Gottes heilige Vorsehung wacht beständig über ihre Lieblinge, um durch sie Großes zu wirken. Dies können wir sehen im Leben des heiligen Germanus.
Germanus verdankte schon sein Dasein dem Schutz Gottes, denn seine Mutter kam wegen der vielen Kinder, die sie hatte, auf den bösen Gedanken, ihn vor seiner Geburt schon zu töten. Allein die Mittel, die sie anwendete, halfen nichts und Germanus erblickte gesund und kräftig das Licht der Welt in Frankreich im Jahr 496. Von seinen Eltern, die vortreffliche Anlagen an ihm fanden, wurde er mit seinem Vetter Stratidius fleißig in die Schule geschickt. Da kam eine neue Gefahr über ihn. Die Mutter des Stratidius, wohl eine bösartige Frau, versuchte nämlich unseren Germanus, um seine reiche Erbschaft, die er von seinen Eltern zu erwarten hatte, in ihren Besitz zu bekommen, ihn tatsächlich aus dem Weg zu räumen. Sie bereitete eines Tages zwei Gläser mit Wein für Germanus und Stratidius, in das eine Glas aber, das Germanus zugedacht war, mischte sie Gift und befahl dann der Magd, die Gläser den beiden jungen Männern zu bringen. Die Magd aber, die von dem Anschlag nichts wusste, verwechselte die Gläser und Stratidius trank das Gift, das ihn zwar nicht tötete, aber in ein unheilbares Siechtum stürzte; Germanus aber war gerettet.
Um nun ähnlichen Gefahren zu entgehen, begab er sich nach Lazy zu seinem Vetter, der ein überaus frommer Priester war, ihn mit aller Liebe aufnahm und in den Wegen der Frömmigkeit und der Wissenschaft sorgfältig unterrichtete. Beide schlossen die innigste Freundschaft miteinander. Früh morgens erhoben sie sich von ihrem Lager und eilten auch im heftigsten Sturm und Wetter in die eine Stunde weit entfernte Kirche, wo Germanus mit aller Andacht dem Priester am Altar diente. Zuhause beteten und studierten sie miteinander und übten sich auch in strengen Abtötungen. 15 Jahre lebte Germanus bei seinem Vetter und obschon er sich immer gerne verborgen hielt, wurde doch seine Frömmigkeit bekannt und Gott fügte es, dass der selige Agrippinus, der Bischof von Autun, ihn zum Priester weihte und sein Nachfolger ihn zum Abt des Klosters St. Symphorian bestimmte.
Germanus erhob sich aber in dieser neuen Würde nicht; er hielt sich für den Letzten der Brüder und hatte keine andere Freude, als den Armen Gutes zu tun; er beherbergte, speiste und kleidete sie auf Kosten des Unterhalts für die Brüder. Als eines Tages kein Stücklein Brot mehr im Kloster war, weil Germanus alles verteilt hatte, murrten die Mönche; er aber ging still in seine Zelle und betete dort vertrauensvoll zu Gott um Hilfe. Und siehe da, er hatte sein Gebet kaum geendet, als zwei Saumrosse bei der Klosterpforte anhielten, mit Lebensmitteln schwer beladen; eine fromme Frau hatte sie gesendet. Des andern Tages kam ein neuer Vorrat. Jetzt schämten sich die Mönche und verehrten ihren Abt wie einen Heiligen, der aber auch heilig lebte und allen voranleuchtete.
Als der Bischof von Paris starb, wurde Germanus, der überall wegen seines Lebenswandels bekannt war, zu dessen Nachfolger gewählt. Vier Jahre zuvor schon hatte ihm Gott dies angedeutet. Es erschien ihm nämlich in einem Traumgesicht ein ehrwürdiger Greis, der ihm die Schlüssel von den Toren der Stadt Paris mit den Worten überreichte: „Ich gebe dir diese Schlüssel, damit du die Einwohner von Paris vom Untergang rettest.“
Sein Leben war das Leben eines apostolischen Bischofs. Fast die ganze Nacht widmete er dem Gebet, immer trug er im Winter und Sommer dieselbe ärmliche Kleidung; sein Zimmer ließ er sich auch bei der strengsten Kälte nicht heizen. An seinem Tisch, mit einfachen Speisen angerichtet, hatte er gewöhnlich mehrere Arme um sich, die er bediente; zu jeder Stunde des Tages konnten die Unglücklichen sich bei ihm Rat und Trost holen. Mit größtem Eifer predigte er und bald war die Stadt Paris wie umgewandelt. Unter denen, die durch seine eindringlichen Predigten zu einem besseren Leben sich gemahnt fühlten, befand sich auch König Childebert. Er suchte durch Almosen seine Sünden zu tilgen und gebrauchte gewöhnlich den frommen Bischof zur Verteilung der Almosen. Eines Tages übergab er ihm 6000 Goldgulden, von denen Germanus die Hälfte sogleich unter die Armen verteilte, weil er nicht mehr fand, denen er das Übrige geben konnte. Als nun der Heilige wieder beim König erschien, fragte ihn dieser, ob er noch etwas von dem Geld besitzt. Als ihm nun der Heilige eröffnete, dass er noch die Hälfte hat, entgegnete er: „Gebt auch das Übrige noch hin, mit der Hilfe Gottes werden wir immer etwas geben können.“ War die Not groß, so ließ der König seine Gegenstände von Gold und Silber einschmelzen und übergab es dem heiligen Bischof zu Werken der Liebe. So gaben der König und der Bischof das schönste Beispiel christlicher Barmherzigkeit. O dass doch die Mächtigen auf der Erde ihre vergänglichen Güter auf solche Weise verwenden würden, welch reichliche Zinsen für Zeit und Ewigkeit würden sie davontragen!
