Heiliger Johannes (John) Fisher, Bischof und Martyrer, + 22. Juni 1535 – Fest: 22. Juni

       

Unter den wenigen Männern, die den Gelüsten des Königs Heinrich VIII. gegenüber die Rechte der Kirche furchtlos verteidigten, steht in erster Reihe der heilige Bischof von Rochester John Fisher (Johann Fischer). Als Sohn braver Bürgersleute zu Beverley in Yorkshire im Jahr 1468 oder 1469 geboren, bildete er seine vorzüglichen Geistes- und Herzensanlagen auf der Universität zu Cambridge aufs beste aus, so dass er frühzeitig den Magistergrad, die Befähigung zum Lehramt, und die Priesterweihe erhielt. 1501 wurde er zum Doktor der Theologie und Vizekanzler der Universität ernannt und ob seiner hohen Tugenden von der Mutter des Königs Heinrich VII., der heiligmäßigen Margareta von Richmond, zum Hofkaplan und Beichtvater erwählt. Den großen Einfluss, den ihm diese Stellungen brachten, benützte Fisher nur zum Besten der Kirche, besonders der kirchlichen Wissenschaft, deren Förderer und größte Zierde er zeitlebens war. Zum Bischof der kleinen Diözese Rochester 1504 erhoben, fand er neben seinen bischöflichen Pflichten, denen er aufs gewissenhafteste nachkam, noch immer Zeit für die Sorge um seine geliebte Universität, deren Kanzler er bis zum Tod verblieb. Der Führer der deutschen Humanisten, Erasmus von Rotterdam, schätzte die Geistestiefe und Gelehrsamkeit des Heiligen sehr hoch und fällte in einem Brief an Reuchlin das Urteil, es gebe in England keinen gelehrteren Mann oder heiligeren Bischof als Fisher.

 

Heilig zu werden, danach allein zielte des frommen Bischofs erstes und ernstestes Streben. Sein Leben war ein strenges, abgetötetes. Allem voran ging ihm das Gebet. Das Brevier betete er sehr ehrfurchtsvoll, klar und langsam jedes Wort aussprechend, dass er eine wahre Freude an dieser himmlischen Nahrung zu haben schien. Als einmal ein Kartäusermönch den Fleiß lobte, den er auf sein Buch gegen die Irrtümer Luthers verwandt habe, gab er zur Antwort, er wünschte, er hätte die Zeit, die ihm diese Schrift gekostet hat, auf das Gebet verwendet, denn er meine, Gebet hätte mehr Gutes gestiftet und ihm größeres Verdienst erlangt. Dem Namen Jesus erwies er im Gebet und im Gespräch stets eine besondere Ehrfurcht.

 

Der zweite Flügel, mit dem Fisher sich leichter zum Himmel zu erheben hoffte, war ihm die Ausübung der Barmherzigkeit. Dürftigen Kranken war er Arzt, den Witwen ein Fürsprecher, den Waisen ein Vormund, hilflosen Reisenden ein gastlicher Wirt. Wo er hinkam, ließ er nach den armen Kranken forschen, schickte ihnen Almosen und besuchte sie selbst fleißig, um sie auf den Tod vorzubereiten. Mochte auch die Hütte noch so armselig sein, mochte sie, mangels eines Schornsteines, qualmender Rauch erfüllen oder musste er auf einer steilen Leiter ins Dachstübchen hinaufsteigen, stundenlang hielt er am Krankenlager aus, die Armen zu trösten. Bischof Fisher konnte viel Gutes tun, weil er für sich selbst genügsam lebte. Fleisch genoss er nur spärlich. Durch sein strenges Fasten bis auf Haut und Knochen abgemagert, züchtigte er auch diese noch durch ein Bußgewand und Geißelungen. Zum Ruhebett hatte er nichts als Stroh und Matten. Dieses harte Lager befand sich in Rochester neben der Kathedrale in einer engen Zelle, von der aus er in die Kirche blicken konnte. Länger als vier Stunden pflegte er nie zu ruhen. Dann erhob er sich wieder zu langem Gebet.

