bedeckt dahin, gebrandmarkt mit dem Namen „Mörder“, nachdem sie den schönen, ehrwürdigen Namen eines Christen abgelegt hatten, und beschimpft von den Heiden, die ihnen ihre Feigheit vorwarfen. Da dies die anderen sahen, wurden sie in ihrem Bekenntnis gestärkt und wenn ein Christ in Gefangenschaft geriet, bekannte er sogleich und mit lauter Stimme seinen Glauben.
Unterdessen überlegte man neue Martern, um die Streiter Christi zu quälen. Es war ein Tag bestimmt, wo im Amphitheater dem Volk zur Belustigung Spiele gegeben wurden. Sanktus, Maturus, Blandina und Attalus wurden nun in das Theater geführt, um sie den wilden Tieren preiszugeben. Die zwei ersten wurden zuerst gepeitscht und dann den Tieren vorgeworfen, die sie mit ihren Bissen fürchterlich zerfleischten, und da sie auch in dieser Qual standhaft blieben, verlangte das wütende Volk, man solle sie auf glühende Stühle setzen. Sie wurden nun lebendig im Feuer geröstet, stinkender Qualm erfüllte das Theater, aber dennoch konnte man dem Sanktus kein anderes Wort auspressen, als: „Ich bin ein Christ.“ Endlich hörte der Kampf auf; den ganzen Tag hatten sie gekämpft; am Abend wurden sie dann erdrosselt.
Blandina wurde an einen Pfahl angebunden zur Speise für die wilden Tiere. Mit ausgebreiteten Armen betete sie und stellte so das Bild Jesu dar, für den sie leiden wollte. Da keines der wilden Tiere sie anrühren wollte, brachte man sie in den Kerker zurück, um sie zum neuen Kampf und Sieg aufzusparen.
Jetzt forderte das Volk den Priester Attalus zur Marter. Mutig betrat er den Kampfplatz. Man ließ ihn im Kreis herumgehen mit einer vorausgetragenen Tafel, worauf in lateinischer Sprache stand: „Das ist Attalus, der Christ.“ Das Volk lästerte und beschimpfte ihn; als aber der Statthalter erfahren hatte, dass Attalus ein römischer Bürger ist, schickte er ihn in das Gefängnis zurück und schrieb an den Kaiser, um ihn zu fragen, was er mit dem Gefangenen tun muss.
Während dieses Aufschubs gaben die treuen Bekenner rührende Beweise ihrer Liebe und Demut. Viele und große Leiden hatten sie schon erduldet, aber doch wollten sie sich nicht von ihren Brüdern und Schwestern Martyrer nennen lassen, und gaben ihnen sogar Verweise hierüber. „Nur Christus allein“, sagten sie, „ist der wahrhafte Blutzeuge, der da zeugte von der Wahrheit und nur die sind Martyrer, die Christus würdigte, für ihn zu sterben, wir aber sind nur geringe Bekenner des Glaubens“; zugleich flehten sie ihre Mitbrüder an, für sie zu beten, damit sie die Gnade der Vollendung empfangen dürfen, und sie selbst entschuldigten ihre Ankläger und beteten für ihre Verfolger, wie einst der heilige Stephanus. Da sie mit den Abtrünnigen in demselben Kerker lagen, so versuchten sie mit zärtlichster Liebe ihre Herzen zu rühren und ihnen die Augen zu öffnen. Sie machten ihnen keine Vorwürfe, verachteten sie nicht, sondern redeten ihnen so sanft und eindringlich zu, dass mehrere von so großer Liebe gerührt in sich gingen und sich bereit erklärten, den heiligsten Namen Jesu, den sie verleugnet hatten, großmütig zu bekennen und sich selbst unerschrocken den Richtern darzustellen.
Unterdessen war die Antwort des Kaisers angekommen, die folgendermaßen lautete, dass alle, die im Bekenntnis verharren, mit dem Schwert hingerichtet, die aber verleugnen würden, sollten unverletzt entlassen werden. An einem Markttag, an dem zahlreiches Volk versammelt war, wurden die Bekenner vor den Richterstuhl geführt; die standhaft blieben und römische Bürger waren, wurden dann enthauptet, die anderen den wilden Tieren vorgeworfen.
