Heilige Petronilla von Rom, Tochter des hl. Petrus, + 1. Jh. – Fest: 31. Mai

 

Unter den ersten Jungfrauen, die mit der Erkenntnis Jesu Christi auch die hohe Gabe beständiger Reinheit erlangt haben, zeichnet sich die heilige Petronilla aus. Ihr Andenken wurde schon in der frühesten Zeit in Rom hoch in Ehren gehalten. An einer Hauptstraße Roms stand vor langer Zeit eine Kirche, der hl. Petronilla zu Ehren erbaut, und immer wurde ihr Name mit denen der Apostel, Propheten und Martyrer in der Kirche gepriesen. Von ihrem heiligen Leben ist kaum etwas bekannt; denn sie lebte in einer Zeit, wo die Christen nur darauf bedacht waren, gottgefällig zu leben, mit Schreiben sich aber nicht viel abgaben.

 

Einige Schriftsteller sagen, sie ist eine geistliche Tochter des heiligen Petrus gewesen, das heißt, der heilige Apostel hat sie zum Christentum bekehrt und durch die heilige Taufe wiedergeboren. Daher schreibt auch der heilige Apostel Paulus im 1. Korintherbrief 15,1+2: „Ich erinnere euch an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe.“

 

Andere aber beschreiben ihr Leben So: Sie berichten, die heilige Petronilla sei eine leibliche Tochter des heiligen Apostels Petrus gewesen. Petrus war vor seiner Berufung zum Apostelamt verheiratet, lebte aber nachher in beständiger Enthaltsamkeit mit seiner Frau, mit Namen Perpetua. Deshalb sagt er auch zu Jesus in Matthäus 19,27: „Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.“ Perpetua erlitt auch für Jesus den Martertod, wozu sie Petrus ermunterte und stärkte.

 

Über Petronilla wird erzählt: Die Tochter des hl. Petrus blühte in aller Unschuld auf und war überaus schön. Damit ihr aber die Schönheit nicht gefährlich werden würde, und um ihre Geduld und Ergebung zu prüfen, schickte ihr Gott ein bösartiges Fieber, das sie jahrelang an das Krankenbett fesselte. Die heilige Jungfrau litt mit aller Geduld die Schmerzen, und ihre Liebe zu Jesus, dem sie sich ganz geweiht hatte, wurde immer flammender. Einige Christen wunderten sich, warum der heilige Petrus, dem doch Gott die Gnade gegeben hatte, Tote zu erwecken und Kranke zu heilen, nicht auch seiner kranken Tochter die Gesundheit schenkt und fragten ihn eines Tages nach der Ursache. Der heilige Apostel gab ihnen zur Antwort: „Diese Krankheit ist heilsam für meine Tochter. Sie ist eine Arznei für ihre Seele und bewahrt sie vor vielen Übeln. Wenn ihr aber zweifelt, ob auch sie der Name Jesus heilen könnte, so seht!“ Und nun sprach er zu Petronilla: „Stehe auf und bediene uns bei Tisch!“ Sogleich erhob sich die Jungfrau frisch und gesund, als wäre sie nie krank gewesen und bediente die Gäste. Bald darauf aber legte sie sich wieder auf ihr Bett und erduldete die erwähnten Schmerzen.

 

Nach einiger Zeit belohnte aber Gott ihre Geduld mit vollständiger Gesundheit und neuer Schönheit des Leibes. Sie führte nun ein stilles verborgenes Leben, und folgte dem heiligen Petrus auch nach Rom, wo sie durch ihre Tugenden leuchtete, so wie durch ihre Schönheit.

 

Einer der reichsten Männer der Stadt, mit Namen Flaccus, hatte sie gesehen und begehrte sie daraufhin zur Ehe. Allein Petronilla wies ihn ab. Nun aber kam er mit einem Gefolge von Bewaffneten, um sie mit Gewalt zur Einwilligung zu bringen. Ruhigen Gemütes und auf den Beistand ihres göttlichen Bräutigams vertrauend, sprach sie zu ihm: „Warum, o Flaccus, kommst du mit Waffen zu einem wehrlosen Mädchen? Die Herzen der Jungfrauen werden nicht mit Schwert und Drohung gewonnen. Willst du mich zur Frau haben, so gib mir drei Tage Bedenkzeit, und dann schicke mir, wie es der Brauch ist, Jungfrauen, um mich zur Hochzeitsfeier in deinen Palast zu führen.“

 

Flaccus gewährte ihre Bitte. Allein Petronilla hatte etwas anderes im Sinn. Hingeworfen auf die Knie, flehte sie mit heißer Inbrunst zu Jesus, er möge seine Braut nicht in die Hände dieses Lüstlings fallen lassen, sondern als ein reines Opfer mit keuschem Leib und reinem Herzen zu sich nehmen. Drei Tage brachte sie so im Beten, Fasten und Wachen zu.

