Heiligen-Legende

 

"Denkt an eure Vorsteher (die Heiligen),

die euch das Wort Gottes verkündet haben;

schaut auf das Ende ihres Lebens,

und ahmt ihren Glauben nach."

 

(Hebräer 13,7)

 

 

Jeden Tag lässt die Kirche den Lobgesang der Präfation ausklingen in das Dreimal-Heilig, das nach Jesaja 6 die Seraphim ewig dem Herrn zujubeln. Jeden Tag erinnert uns somit die Kirche an die Wahrheit: Alle Heiligkeit ist begründet und orientiert in Gott. Die Heiligkeit des Christen besteht in der Teilnahme an Gottes Heiligkeit, begründet von Gott selbst im Menschen durch die heiligmachende Gnade, erprobt und ausgestaltet durch das möglichst sündenfreie, gottgefällige, tugendhafte Leben. 

 

Die Verehrung, die die katholische Kirche den Heiligen zuteil werden lässt, ist wesentlich von der Anbetung Gottes verschieden und keine Beeinträchtigung der Gott zukommenden Verehrung. Im Gegenteil, die Heiligen werden verehrt, weil Gott in ihnen durch seine Gnade in außergewöhnlicher Weise wirksam war, und sie als besonders edle Früchte des Erlösungsopfers Christi erscheinen. 

 

Den unsichtbaren Gott lernen wir hier kennen durch das sichtbare Leben Jesu und der lebendigen Zweige des Weinstocks Jesus: der Heiligen. Ihre Verehrung ist also letztlich ein Lob der Herrlichkeit und gnadenreichen Güte des himmlischen Vaters, ein Preis des Erlösungswerkes Jesu Christi und eine Verherrlichung des Gnadenwirkens des Heiligen Geistes. Da wir in den Heiligen auch das menschliche Mitwirken mit der Gnade Gottes ehren, erscheint ihr Leben als Vorbild der Nachfolge Christi. 

 

Das Leben der Heiligen und Seligen, deren Leben, Glauben und Sterben hier erzählt wird, die kraft des Glaubens und der Gnadenmittel der katholischen Kirche den hohen Grad ihrer Heiligkeit erlangten und deren Heiligkeit nach ihrem Tod von Gott durch Wunder beglaubigt wurde, ist auch ein Beweis dafür, dass die katholische Kirche die wahre Kirche Jesu Christi ist. 

 

 

Adrienne von Speyr über die Heiligen der Kirche:

 

"Der Herr bleibt das zentrale Beispiel. Aber um ihn herum stehen alle, die er eingesetzt hat, damit sie die Kirche stützen, aus ihrer Sendung heraus so leben, wie es für die Kirche erforderlich ist, als Nachahmer, die nachzuahmen sind, als Vorbilder, die nach einem Vorbild streben, als Vollkommene, die nur die Vollkommenheit Gottes kennen. Sie sind nichts anderes als durchsichtige Menschen, von denen der Herr verlangt, sein Licht leuchten und es zugleich durch sie hindurch zu ihm zurückstrahlen zu lassen, als seien sie inexistent. Darin haben sie die Lehre zu verkörpern, so wie sie ist, in einer Totalität, die in die Ganzheit des dreieinigen Gottes mündet. Sie fangen sein Licht auf, aber dürfen es nicht brechen; sie senden es zurück und dürfen nichts zurückbehalten." 

