Der heilige Telemachus /Almachius, Märtyrer von Rom, + 1.1.398 – Fest: 1. Januar

   

Telemachus oder Almachius, Einsiedler des Orients, wurde tief von Schmerz ergriffen bei dem Gedanken an die unmenschlichen Gefechte der öffentlichen Kämpfer, die Städte und ganze Provinzen mit in die Sünde dahinrissen, und die Verdammung so vieler Seelen verursachten; er verließ daher in der Absicht, einem so bedauernswürdigen Übel, wo möglich, Einhalt zu tun, seine Einöde, um nach Rom zu reisen. Sobald er die Kämpfer sich gegenseitig erwürgen sah, lief er zu ihnen hin, um sie auseinander zu reißen; allein sein Eifer kostete ihn das Leben. Er wurde auf die Erde niedergeworfen, und in Stücke zerhauen am ersten Januar 404 (398) (Stolberg sagt, das blutdürstige Volk habe ihn gesteinigt). Übrigens brachte jedoch die Vergießung seines Blutes die heilsamsten Wirkungen hervor, Weil Kaiser Honorius dadurch veranlasst wurde, die schauderhaften Kämpfe, die bis dahin, ungeachtet des Verbots der Kaiser Konstantin, Konstantius, Julian und Theodosius I. noch immer bestanden, ganz abzustellen. Der Name des hl. Almachius befindet sich in dem wahren Märtyrerverzeichnis von Beda, und in dem römischen. Die Märtyrerverzeichnisse von Beda, Adon, Usuard usw. tun Meldung vom heiligen Almachius, der zu Rom gemartert wurde, weil er sich kraftvoll den abgöttischen Gebräuchen widersetzte, die in der Oktav der Geburt unseres Heilandes, d.h., am Tag der Beschneidung, verübt wurden. Adon setzt hinzu, die Gladiatoren haben ihn, auf Befehl des römischen Präfekten Alipius, niedergemetzelt. Man findet auch wirklich einen Präfekten dieses Namens zu Rom unter der Regierung Theodosius I., Vater des Honorius. Aus allen diesen Umständen hat Baronius in seinen Anmerkungen über das römische Märtyrerverzeichnis geschlossen, unser Heiliger sei derselbe, von dem Theodoret unter dem Namen Telemachus redet, worin ihm Bollandus und Vaillet folgten. Allein Chastelain, in seinen Anmerkungen über das römische Märtyrerverzeichnis und Benedikt XIV. sind der Meinung, man solle sie beide unterscheiden, und Almachius habe lange Zeit vor Telemachus den Märtyrertod gelitten. Wir nahmen die Meinung der Ersteren auf.

 

Es geschah am 1. Januar 398

 

Der letzte Gladiatorenkampf

Von Paul Graff-Ederer

Aus „Der Volksbote“, Innsbruck 1959

 

Zehntausende von Zuschauern drängen sich im Amphitheater von Rom. Das Stimmengewirr tobt wie das Brausen der Meeresbrandung. In der Kaiserloge sitzt Honorius. Voll Ungeduld wartet der Kaiser auf den Spielbeginn. Zwei der berühmtesten Gladiatoren sollen heute in der Arena miteinander kämpfen. Obwohl das Christentum bereits seit Jahrzehnten als Staatsreligion gilt, wuchern noch immer die heidnischen Gebräuche und Spiele fort.

 

Da treffen die Blicke aller auf die Gestalt eines Greises, der soeben in der untersten Loge Platz nimmt. Es ist eine hohe, ehrwürdige Erscheinung mit wallendem Bart und edlen Gesichtszügen. Aus dem unterm Schnee des Alters schimmernden Antlitz brennen zwei dunkle, feurige Augen. Die braune Pergamenthaut verrät den Orientalen. Es ist der Mönch Telemachus. Still und voll Spannung harrt er der Dinge.

 

Nun hebt Honorius lässig die Hand. Das Spiel beginnt! Musik schmettert über das menschenvolle Rund. Zwei Ringkämpfer treten in die Arena und verbeugen sich nach allen Seiten. Prachtvolle, herkulische Gestalten. Der Netzkämpfer hält den Dreizack und das Fangnetz, sonst ist er leicht bekleidet und ohne Waffen. Der Verfolger muss dem Netzkämpfer im Laufen die tödliche Wunde beibringen – freilich kann dieser mit Kriegslist seinem Verfolger das Netz über den Kopf werfen und ihn so zu Boden zerren. Gelingt ihm dies, so ist der Kampf entschieden. Zum Abschluss durchbohrt der Dreizack die Brust des gestürzten Gegners. Voll Todesangst irren seine flehenden verquollenen Augen an den Sitzreihen der Zuschauer entlang – dann stürzt er in den Sand. Wie eine Flut braust die Begeisterung auf. Nun fließt Blut! Sie toben, sie brüllen, sie rasen. Der Höhepunkt ist gekommen: die Masse will den Tod des Opfers.