 

Am dritten Tag kam der fromme Priester Nikodemus zu ihr, las die heilige Messe, und reichte ihr dann die heilige Kommunion. Hierauf legte sie sich auf ihr Ruhebett, und mit den Worten: „O mein göttlicher Bräutigam, jetzt ist sie da die Stunde meiner Vermählung, jetzt komme ich zu dir, um ewig mit dir vereint zu sein,“ gab sie sanft ihren Geist auf.

 

Schönheit vergeht, Tugend besteht

 

Tagtäglich sehen und hören wir, wieviel die Welt auf die Schönheit des Körpers hält und ganz besonders die weiblichen Personen, aber nicht nur die, bilden sich oft auf ihre vermeintliche Schönheit so viel ein, schmücken ihren Leib mit schönen Kleidern und buntem, glitzerndem Schmuck, richten immerfort ihre Haare je nach Mode, färben sie in allen Regenbogenfarben, schminken nicht nur ihr Gesicht und verwenden allerlei Hilfsmittel, um ihre Gestalt und manchmal auch jede Körperfalte hervorzuheben. Allerdings denken sie wohl nicht daran, dass sie sich selbst und andere Menschen damit betrügen, sich und auch andere dadurch ins Elend stürzen. Wie lange dauert denn die Schönheit? Die Wahrheit ist: Bald ist sie verwelkt und dahingeschwunden, so dass auch keine Schminke mehr hilft. Eine kleine Krankheit nur kann die vermeintliche Schönheit zerstören und der Tod raubt sie endlich ganz gewiss. Was aber das Gefährlichste ist, so zerstört die so sehr verehrte Schönheit des Gesichtes sehr oft die Schönheit der Seele. Manche Leute treiben sozusagen mit ihrem Gesicht den gruseligsten Götzendienst, sie vergessen vor lauter Eitelkeit und Selbstgefälligkeit ganz ihren Gott und Herrn. Sie verderben ihr Herz durch Stolz und Selbstliebe und Hochmut, und schließlich durch Unreinheit und sinnliche Lust und richten sich letztendlich so an Leib und Seele zugrunde. Eine kurze Zeit haben sich die Menschen dann an ihrer Schönheit erfreut, aber Schmerz und Leid ist ihnen immer auf den Fuß nachgefolgt. Mit Recht sagt daher der Weise in den Sprichwörtern 31,30: „Trügerisch ist Anmut, vergänglich die Schönheit, nur eine gottesfürchtige Frau verdient Lob.“

 

Es stimmt: Nur die Tugend besteht! Nur die Tugend bleibt ewig! Was hätte wohl die heilige Petronilla mit ihrer Schönheit gewonnen? Vielleicht ein glänzendes Leben. Alles an Schmuck und Kleidern und Geld, soviel das Herz begehrt. Aber wie lange hätte dieses Leben gedauert? Einige Jahre, vielleicht nur einige Wochen, und ihre Seele? Wie wäre es wohl ihrer Seele ergangen? Gott ließ sie daher krank werden, und auf dem Krankenbett lernte sie viel über die Eitelkeit, die durch die Schönheit in Gefahr gebracht wird. Und so streckte sich Petronilla aus nach der unvergänglichen Schönheit der Seele und nun glänzt sie im Chor der heiligen Frauen mit der Strahlenkrone der Reinheit auf dem Haupt, die nimmermehr vergeht!

 

Und du, christliche Seele, bedenke doch bitte, dass Gottes Auge nie auf die Schönheit des Leibes schaut, wohl aber immer auf die Schönheit der Seele und bete daher so oft wie es dir möglich ist: „O Herr, lass rein und schön werden vor deinem Angesicht meine Seele, damit sie würdig befunden wird, dich, ewige Schönheit, zu schauen im Himmel ewig!“ Amen.