Heiliger Phileas von Thmuis, Bischof und Märtyrer in Ägypten, + 4.2.306 – Fest: 4. Februar

 

Phileas wurde zu Thmuis in Ägypten in einer adeligen und sehr reichen Familie geboren. Er erhielt eine ausgezeichnete Erziehung und wurde in der Folge durch seine wissenschaftlichen Kenntnisse und seine Beredsamkeit sehr berühmt. Als er die christliche Religion angenommen hatte, wurde er zum Bischof von Thmuis erwählt. Unter den Nachfolgern des Kaisers Diocletian wurde er verhaftet und in einen Kerker Alexandriens geworfen. Dieser gute Hirte, der einzig um seine Herde besorgt war, schrieb aus seinem Gefängnis einen Brief an sie, um sie zu trösten und sie zur Standhaftigkeit aufzumuntern. Er beschrieb darin die Qualen, die die Glaubensbekenner, die bei ihm waren, erdulden mussten. „Jeder“, sagte er, „konnte sie ungestraft verhöhnen und misshandeln. Wem es beliebte, konnte sie mit Ruten, Geißeln, ledernen Riemen oder gar mit dicken Knotenstöcken schlagen . . . Bald sah man einen von ihnen an einen Pfahl gebunden, Hände und Füße mit Stricken gefesselt, die mittelst vier Räder, die man schnell umdrehte, gewaltsam angezogen, ihre Glieder schauderhaft auseinanderrissen. Bald wurden einem anderen mit eisernen Haken der Leib, die Seiten, die Arme, die Beine und die Backen aufgeritzt. Diesen hängte man an einem Arm auf. Jenen band man an einen Pfeiler, doch so, dass die Füße die Erde nicht erreichen konnten, damit die Stricke, durch die Schwere des Körpers fest zusammengezogen, tief in das Fleisch einschnitten. Diese Qualen dauerten oft einen ganzen Tag lang. Mehrere wurden in den Stock gespannt, so dass die Beine bis an das vierte Loch ausgespreizt waren. Die meisten aber wurden wieder in das Gefängnis zurückgebracht, wo sie wegen ihrer vielen Quetschungen und Wunden nicht anders, als auf dem Rücken liegen konnten. Auch einige starben unter den Händen der Peiniger, usw.“ Der Statthalter Culcian (Unter dem Tyrann Maximin war er von der Statthalterstelle über Thebais, zu der über ganz Ägypten erhoben worden. Licinius ließ ihm 313 den Kopf abschlagen.) hatte in einem langen Verhör, das unser Heiliger bestehen musste, unter anderen Fragen auch diese an ihn gerichtet, ob Jesus Christus Gott sei? Phileas beantwortete ihm diese Frage mit Ja und bewies die Gottheit Jesu Christi durch die Wunder, die er gewirkt hatte. Culcian, der ihm viel Achtung sowohl seines Verdienstes, als auch seines Standes wegen, erzeigte, setzte noch bei: „Wenn du in der äußersten Not schmachten würdest und, um aus ihr befreit zu werden, von mir den Tod erbittest, würde ich nicht zögern, dir deinen Wunsch zu gewähren. Allein du bist reich und hast hinreichende Einkünfte zu deinem und deiner Familie Unterhalt. Du würdest sogar beinahe eine ganze Provinz mit den nötigen Lebensbedürfnissen versehen können. Ich habe daher Mitleid mit dir und versuche alles, um dich zu retten.“ Die anderen, die bei dem Statthalter waren, und durchaus Phileas am Leben erhalten wollten, sagten: „Er hat schon in dem Phrontisterium Opfer gebracht.“ (Dies war ein zu Geistesübungen bestimmtes Gebäude.) Der Heilige aber entgegnete: „Nein, ich habe keine Opfer dargebracht; sagt ihr jedoch bloß, ich habe geopfert, dann redet ihr Wahrheit.“ Dadurch gab er deutlich zu verstehen, dass er noch keine Tiere geschlachtet, sondern Gott ein geistiges Opfer dargebracht habe, nämlich das des Gebets oder der Eucharistie.