 

Mit einem Fuß steht der Netzkämpfer auf dem Nacken seines Gegners, den Dreizack gezückt; siegesgewiss schweifen die Augen stolz zur Kaiserloge, zu den Damen, zu den Gassenjungen auf den obersten Rängen. Überall sind die Arme ausgestreckt, sind die Daumen zur Erde gerichtet – der Netzkämpfer weiß, was er zu tun hat. Der besiegte Gladiator muss sterben, ohne Erbarmen und Gnade muss er sterben – das Volk selber verlangt seinen Tod! Allerdings, es soll langsam geschehen, möglichst langsam, damit sich der entfesselte Pöbel an den Qualen des Sterbenden weiden kann.

 

So ziert sich der Sieger etwas; er wendet sich hierhin und dorthin, prüft die Spitzen des scharfen Dreizacks – und dann setzt er das Mordinstrument an . . . Jetzt wird der Hüne den blinkenden Stahl in die wehrlose Brust des Unterlegenen rammen – da gellt ein markerschütternder Schrei durch das Amphitheater!

 

Telemach, der greise Mönch, ist über die Brüstung gesprungen! Er stürzt zwar in den Sand, doch schnell rafft er sich auf und springt auf die Beiden Gladiatoren zu. Mit Blitzesschnelle entreißt er dem Netzkämpfer den Dreizack und schreit: „Im Namen Christi, haltet ein! Heute sind es acht Tage, seit der Herr geboren wurde! Lasst ab von eurem heidnischen Gräuel!“

 

Der gewaltige Netzkämpfer hat schon Ungezählten den Dreizack in die Brust gebohrt. Könnte er nicht auch den schwachen Mönch jetzt niederstechen? Gewiss, aber – er flieht erschreckt dem Ausgang zu! Mit einem Lächeln löst Telemach das Netz des Gestürzten . . .

 

Totenstille herrscht – das Volk ist um ein Schauspiel betrogen! Nun flattert ein Wutgeschrei auf, das zum Orkan anschwillt: „Der Mönch hat uns das Spiel verdorben – er muss sterben! Er muss sterben! Er muss sterben!“ So plärren die Gassenjungen, so kreischen die Damen. Schon fliegt der erste Stein, der zweite, der dritte. Unter dem Steinhagel der rasenden Meute bricht Telemach zusammen und verröchelt im Sand der Arena an Stelle des Gladiatoren.

 

 

Kaiser Honorius soll sich erschüttert abgewandt haben, berichten die heiligen Akten der Kirche. Der Tod des greisen Mönches habe ihn veranlasst, die grausamen Gladiatorenkämpfe für immer zu untersagen. Die Kirche aber ehrt Telemach, den Mönch aus Ägypten, als heiligen Blutzeugen.

 

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Aus einer anderen Legende:

 

Der heilige Almachius, Einsiedler im Orient, Martyrer in Rom,

+ 1.1.404 - Fest: 1. Januar

 

Almachius wurde im Orient geboren und zeigte von frühester Jugend an einen heiligen Eifer für die Erhaltung der Reinheit der christlichen Religion. Als junger Mann begab er sich in ein Kloster, wo er sich unter allen seinen Mitbrüdern sowohl durch Demut als Gelehrsamkeit auszeichnete, und schließlich, vom Geist Gottes getrieben, den Entschluss fasste, die klösterliche Einsamkeit zu verlassen und nach Rom zu reisen, wo noch so viele Heiden in der Finsternis des Unglaubens lebten. Almachius kam im Jahr 395 nach Rom, der damaligen Hauptstadt der Welt, als Siricius auf dem päpstlichen Thron saß, und Theodosius als Kaiser das römische Reich regierte. Am Tag der Beschneidung Jesu, dem Fest das die Gläubigen mit strengem Fasten und ununterbrochenem Gebet feierten, wurden in Rom öffentliche Spiele zur Ehre der Götter gegeben und alles Volk strömte dahin. Almachius, der Gottbegeisterte, erblickte die schändlichen Wettkämpfe, wobei Menschenblut floss, und sah die abergläubischen Opfer, die falschen Götzen gebracht wurden, und unerschrocken drang er durch das Volk bis hin zum erhöhten Sitz des Stadt-Präfekten Alipius und sprach mit lauter Stimme: „Ihr Unglücklichen! Heute ist der Erinnerungstag, an dem einst Jesus, der Sohn Gottes, als Kind sein Blut zum Heil der Welt vergossen hat, und ihr entweiht dieses Fest durch blutige Schauspiele, durch unmäßige Gastmahle und abergläubische Opfer?“ Alles schwieg, und der Heilige predigte der horchenden Menge den wahren und einzigen Gott und zeigte den Wahnsinn, eingebildeten Götzen Opfer zu bringen. Da ergrimmte Alipius und befahl seinen Henkern, den Frevler gegen die Götter zu morden. Almachius erhob seine Hände und Augen zum Himmel, flehte um Verzeihung für seine Mörder und gab, zerfleischt am ganzen Körper, seinen Geist auf.

 

Als der Kaiser Theodosius, der den Christen gegenüber günstig gestimmt war, von diesem grausamen Mord erfuhr, erklärte er mit Übereinstimmung des Papstes den Almachius als einen heiligen Martyrer und verbot unter strengen Strafen alle heidnischen Spiele, bei denen Menschenblut vergossen wurde.