Heiliger Otto, Erstlingsmärtyrer des Franziskanerordens in Marokko, + 16.1.1220 - Fest: 16. Januar

       

Zu den erhabenen Tugenden des heiligen Franziskus von Assisi gehörte auch ein glühender Seeleneifer. Dieser trieb ihn an, seinem ersten Orden auch die auswärtige Mission als Arbeitsfeld zuzuweisen und er selbst ging hierin mit heldenmütigem Beispiel voran, indem er geradezu sich zum Sultan von Ägypten begab und diesem das Evangelium verkündete, freilich ohne den gewünschten Erfolg. Franziskus´ gottliebendes Herz war aber bei diesem Streben auch von einem noch edleren Verlangen erfüllt, nämlich: Für Christus sogar den Martertod zu erleiden. Ihm selbst war nun dies nicht beschieden. Aber er erlebte noch die Freude, eine ganze Schar seiner Brüder als die ersten oder Erstlingsmartyrer des Ordens selig preisen zu können, nämlich die fünf Ordensbrüder: Berardus, Petrus, Akkursius, Adjutus und Otto. Die hatte er nämlich ausgesandt, den in Spanien und Nordafrika wohnenden Mohammedanern den christlichen Glauben zu predigen, gleichwie er selbst dies im Orient zu tun gedachte. Und die fünf Brüder machten sich auch sofort voll glühender Begeisterung und Sehnsucht nach dem Martertod auf den Weg. Anfangs waren es übrigens ihrer sechs, da ihnen der heilige Franziskus den Bruder Vitalis als Führer und Vorgesetzten mitgab. Allein der wurde in Spanien krank und musste infolgedessen die fünf Genossen allein ziehen lassen. Der erste Schauplatz ihrer Glaubenspredigt war die spanische Stadt Sevilla, die wie überhaupt ein großer Teil des südlichen Spanien unter der Herrschaft der mohammedanischen Mauren stand. Gleich ihrem heiligen Ordensstifter drangen die fünf Brüder daselbst unerschrocken bis zum Thron des maurischen Herrschers vor und verkündeten ihm die christliche Wahrheit, während sie gleichzeitig die Lehre und das Gesetz Mohammeds als Irrtum und Betrug erklärten. Aufs höchste ergrimmt, gab der König den Befehl, die kühnen Prediger zu enthaupten und nur der Fürsprache seines Sohnes hatten sie es zu danken, dass der Blutbefehl nicht ausgeführt, sondern sie ins Gefängnis geworfen wurden. Dieses befand sich hoch oben in einem Turm, aber selbst von da herab setzten sie ihre Predigt mutig und gottbegeistert fort, diesmal aber mit dem Erfolg, dass der König ihnen sein Land verbot und sie nach Afrika hinüber und zwar nach Marokko bringen ließ. Hier herrschte der Sarazenenfürst Miramolin. Schon nach wenigen Tagen hatte er zufällig Gelegenheit, den Führer der fünf Brüder, den Vater Berardus, auf öffentlicher Straße predigen zu hören. Auch er gab nicht der Gnade, sondern der Wut Gehör und verwies die fünf Franziskussöhne aus Stadt und Reich. Und nun konnte man das Schauspiel eines förmlichen Wettstreites sehen zwischen dem Predigteifer dieser heiligen Männer und dem Bestreben des sarazenischen Herrschers sie zum Schweigen zu bringen und zu entfernen.

 

Denn als einige christliche Freunde sie wieder in christliche Gegenden zurückführen wollten, entzogen die Brüder sich ihnen durch die Flucht, eilten nach Marokko zurück und begannen sofort wiederum den christlichen Glauben zu predigen. Die Folge war abermalige Einkerkerung, verschärft durch Hunger und Durst.

 