 

Seine Verwandten waren zugegen, wie auch mehrere andere ausgezeichnete Personen. Der Statthalter, in der Hoffnung, er würde sich durch die Gefühle der Natur erweichen lassen, redete in also an: „Blicke doch hin auf den bedauerungswürdigen Zustand, in den deine Frau versetzt ist.“ Der Märtyrer antwortete: „Jesus Christus, der Heiland der Seelen, der mich zu dem Erbe seiner Herrlichkeit berief, kann auch meine Frau, wenn es ihm gefällt, berufen.“

 

Die Anwälte von Mitleid gerührt, sagten zu Culcian: „Phileas bittet um Aufschub;“ sogleich wandte sich der Statthalter zu dem Heiligen mit den Worten: „Ich will dir ihn geben, damit du dich bedenkst, was du zu tun hast.“ – „Ich habe es schon lange überdacht,“ erwiderte Phileas, „und ich bleibe dem festen Entschluss, für Jesus Christus zu sterben, unwandelbar treu.“ Hierauf warfen sich die Richter, der Stellvertreter des Kaisers, der die erste Stadtbehörde war, und alle anderen Gerichtsdiener samt den Freunden des Phileas, zu seinen Füßen, und beschwuren ihn, sich doch einer trostlosen Familie zu erbarmen, und seine Kinder in einem Alter, wo sein Leben ihnen noch so nötig wäre, nicht zu verlassen. Der Heilige aber, gleich einem Felsen, den die Wut der Wellen nicht zu erschüttern vermag, erhob sein Herz zu Gott, und beteuerte, dass er nur die Apostel und Märtyrer für seine Verwandten anerkenne. Unter den Anwesenden befand sich auch ein Tribun, der damals Oberschatzmeister des Kaisers zu Alexandrien war. Dieser hatte einen besonderen Gerichtshof in der Stadt, wo er mit mehreren angesehenen Männern Rechtshändel schlichtete. Man nannte ihn Philoromus. Von Verwunderung über die Antworten des unerschütterlichen Bekenners, und von Unwillen über die Erbitterung seiner Feinde, die nur dessen Untergang suchten, durchdrungen, rief er aus: „Warum beharrt ihr so hartnäckig darauf, die Standhaftigkeit dieses Biedermannes zu besiegen? Warum sucht ihr ihn durch feigherzige Gefälligkeit seinem Gott untreu zu machen? Seht ihr nicht, dass er nur die Herrlichkeit des Himmels im Auge hat, und dass er auf alle Güter dieser Erde nur mit Verachtung hinschaut?“ Durch diese Vorwürfe wurde die Versammlung so sehr erbittert, dass sie den Tod des Phileas und des Philoromus forderte. Beide wurden hierauf zur Enthauptung verurteilt.

 

 

Als man sie an den Ort führte, wo sie getötet werden sollten, sagte der Bruder des Phileas, der unter der Zahl der Richter war: „Phileas bittet um Gnade.“ Culcian ließ ihn sogleich vor sich kommen und fragte ihn, ob dies wahr sei. „Das möge Gott verhüten,“ antwortete der Heilige. „Weit entfernt, die Zurücknahme des Urteils, das mich zum Tod verdammt, zu wünschen, bin ich im Gegenteil dem Kaiser und dir vielen Dank schuldig, weil ich heute noch zu dem Besitz des Reiches, das Jesus Christus mit mir teilen will, gelangen werde.“ Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, da brachte man sie an den Ort, der zu ihrem Tod bestimmt war, wo er, nachdem er die Gläubigen zur Standhaftigkeit ermahnt hatte, mit Philorom enthauptet wurde. Sein Märtyrertod fällt zwischen die Jahre 306 und 312. Man findet die Namen beider Heiligen in den alten Martyrologien.