Großen Triumph feierte aber Christus der Herr in denjenigen, die früher verleugnet hatten, nun aber, wie sie versprochen hatten, wider Erwarten der Heiden, Christus aufs Neue bekannten. Als sie verhört waren und im Bekenntnis verharrten, wurden sie sogleich den Martyrern beigesellt, die übrigen, die verstockt blieben, stellten sich von ihnen hinweg.
Im Augenblick des Verhörs näherten sich den Gefangenen die Gläubigen, unter anderen Alexander, ein Arzt aus Phrygien, der sich seit einiger Zeit in Frankreich aufhielt, und wegen seiner Liebe zu Gott und seines Mutes in der Verkündigung des Glaubens bekannt war. An der Seite des Richterstuhles stehend ermunterte er die edlen Bekenner durch seine Minen und Gebärden, am Glauben festzuhalten. Das Volk bemerkte es, erhob ein Geschrei und klagte ihn an. Der Richter befragte ihn gleich, wer er sei. „Ich bin ein Christ“, antwortete er. Erzürnt verurteilte ihn der Richter, von den wilden Tieren zerrissen zu werden.
Am folgenden Tag betrat er mit Attalus den Kampfplatz, den der Richter, um dem Volk zu gefallen, zum zweiten Mal den Tieren überlieferte. Beide wurden gepeitscht, dann von den Tieren zerbissen und endlich erdrosselt. Alexander stieß keinen Seufzer aus; er war ganz in Liebe zu Jesus versenkt und duldete, ohne ein Wort zu sprechen, die Peinen. Attalus wurde zuvor noch auf einen glühenden Stuhl gesetzt, und als der Qualm seines gebratenen Fleisches emporstieg, rief er laut dem Volk zu: „Tun, was ihr tut, heißt Menschen essen; was uns betrifft, so tun wir nie Ähnliches und begehen auch keine anderen Laster.“ Als er um den Namen seines Gottes befragt wurde, antwortete er: „Gott hat keinen Namen, wie die Menschen einen haben.“
Am letzten Schauspieltag wurden Blandina und ein fünfzehnjähriger Junge, mit Namen Pontikus, in das Amphitheater geführt. Man hatte sie alle Tage dahin abgeführt, damit sie die Qual der Martyrer sehen und den Mut verlieren sollten. Aufgefordert bei den Göttern der Heiden zu schwören, weigerten sie sich so etwas zu tun. Pontikus wurde nun gefoltert und hauchte unter den Qualen seinen Geist aus. Nun war Blandina allein noch übrig; wie eine edle Mutter überlebte sie alle ihre Söhne, die heiligen Martyrer, die ihr im Kampf vorangegangen waren und die sie ermuntert hatte zum standhaften Kampf.
Ohne Erbarmen wurde sie gegeißelt, den wilden Tieren vorgeworfen und auf dem glühenden Stuhl gepeinigt. Endlich wickelte man sie in ein Netz und warf sie einem wilden Stier vor. – In wilder grausamer Lust spielte das Tier mit der Unglücklichen, nahm sie auf seine Hörner, schleuderte sie in die Luft und packte sie wieder, um sie erneut emporzuschleudern. Blandina aber betete und schien nichts zu sehen, noch zu fühlen. Unerhört waren die Qualen, die diese heilige Magd erduldete, zuletzt erwürgte man sie wie ein unbeflecktes Opfertier.