Nun brach aber plötzlich ein gewaltiger Sturm über das ganze Land herein, den man als göttliches Strafgericht ansah wegen der grausamen Behandlung der fünf Ordensbrüder, weshalb sie der König aus dem Kerker entließ, höchst erstaunt, dass sie trotz der zwanzigtägigen Kerkerhaft und Hungersqual gesund und frisch vor ihm standen. Wiederum sollten und wollten christliche Freunde die Brüder in die Heimat zurückgeleiten – aber siehe da, wiederum kehrten sie in die Stadt und zu ihrer Predigttätigkeit zurück. Doch einer ihrer christlichen Freunde ließ es diesmal zu einem öffentlichen Auftreten der Brüder gar nicht mehr kommen, sondern verbarg sie in seinem Haus. Allein dies gelang nur auf kurze Zeit. Die Ordensbrüder wussten abermals die Aufmerksamkeit ihrer Freunde zu täuschen und als an einem Freitag König Miramolin die Gräber seiner Vorfahren besuchte, musste er neuerdings Zeuge einer Predigt des Fraters Berardus sein. Und wiederum geriet er, anstatt zu glauben, in die höchste Wut und gab den Befehl, die Diener Gottes sofort zu töten. Doch der damit beauftragte Fürst, Albozaido mit Namen, der einige Zeit vorher Zeuge eines großen Wunders gewesen war, das Frater Berard wirkte, vollzog die Todesstrafe nicht sofort, sondern ließ die furchtlosen Bekenner Christi ins Gefängnis werfen, wo sie übrigens ziemlich gut behandelt wurden. Allein nicht um es gut zu haben, waren sie nach Marokko gekommen, sondern um zu predigen und womöglich für Christus zu sterben! Und so verkündeten sie selbst in der Kerkerhaft den ihnen so teuren Glauben. Aber jetzt kannte auch Albozaido kein Erbarmen mehr. Er ließ die Missionare von dreißig Sarazenen so grausam geißeln, dass ihre Leiber ganz zerrissen waren und zuletzt auch noch Essig und siedendes Öl in die schrecklichen Wunden gießen. In der folgenden Nacht sahen die Wächter ein wunderbares Licht vom Himmel auf die fünf Glaubenshelden herabstrahlen. Hiervon wurde auch König Miramolin benachrichtigt, der sie deshalb vor sich kommen ließ und jetzt einmal auf andere Weise sie zum Abfall vom Glauben zu bewegen suchte. Er ließ einige schöne Frauen herbeiführen und versprach diese den Brüdern zur Ehe zu geben und sie selbst außerdem zu reichen und hochgeehrten Männern zu machen, wenn sie nur zur mohammedanischen Religion übertreten würden. Aber unsere christlichen Bekenner antworteten dem König: "Wir wollen weder deine Frauen noch dein Geld, denn wir verachten dies alles um Christi willen!“ Nun war des Königs Freundlichkeit und Geduld zu Ende. Eigenhändig hieb er den fünf Ordensbrüdern die Köpfe ab und verhalf ihnen so zur langersehnten Marterkrone. Es war dies am 16. Januar 1220. Die Leiber der Heiligen wurden vom Pöbel unter Schimpf und Spott durch die Straßen der Stadt geschleift, ganz in Stücke zerrissen und zuletzt außerhalb der Stadt liegen gelassen. Die Christen wollten sie ehrfurchtsvoll an sich nehmen, wurden aber von den Sarazenen daran gehindert, die alsdann nochmals über die heiligen Leiber herfielen und sie ins Feuer warfen, worin sie aber durch göttliches Eingreifen völlig unversehrt blieben. Endlich gelang es den Christen, die heiligen Reliquien in ihren Besitz zu bringen. Sie wurden in zwei kostbaren Schreinen beigesetzt und später nach Coimbra in Portugal gebracht, wo bei ihrem Anblick der junge Kanonikus Ferdinand Buglio so begeistert war, dass er den Entschluss fasste, ebenfalls ein Sohn des heiligen Franziskus zu werden. Und so geschah es auch, es ist aus ihm geworden: Der große, heilige – Antonius von Padua! Ja, ihn haben die fünf ersten Franziskanermärtyrer dem seraphischen Orden geschenkt und zwar waren es zunächst ihre heiligen Reliquien, ihre sterblichen Überreste, wovon diese so beglückende Wirkung ausging.

 

Hier haben wir demnach einen Beweis übernatürlicher Segenskraft der heiligen Reliquien. Mit Recht also verehrt sie die katholische Kirche und leitet auch die Gläubigen zu dieser Verehrung an, besonders dadurch, dass sie solche Reliquien auf den Altären ausstellt und den Gläubigen auch zum Kuss darreicht (Partikel-Kuss). Es ist klar, dass, wer eine heilige Reliquie also fromm verehrt, dadurch sowohl zeitliche wie übernatürliche Gnaden von Gott erlangen kann. Stets aber muss man Sicherheit darüber haben, dass die betreffende Reliquie echt ist. Dies darf jedoch der katholische Christ immer annehmen, wenn ihm eine heilige Reliquie von einer kirchlichen Amtsperson oder Behörde gezeigt oder dargeboten wird. Verehren wir also gerne und andächtig solche Reliquien, aber nicht ohne auch zugleich die Gesinnungen der Heiligen in uns aufzunehmen und zu betätigen, z.B. den Glaubensmut und die Standhaftigkeit dieser Erstlingsmärtyrer des Franziskanerordens.