Heiliger Basilius von Ankyra, Priester und Märtyrer, + 362 - Fest: 22. März

       

Basilius war Priester an der Kirche von Ankyra, dem Metropolitansitz von Galatien, zu der Zeit, als er mit dem heiligen Marcellus besetzt war, den der Kaiser Konstantius im Jahr 336, wegen seiner Anhänglichkeit an den Nizäischen Glauben, in die Verbannung schickte. Er führte einen heiligen und tadellosen Wandel, und bewährte sich als treuer Jünger der großen Männer, die ihn zur Übung der christlichen Tugenden herangebildet haben. Sein beharrlicher Eifer, das Wort Gottes vorzutragen, brachte unter den Gläubigen von Ankyra die herrlichsten Früchte hervor. Als ein Arianer, der ebenfalls Basilius hieß, einst in dieser Stadt auftreten wollte, erhob der Heilige seine Stimme mit der Kraft und Unerschrockenheit eines Propheten: er rief dem Volk unaufhörlich zu, die ihm gelegten Fallstricke zu vermeiden, und der katholischen Lehre unverbrüchlich getreu zu bleiben. Die Arianer, die ihn als den gefährlichsten Feind ihrer Sekte ansahen, verboten ihm im Jahr 360, Versammlungen zu halten. Allein er nahm keine Rücksicht auf dieses ungerechte Verbot, und fuhr immer fort, sogar in Gegenwart des Kaisers Konstantius, den Irrtum zu bekämpfen.

 

Während Julian, der Abtrünnige, den Götzendienst auf den Trümmern des Christentums wieder aufzurichten bemüht war, lieb Basilius durch die ganze Stadt, um die Gläubigen zur Verteidigung der Sache Gottes aufzufordern und sie zu ermuntern, sich durch die gräulichen Gebräuche der Heiden nicht zu beflecken. Aufgebracht über seine heilige Kühnheit stürzten die Götzendiener über ihn her, führten ihn vor den Prokonsul Saturninus, und beschuldigten ihn, er habe ihre Altäre umgestürzt, das Volk vom Götterdienst abgehalten, und gegen den Kaiser und seine Religion ehrenrührige und unanständige Reden geführt. Saturnin befragte ihn, ob er die von dem Fürsten eingeführte Religion nicht als wahr erkenne, worauf ihm der Heilige antwortete: „Erkennst du sie selbst als solche? Denn wie kann wohl ein vernünftiger Mensch sich überreden, dass stumme Klötze Götter seien?“ Der Prokonsul, durch diese Antwort ergrimmt, ließ ihn auf die Folterbank legen, und sagte ihm unter den Peinen: „Erkennst du aus der Strafe, die der Kaiser über die Widerspenstigen verhängt, wie weit seine Gewalt geht? Die Erfahrung wird es dich lehren. Gehorche dem Fürsten, opfere den Göttern.“ Als der Märtyrer auf seiner Beteuerung bestand, dass er nimmerhin opfern würde, schickte ihn der Prokonsul in das Gefängnis, und berichtete den ganzen Hergang dem Kaiser.

 

Julian billigte das Verfahren des Prokonsuls, und ließ sogleich Elpidius und Pegasus abgehen, um an dem Ort selbst von der Sache Kunde einzuholen. Diese beiden Abgeordneten waren Apostaten. Als sie durch Nikomedien kamen, nahmen sie Asklepius, der ein Priester Aeskulaps und ohnehin ein sehr verworfener Mensch war, mit sich und langten zu dritt in Ankyra ein.

 

Indes lobte Basilius in seinem Kerker ohne Unterlass den Herrn. Pegasus begab sich dahin, in der Hoffnung, ihn durch Versprechungen zu gewinnen. Allein er kam bald wieder zum Prokonsul zurück, ganz beschämt, dass er Vorwürfe über seinen Abfall hatte hören müssen. Als die Abgeordneten verlangten, man solle den Heiligen ihnen vorführen, ließ ihn Saturnin abholen. Sobald er angekommen war, legte man ihn neuerdings auf die Folter, peinigte ihn noch weit grausamer, als das erste Mal, ließ ihn dann mit Ketten beladen in das Gefängnis zurückführen.

 

Während jener Zeit verließ Julian Konstantinopel, um sich nach Antiochien zu begeben, in der Absicht, für den Krieg gegen die Perser Vorkehrungen zu treffen. Von Chalcedon richtete er seine Reise nach Pessinonta, auch Pessinuntus genannt, einer Stadt in Galatien, um der Göttin Cybele, die daselbst einen berühmten Tempel hatte, zu opfern, wo er auch einen Christen enthaupten ließ, der seiner Religion abzuschwören sich geweigert hatte. Als er in Ankyra ankam, führte man ihm Basilius vor. Er hatte ihn nicht sobald erblickt, als er ihm mit geheucheltem Mitleid sagte: „Basilius, ich kenne ein wenig eure Geheimnisse: nun aber kann ich dich versichern, dass derjenige, auf den ihr euer Vertrauen setzt unter dem Landpfleger Pilatus gestorben ist und nicht mehr unter die Lebendigen gehört.“ – „Nicht ich bin im Irrwahn,“ entgegnete Basilius, „wohl aber du, mein Gebieter, der du Jesus Christus meineidig geworden bist, selbst zur Zeit, als er dir das Reich gab. Allein ich erkläre dir, dass er dir bald dasselbe mitsamt deinem Leben wieder nehmen wird. Er wird deinen Thron umstürzen, wie du seine Altäre zertrümmert hast. Und weil du jenes heilige Gesetz, das du dem Volk so oft verkündigtest (Julian hatte in der Kirche das Amt eines Lektors ausgeübt), verletzt und mit Füßen getreten hast, so wird auch dein Leib mit Füßen getreten werden und unbeerdigt bleiben.“ – „Ich wollte dich retten,“ erwiderte Julian, „weil du aber meinen Rat verschmähst, und sogar mich zu verunglimpfen dich erfrechst, so werde ich mit dir verfahren, wie es dir gebührt: daher befehle ich, dass man jeden Tag sieben Stücklein von deiner Haut abschneide, bis nichts mehr übrig bleibt.“ Die Vollstreckung dieses Befehls übertrug er zugleich dem Comes Frumentin, dem Obersten seiner Leibwache.