Mit dem Tod der heiligen Martyrer hatte aber die Wut der Heiden noch kein Ende. Sie warfen die heiligen Leichname den Hunden vor, und bewachten sie Tag und Nacht, damit die Gläubigen, sie nicht wegnehmen und begraben konnten. Alles, was die Tiere und das Feuer von den verbrannten und zerfleischten Gliedern übriggelassen hatten, wurde mit den Köpfen und Rümpfen auf einen Haufen zusammengetragen und von Soldaten bewacht. Weder die Dunkelheit der Nacht, noch Geld und Bitten vermochten die Wächter zu bestechen oder ihre Wachsamkeit zu täuschen. Nachdem sie so sechs Tage schmachvoll die heiligen Überbleibsel bewacht hatten, verbrannten sie sie und verstreuten ihre Asche in die Rhone, damit auf der Erde von ihnen nichts übrig bleibe und den heiligen Martyrern, wie sie meinten, die Hoffnung der Auferstehung genommen wird. Die Zahl der heiligen Martyrer war 51. Noch heutzutage sieht man auf einem Berg die Trümmer des Amphitheaters, wo diese christlichen Helden gekämpft hatten.
Der schöne Brief aber, den die Christen als Augenzeugen dieses glorreichen Kampfes nach Asien geschrieben haben, schließt mit den Worten: „Da sie, diese heiligen Martyrer, immer den Frieden geliebt haben, empfahlen sie uns ihn noch sterbend; sie selbst gingen im Frieden in den Himmel, weder Schmerz bei ihrer Mutter, noch Uneinigkeit unter den Brüdern zurücklassend, wohl aber die Freude, den Frieden, die Einheit und die Liebe für alle!“
Man fragt sich: Kann es nicht auch eine solche Einheit, einen solchen Frieden, eine solche Liebe auch unter uns Christen geben?
Der heilige Pothinus wird abgebildet als ehrwürdiger Greis in bischöflicher Kleidung.
Ein Zeugnis der Heiden für die heilige Kommunion der katholischen Christen
Unter den ungerechten Vorwürfen und lügenhaften Beschuldigungen, die die Heiden den ersten Christen machten, war auch die Anklage, dass die Christen bei ihren Versammlungen kleine Kinder schlachten, ihr Fleisch essen und ihr Blut trinken. Diese Beschuldigung war freilich ganz und gar unwahr, aber sie liefert doch den Beweis, wie damals bereits der Glaube der ersten Christen in Bezug auf die heilige Messe, auf das Abendmahl beschaffen war. So wie wir heute als katholische Christen, so glaubten auch die ersten Christen damals, dass im heiligen Altarsakrament Jesus mit Fleisch und Blut unter den Gestalten des Brotes und Weines zugegen ist und dass sie in der heiligen Kommunion wirklich den wahren, wesentlichen Leib des Herrn empfingen. Die ersten Christen allerdings hielten aus Furcht vor den Heiden diese Glaubenslehre geheim und selbst denen, die in der christlichen Lehre erst unterrichtet wurden, also den Katechumenen, wurde diese Lehre noch nicht dargelegt und sie durften auch bei der Feier der heiligen Messe nicht zugegen sein. Erst wenn die Neugläubigen getauft und gefirmt waren, und nachdem man sie sorgfältig geprüft hatte, wurden sie zur heiligen Kommunion zugelassen. Die Heiden wussten also von der heiligen Kommunion nichts Gewisses; sie hatten wohl hier und da aus dem Mund abtrünniger Christen davon gehört, konnten aber dieses heilige Geheimnis nicht begreifen und verstanden es falsch oder verdrehten es aus Bosheit gegen die Christen, die sie dadurch leichter dem Tod überliefern konnten. Dies geschah denn auch den heiligen Martyrern von Lyon, gegen die die Heiden genau diese genannte Beschuldigung erhoben. Die Christen aber wiesen diese Beschuldigung mit Abscheu zurück, sagten aber dennoch nichts von der heiligen Kommunion, um den Heiden keinen Anlass zum Spott und zur Gotteslästerung zu geben. Jetzt, in unseren Tagen, dürfen wir natürlich unseren Glauben an das heilige Altarsakrament öffentlich bekennen, und auch wir katholische Christen von heute, jeder und jede von uns sollte dies auch tun und immer und überall mit der heiligen katholischen Kirche glauben, dass Jesus mit Fleisch und Blut in der heiligen Kommunion zu dir kommt, wenn du siehst, wie die ersten Christen diesen Glauben bekannten, für ihn sogar starben, und die Heiden selbst von diesem Glauben Zeugnis geben.