 

Diesem privaten Tugendleben des Bischofs entsprach sein öffentliches Wirken. Er galt als einer der begabtesten und eifrigsten Prediger Englands zu seiner Zeit. Mit heiligem Eifer wachte er über die Reinheit der katholischen Lehre. In Wort und Schrift trat er mit großer Gelehrsamkeit und überzeugender Glaubensbegeisterung gegen die Neuerungen Luthers auf. Der heilige Thomas More, sein späterer Leidensgefährte, hebt ausdrücklich hervor, dass Fishers Belehrung über den Primat, das oberste Hirtenamt des Papstes über die ganze Kirche, ihn im Glauben über diese Grundwahrheit der Kirche so sehr befestigt habe, dass er nicht wankte, als er für sie sein Haupt auf den Block legen musste. König Heinrich VIII. selbst, bevor noch die Leidenschaft seine Vernunft trübte, pflegte aus eigenem Antrieb sich zu rühmen, dass kein anderer Fürst oder König einen solchen Prälaten habe, wie Fisher sei, mit dem kein anderer Mann in fremden Ländern an Tugend und Gelehrsamkeit verglichen werden könne. Dieser ausgezeichnete Mann war denn auch wie kein anderer befähigt und durch sein heiliges Leben vorbereitet, die Wahrheit der katholischen Lehre und die Rechte der Kirche gegen die Übergriffe desselben Herrschers standhaft und mit Hingabe seines Lebens zu verteidigen.

 

Der Kampf begann, als Heinrich VIII. 1527 verlangte, von seiner Gemahlin geschieden zu werden unter dem Vorwand, die päpstliche Dispens bei Schließung seiner Ehe sei ungültig gewesen. Der heilige John Fisher unterzog die Frage dem gewissenhaftesten Studium, schrieb sieben oder acht Schriften darüber und verteidigte später vor den Richtern das Recht der Königin mit großer Beredsamkeit. Er spielte freimütig auf den Martyrertod Johannes des Täufers in Verteidigung der Ehe an. Schon damals (1529) schwebte ihm dasselbe Los vor Augen. Im Oktober 1530 wurde er zum ersten Mal auf Befehl des Königs eingekerkert, weil er gegen das Parlament Berufung an den apostolischen Stuhl einlegte, der Heinrichs Ehe mit Katharina für gültig erklärt hatte. Bald wieder freigelassen, ließ sich der Heilige nicht abschrecken, gegen die Ehescheidung des Königs zu predigen. Als dann das Parlament die Ehe des Königs für null erklärte, widersetzte sich der Bischof von Rochester wieder offen diesem Beschluss, was ihm eine zweite Verhaftung zuzog (1533). Der Kummer über den Sieg der Bosheit, die unaufhaltsam England dem Abfall und der Irrlehre in die Arme trieb, warf den mutigen Bekenner aufs Krankenlager. Sichere Anzeichen der Auszehrung stellten sich ein. Und doch sollten die ärgsten Prüfungen erst beginnen.

 

Das englische Parlament beschloss, die „Sukzessionsakte“, das Gesetz über die Thronfolge, wonach die Kinder der Anna Boleyn, nicht die Tochter Heinrichs aus der ersten rechtmäßigen Ehe mit Katharina thronerbeberechtigt sein sollten. Viele Edle geistlichen und weltlichen Standes beschworen dieses Gesetz. Allein da es auch Beschlüsse gegen die kirchliche Gerichtsbarkeit und den päpstlichen Stuhl enthielt, durfte es kein treuer Sohn der Kirche beschwören. Der Heilige, dessen Abschied von Rochester tief ergreifend, unter allgemeinem Weinen und Klagen seiner geliebten Herde erfolgt war, verweigerte am 13. April 1534 vor den Kommissaren in London den Eid. Dafür nahm ihn nun wie auch seinen Freund Thomas More das berüchtigte finstere Staatsgefängnis des Tower auf. Mehr als ein Jahr musste der greise, 65 Jahre zählende Bischof in seinem „kalten und qualvollen Kerker“, wie er ihn selber in einem Brief nennt, einem Gewölbe von klafterdicken Mauern, kleinen, schlecht schließenden Fenstern und einem Boden, mit rauen Steinfliesen belegt, zubringen. Da der König und seine Räte alles daransetzten, den ehrwürdigen Bischof zum Nachgeben zu bringen, so wurde eine immer strengere, grausame Behandlung angewendet. Die Kleider waren schließlich ganz zerrissen und konnten seine Glieder nicht mehr erwärmen. Die Kost war überaus erbärmlich, wobei der arme Gefangene an Brechreiz und Leibschmerzen, Husten und Fieber litt. Sogar um einen Priester und einige Andachtsbücher musste er zur Weihnachtszeit in einem demütigen Brief an Cromwell, den Günstling des Königs, eigens bitten. Er sollte die Leiden bis zum Ende tragen.

