Der heilige Cadoc (Cadokus), Stifter-Abt zu Llan-Carvan, England, + 6. Jahrhundert – Fest: 24. Januar

 

Dieser heilige Mann war ein Sohn Guntlaus, des Fürsten des gegen Mittag gelegenen Teiles des Landes der Walliser. Seine Mutter hieß Gladusa, eine Tochter Braghans, von dem die Grafschaft Brecknock ihren Namen hat. Seine Eltern standen ebenso sehr ihrer Tugend als ihres Adels wegen in hoher Achtung. Sein Vater entsagte einige Zeit vor seinem Tod der Welt, um als Einsiedler bei einer Kirche zu leben, die er auf dem Feld hatte erbauen lassen, und er wird in dem Land Wallis als Heiliger verehrt. Cadoc folgte als der Erstgeborene seinem Vater in der Herrschaft nach. Aber bald entsagte er dem Glanz der Welt, um sich dem stillen Klosterleben zu widmen. Und unter der Leitung des heiligen Tathai, eines irländischen Mönchs, der zu Gwent eine berühmte Schule gestiftet hatte, machte unser Heiliger so schnelle Fortschritte in den heiligen Wissenschaften und in der Tugend, dass er bei seiner Rückkehr in die Grafschaft Glamorgan, seinem Vaterland, durch seine Kenntnisse und Heiligkeit heilsam vorleuchtete. Fünf Meilen von Cowbridge ließ er die Kirche und das Kloster Llan-Carvan erbauen, wo er eine Schule anlegte, aus der viele große Männer und Heilige hervorgingen. (Llan-Carvan, Kirche der Hirsche oder Nan-Carvan, Tal der Hirsche, genannt.)

 

Der heilige Jltut, von Cadoc über die Eitelkeit der irdischen Güter belehrt, verließ den Hof und die Welt, um zu Llan-Carvan jene Wissenschaft zu lernen, die unendlich kostbarer ist, als alle Erdengüter. In der Folge stiftete er das Kloster Llan-Jltut. Diese zwei Klöster und das des heiligen Docuin, die alle drei in der Diözese Landaff liegen, waren mehrere Jahrhunderte berühmt und hatten sehr viele verdienstvolle Äbte.

 

Der heilige Gildas ging bei seiner Rückkehr nach Irland in das Kloster des heiligen Cadoc, lehrte da ein Jahr lang und schrieb die heiligen Evangelien ab. Diese Handschriften hat man lange Zeit in der Kirche des heiligen Cadoc aufbewahrt und die Walliser hegten ihnen gegenüber eine so große Verehrung, dass sie sich ihrer bei ihren Verträgen und feierlichsten Eiden bedienten. Der heilige Gildas und Cadoc verließen dann das Kloster Llan-Carvan, um einen einsameren Ort aufzusuchen und zogen sich auf die Inseln Ronech und Echni zurück.

 

Wir lesen in einer alten Lebensbeschreibung des heiligen Cadoc, dass er zu Benevenne, jetzt Wedon genannt, in der Grafschaft von Northampton, starb. Einige neuere Schriftsteller haben Benevenne für Benevent in Italien gehalten und behaupteten, dass der Heilige dort gestorben sei. Chastelain glaubt, der heilige Cadoc sei derselbe, als Cado oder Caduad, dessen Andenken die Kirche von Rennes ehrt, und woher eine kleine Insel bei Vannes den Namen Eneß-Caduad erhalten habe. Der heilige Cadoc lebte im Anfang des 6. Jahrhunderts. Ellenius, den Leland „den trefflichen Schüler eines trefflichen Meisters“ nennt, wurde nach ihm Abt von Llan-Carvan.