Heilige Emerita, Martyrin von Chur, Schweiz, + 4.12.195 – Gedenktag: 4. Dezember

 

Welch herrliche Früchte bringt nicht die katholische Religion hervor! Könige stiegen vom Thron, um den Purpur mit dem Gewand der Armut zu vertauschen. Fürstentöchter und Königinnen sah die erstaunte Welt auf ihren Glanz verzichten, um in den Fußtapfen des demütigen und sanftmütigen Heilandes zu gehen. Eine solch heroische Königstochter, die, angetrieben von heiliger Gottes- und Nächstenliebe, allem entsagte, um Seelen für den Himmel zu erwerben, ist die heilige Emerita, die fromme Schwester des heiligen Königs Lucius von England.

 

Während der heilige Lucius eifrigst bemüht war, den Heiden im Bistum Augsburg das Evangelium zu verkünden und sie zur Annahme des Christentums zu bewegen, war seine heilige Schwester Emerita in England zur Verbreitung des Glaubens tätig und versuchte ihm, so viel in ihren Kräften stand, zum Sieg über das Heidentum zu verhelfen. Sie stärkte die Neubekehrten im Glauben, ließ Kirchen des wahren Gottes erbauen und sorgte für eifrige Priester und deren Unterhalt. Mit einem Wort, sie führte ein solch heiliges Leben, dass sie nicht nur bei den Christen, sondern auch bei den Heiden allgemein beliebt war. Gewissenhafte Ausübung der Religion macht ja auch bei Andersgläubigen achtunggebietenden Eindruck.

 

Aus heiliger Begeisterung für Gottes Ehre verließ sie nach dem Beispiel ihres heiligen Bruders ihr Vaterland und, geleitet von ihrem heiligen Engel, traf sie durch Gottes Fügung in der Nähe des Lechflusses mit Lucius zusammen. Nun arbeiteten beide mit rastlosem Eifer an der Verbreitung des wahren Glaubens und viele Heiden, angezogen durch die Schönheit der Lehre, mehr noch aber durch das heilige Beispiel der edlen Geschwister, wurden für Christus gewonnen. Doch bald wurde der unermüdliche Eifer Emeritas von einigen wilden Heiden mit grausamen Martern und qualvollem Tod vergolten. Als sich nämlich die Heilige einst von ihrem Bruder etwas entfernte und die Ungläubigen zur Annahme der Lehre Jesu zu bewegen suchte, wurde sie von verstockten Heiden mit Fäusten und Prügeln hart geschlagen und ins Gefängnis geworfen. Am anderen Morgen wurde sie wieder herausgeschleppt und zum Feuertod verurteilt. Geschmückt mit der dreifachen Krone der Jungfräulichkeit, des Martyrertums und des Apostolates eilte sie dem göttlichen Bräutigam entgegen am 4. Dezember 195.

 

 

Als der heilige Lucius von dem glorreichen Tod seiner Schwester Kenntnis erhielt, eilte er mit einigen Christen an den Ort, wo Emerita eines heiligen Todes gestorben war. Er sammelte ihre Gebeine und fand den Schleier ihres Hauptes durch ein Wunder unversehrt. In einer Kirche, die zu Ehren der allerheiligsten Jungfrau und des heiligen Apostels Andreas erbaut wurde, setzte er die Reliquien seiner heiligen Schwester bei.