 

Ein neues Gesetz, das den König als oberstes Haupt der Kirche in England erklärte, wurde erlassen. Als man es dem heiligen Bekenner vorlegte, sagte er, es sei ein zweischneidiges Schwert. Weigere er sich die kirchliche Oberhoheit des Königs anzuerkennen, so sei das sein Tod. Wollte er aber seinem Gewissen zuwider den Eid leisten, so sei sein Los noch schlimmer als der Tod. Er bitte daher untertänigst, ihm zu erlauben, dass er schweige. Alle Versuche, ihn zu einer Antwort zu bringen, waren nutzlos. Wütend befahl der König, die Versuche zu wiederholen: „Fisher und More müssten den Schwur leisten, oder er wolle ihnen zeigen, was es heiße, sich gegen ihn zu empören.“ Man wendete nun die elendesten Mittel der Lüge an. Thomas More nachgeben, meldete man dem Bischof. Der niederträchtige Kniff erschütterte aber den heiligen Blutzeugen nicht. Da legte ihm der Staatsanwalt einen anderen Fallstrick. Er ging zu ihm und fragte um Rat, angeblich im Auftrag des Königs, der in Betreff des Supremates nun doch nicht ganz sicher sei, ob er nicht etwa seine Rechte überschritten habe. Wenn der Bischof auf sein Gewissen erkläre, dass der Titel bestimmt ein unerlaubter sei, würde ihn der König fallen lassen. So auf sein Gewissen befragt, antwortete Fisher, er wiederhole entschieden, angesichts des Todes, dass der Titel eines höchsten Herrn der Kirche durchaus unrechtmäßig sei. Der König möge sich hüten, eine solche Würde sich beizulegen, wenn ihm das Heil seiner Seele und das Glück seines Hauses lieb sei. Nun hatte man die Waffe gegen den Standhaften.

 

Inzwischen waren als erste Opfer mehrere Kartäusermönche hingerichtet worden (siehe am 4. Mai). In Rom war man von allem unterrichtet. Um den in größter Gefahr schwebenden Bischof von Rochester der Gerichtsbarkeit des Königs zu entziehen, erhob ihn Paul III. am 20. Mai 1535 zum Kardinal der heiligen römischen Kirche. Allein der römische Purpur sollte ihm das Purpurgewand des Martyrers nur um so rascher und schöner färben.

 

Am 17. Juni stand der Heilige wieder vor Gericht. Die Anklage auf Hochverrat wurde wirklich auf die Antwort gestützt, die Fisher dem Staatsanwalt auf seine Gewissensfrage gegeben hatte. Er verteidigte sich, dass er diese Worte nicht böswillig gesprochen habe, sondern als Belehrung und Rat auf die ausdrückliche Bitte des Königs. Das Todesurteil wurde gefällt. Darauf sprach der Verurteilte nochmals freimütig seine Meinung über die Rechte aus, die der König in unerhörter Weise über die Kirche sich anmaße. Am 22. Juni stand Fisher auf dem Schafott. Die Sonne brach eben aus den Wolken hervor und verklärte das ehrwürdige Antlitz des Martyrers. Da rief er mit zum Himmel erhobenen Händen: „Tretet zum Herrn hin und ihr werdet Licht, und euer Antlitz wird nicht zuschanden werden“ (Psalm 34,6). Selbst der Scharfrichter war bei dem ergreifenden Schauspiel erschüttert und bat kniefällig um Verzeihung. „Herzlich gern verzeihe ich dir“, sagte der Heilige. „Du wirst mich beim Tod nicht zittern sehen.“ Dann sprach er mit fester Stimme zum Volk: „Christen, ich bin hierhergekommen, um für den Glauben der heiligen katholischen Kirche den Tod zu leiden. Ich danke Gott, dass er mir bis zu diesem Augenblick den Mut aufrecht hielt. Ich bitte euch, steht mir mit eurem Gebet bei, auf dass ich frei von jeder Furcht in dieser Todesstunde nicht wanke, sondern unerschütterlich fest im katholischen Glauben sterbe. Ich bitte den Allmächtigen, er möge in seiner unendlichen Barmherzigkeit den König und dieses Reich beschirmen, seine schützende Hand über unsere ganze Heimat ausbreiten und dem König gute Ratgeber senden.“ Nun kniete der große Mann zum Gebet nieder und bat nochmals das Volk, es möge, wenn der Streich falle, laut den Namen Jesus anrufen. Nachdem er das Te deum zu Ende gebetet hatte, legte er ruhig das Haupt auf den Block und empfing den Todesstreich.

 

Mögen unserer gefährdeten Kirche auch in unseren Tagen solche Männer erstehen, unbezwinglich im Glauben und gleich zart die Heimat liebend.

 

 Johannes Fisher wurde 1886 durch Papst Leo XIII. zusammen mit Thomas Morus seliggesprochen. Die Heiligsprechung der beiden Martyrer erfolgte am 19. Mai 1935 durch Papst Pius XI.