König Childebert wurde aber vom heiligen Bischof in der Barmherzigkeit übertroffen. Er hatte dem Heiligen ein Pferd zum Gebrauch geschenkt mit der Bedingung, es niemals wegzugeben, denn er wusste, dass Germanus alles verschenkte. Längere Zeit befolgte der heilige Bischof den Willen des Königs; als er aber einst einen Gefangenen in großer Not sah, verkaufte er das Pferd und löste den Gefangenen aus. Der Käufer hatte aus Geiz den Preis des Pferdes herabgedrückt, dafür aber wurde er gestraft; denn am nächsten Tag fand er das Pferd tot im Stall. Besonders hatte der Heilige ein großes Mitleid mit den Kriegsgefangenen, die zu damaliger Zeit sehr hart behandelt wurden. Gebet, Fürbitten und Geld wendete er an, um sie zu befreien; mehrere befreite er wunderbar durch sein Gebet.
Als Childebert gestorben war, wurde Klotar sein Nachfolger. Dieser behandelte den Heiligen gleichgültig und ließ ihn einmal sogar längere Zeit, ohne ihn zu sprechen, vor seiner Tür warten. Germanus ging ruhig nach Hause, wurde aber bald zum König gerufen; denn dieser wurde plötzlich krank. Der Heilige erschien, legte dem Kranken den Saum seines Mantels auf die Glieder und sogleich war er gesund. Jetzt achtete er den Heiligen überaus und schenkte ihm alles Vertrauen.
Nach seinem Tod teilten seine Söhne das Reich unter sich. Charibert wurde König von Paris und verstieß seine Gemahlin, um ein Kammermädchen zu heiraten; nach deren Tod nahm er ihre Schwester, eine Klosterfrau, zur Ehe. Germanus stellte ihm mit ernsten Worten die Größe seiner Laster vor Augen, jedoch vergeblich. Nun tat der Heilige ihn und seine Mitschuldige in den Bann. Da keine Besserung erfolgte, trat Gott ins Mittel. Der König und die Ehebrecherin starben plötzlich nacheinander.
Viel hatte der heilige Germanus im Weinberg des Herrn gearbeitet, tausende von Sündern und Ungläubige zu Gott bekehrt, die Tränen von zahllosen Unglücklichen getrocknet und überallhin das Reich Gottes, besonders durch Erziehung frommer Priester, auszubreiten gesucht, da rief ihn endlich der Herr zu sich am 28. Mai 576, um ihm den Lohn seiner Treue zu geben. Sein Grab verherrlichte Gott durch große Wunder.
Der heilige Germanus wird abgebildet in bischöflicher Kleidung, neben sich ein brennendes Haus, das durch sein Gebet gelöscht wurde.
Von der brüderlichen Liebe
Der heilige Germanus hatte ein überaus liebevolles Herz; sein ganzes Leben war ein Leben der Liebe; und nichts fiel ihm schwerer, als wenn er sah, dass durch Bosheit, Hartherzigkeit, Streit oder Zank die brüderliche Liebe verletzt wurde. Er tat daher auch folgenden Ausspruch, der von seiner Gesinnung Zeugnis gibt:
„Es leuchtet allen sonnenklar ein: Wer die brüderliche Liebe außer Acht lässt, der verachtet die Gemeinschaft der Christen und hält es nicht mit der Wahrheit. Gegen ihn reden alle Propheten, ihn verabscheuen alle Apostel und Gott der Allmächtige, dessen Gebot er übertritt, wird ihn richten.“
Diese Worte sprach er zu Siegbert, dem Sohn König Klotars, der mit seinem Bruder in tödlicher Feindschaft lebte. Vergeblich mahnte und warnte ihn der Heilige und drohte ihm mit der Strafe des Himmels. Siegbert folgte nicht und wurde durch Meuchler ermordet, wie es der Heilige vorausgesagt hatte.
Verletze also niemals die Liebe, christliche Seele, denn sie ist ja die Liebestugend Jesu gewesen und ihr hat er vor allem den Himmel verheißen!
Mein Jesus, der du ganz Liebe bist und das Feuer der brüderlichen Liebe auf die Erde gebracht hast, damit es in aller Herzen entbrenne, entzünde auch mein Herz mit diesem himmlischen Feuer, damit ich alle Menschen liebe und durch diese Liebe selig werde. Amen.