 

Nachdem Basilius die ersten Einschnitte mit bewunderungswürdiger Geduld ausgestanden hatte, verlangte er mit dem Kaiser zu sprechen. Frumentin meinend, er würde sich nun ergeben und opfern, ging selbst zum Kaiser und machte ihm des Heiligen Begehren kund. Julian befahl ihn in den Tempel des Aesculap, wo er in ihn drang, er möchte mit den Übrigen opfern: Basilius aber erwiderte, er werde nie stumme und blinde Götzen anbeten, und nahm zugleich ein Stück von der Haut, das man ihm an demselben Tag ausgeschnitten hat, und warf es dem Kaiser ins Angesicht. (Diese Handlung ist zwar befremdend: allein Gott, der durch seine Märtyrer redet, handelt auch durch sie. Es steht uns nicht zu, ihn über diese Tat vor unseren Richterstuhl zu ziehen. Dieses ist die Auflösung der Schwierigkeiten, die man je zuweilen bei den Taten der Blutzeugen finden mag.) Julian geriet in schreckliche Wut. Und Frumentin, befürchtend, man möchte ihn wegen der Unbild, die seinem Herrn zugefügt worden war, verantwortlich machen, nahm sich vor, an dem Heiligen furchtbare Rache zu nehmen, bestieg daher seinen Richterstuhl und befahl, die Peinigungen zu verdoppeln. Diesem zufolge schnitt man so tief in seinen Leib, dass man die Eingeweide sehen konnte. Die Zuschauer, von Mitleid gerührt, konnten sich der Tränen nicht erwehren. Basilius hingegen betete die ganze Zeit hindurch, und es entschlüpfte ihm nicht ein einziger Seufzer. Als der Abend angebrochen war, schleppte man ihn wieder in den Kerker zurück.

 

Des anderen Tages reiste Julian nach Antiochien ab, ohne dass er Frumentin sehen wollte. Der Comes, der die Ungnade befürchtete, entschloss sich, die äußersten Mittel anzuwenden, um den Märtyrer zu gewinnen, oder wenigstens um seine Wut zu sättigen. Es war ihm aber unmöglich, die Standhaftigkeit des Heiligen zu erschüttern. „Du weißt,“ sagte ihm Basilius, „wie viele Stücke Fleisch von meinem Leib abgeschnitten wurden: betrachte meine Schultern und meine Seiten, und sage mir, ob du auch nur eine Spur daran vermerkst. Wisse, dass Jesus mich in dieser Nacht geheilt hat. Du kannst es Julian, deinem Herrn, melden, auf dass er lerne, wie groß der Gott ist, den er verlassen hat. Er hat die Altäre zertrümmert, unter denen er sein Leben gerettet hat, als Konstantius ihm nachstrebte. Allein Gott hat mir geoffenbart, die Tyrannei werde bald mit dem Tyrannen selbst ein Ende nehmen.“ Frumentin, vor Raserei seiner nicht mehr mächtig, ließ ihn auf den Bauch legen, und mit glühendem Eisen seinen Rücken durchstechen. Unter diesen grausamen Qualen verschied der Heilige am 29. Juni 362. Die Griechen und Lateiner verehren ihn am 22. März.

 

Die Liebe, die im Herzen der Märtyrer obsiegte, bewirkte, dass sie alles, was sie für den Namen Jesu litten, für nichts ansahen. Sie dachten oft an die Worte des Hohenliedes: „Wenn der Mensch alles, was er hat, wird hergegeben haben, so wird er solches doch für nichts achten.“ Kap. VIII. Vers 7. Wenn Gott von dem ihn liebenden Menschen das Opfer seiner Güter, seiner Freunde, seiner Verwandten, sogar seines Lebens forderte, so würde er es mit Freuden darbringen, und mit dem königlichen Propheten ausrufen: Was sollte ich verlangen im Himmel und auf Erden, als dich, o mein Gott! Du mein Erbteil in Ewigkeit. Ist er ohne Trost, schmachtet seine Seele in Betrübnis und Dürre, so freut er sich seines Kreuzes, wenn sie nur innigst mit Gott vereinigt ist. O mein Gott und mein Alles, sagt er alsdann, ich besitze alles, wenn ich dich besitze! Wenn du mir deine Liebe schenkst, so muss ich reich und unendlich glücklich sein. Dies ist seine Sprache in allen seinen Prüfungen. Ja, er geht noch weiter: er liebt seine Prüfungen, weil sie ihm Gelegenheit verschaffen, sich fester an Gott anzuschließen, und ihm unzweideutige Beweise seiner Treue und Unterwürfigkeit zu geben. Wenn die göttliche Liebe solche Wirkungen hervorbringt in den Herzen, wo sie herrscht, was soll man von so vielen Christen halten, die nichts leiden wollen, die schon bloß vor dem Namen des Kreuzes erschrecken, die jeden Zwang vermeiden, und über die geringste Unterwerfung, die sie der Vorschrift leisten sollen, zürnen? Noch einmal, können solche Christen vorgeben, dass sie Gott lieben? Wie würde es ihnen dann erst zu Mute sein, wenn sie, gleich den Märtyrern, den Glauben, den sie bekennen, mit ihrem Blut besiegeln sollten?