(Aus: Der Philipperbrief - Seite 141)

 

"Das tragische Missverständnis, dem die Heiligen in der Kirche begegnen: Der Heilige brennt, und weil er brennt, darum leuchtet er auch und strahlt aus. Das Licht, das er ausstrahlt, ist das Feuer des Herrn, denn nur von diesem Feuer her leuchtet er, und in diesem Feuer brennt er. Er erleuchtet und wärmt die Welt mit dem Feuer Christi, und es ist seine Sendung, die Menschen zu dieser lichten Glut des Herrn zu führen und sie daran selbst zu entzünden. Aber die Menschen wollen sich nur "ein Stündchen" an diesem Feuer ergötzen (Joh 5,35). So kurze Zeit, dass sie selbst nicht Feuer fangen können, und die Leuchte bedeutungslos bleibt. Denn sie fürchten sich vor den Folgen des Feuers; sie wollen nicht selber brennen, sie wollen den Heiligen zwar als ein Bild über sich haben, aber nicht als ein Vorbild neben sich. Sie wollen von der Liebe nichts wissen, die ihn verzehrt. Sie haben Angst davor, ausgebrannt zu werden. Sie suchen im Grunde mehr nach dem, was löscht, als nach dem, was entzündet."

(Aus: Johannes I - Seite 406)

 

"Man erkennt eine gewisse Entwicklung innerhalb des Glaubenslebens der Kirche. Nicht dass die heutigen Heiligen höher stünden als die Heiligen der ersten Zeiten. Aber ihr Glaube ist jeweils zeitgemäß, und an ihrem Glauben kann man den Fortschritt der Zeit ablesen: an den Heutigen erkennt man, dass man jetzt der Wiederkunft näher ist als zur Zeit Pauli. Der persönliche Einsatz hat sich nicht gesteigert, aber er hat sich verändert. Früher war alles einfacher, naiver, runder, problemloser: ein Heiliger war eine Persönlichkeit, ein Martyrer starb, ein Lehrer hatte seine Schule. Es war wohl auch leichter zu wissen, wie die Aufgabe beschaffen war. Heute ist alles viel verzweigter, subtiler geworden; die ganze Atmosphäre der Umwelt muss in den Glauben und ins Apostolat einbezogen werden; die Forderungen des christlichen Lebens sind äußerlich lockerer, aber innerlich strenger und anspruchsvoller geworden, die Vorstellung von Gehorsam hat sich verfeinert, und damit auch der Gedanke der Stellvertretung. An der veränderten Form der Heiligkeit lässt sich die vorrückende Zeit ablesen."

(Aus: Die Apokalypse - Seite 486)

 

 

 

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Marianisches

 

 

Verba movent, exempla trahunt:

Worte bewegen, aber Beispiele ziehen mit Gewalt an.

 

Darum nimm und lies!

 

Ist dir das Heil deiner Seele lieb, so lies öfters, wie diese Muster der Tugend gearbeitet und gebetet, gelitten und gestritten haben. Lies, wie sie die Umstände ihres Lebens benutzt haben, um täglich mehr den alten Menschen mit seinen verkehrten Neigungen abzulegen und den neuen Menschen anzuziehen, der nach Gott geschaffen ist in Heiligkeit und Gerechtigkeit.

 

Lies, wie liebevoll Gott den Heiligen entgegenkam, sooft sie nur um einen Schritt sich ihm näherten, wie ihnen jedes Opfer alsbald mit neuen Gnaden belohnt wurde.

 

Begeistere dich für diese wahrhaft großen Menschen, diese echten Helden, die weit über den modernen Helden des Zeitgeistes oder sonst berühmten Menschen stehen, die so manches getan und besiegt haben, nur nicht sich selbst. Diese wahrhaft Großen aber haben Größeres bewirkt für das Wohl ihrer Mitmenschen, das wahre Heil der Welt.

 

Und dann schaue jedesmal auf dich selbst, auf dein Herz und auf dein Leben und frage dich: was will ich heute tun, um den Heiligen nachzufolgen? Nicht alles lässt sich nachahmen, nicht jedes ist für alle. Den einen will der Herr auf diesem, die andere auf jenem Weg zu sich ziehen. Aber bei jeder und jedem kannst du etwas finden, was für dich passt, mögen die Lebensumstände auch noch so verschieden sein.

 

Welch heilsame Übung, wenn du alltäglich so von den Tagesheiligen auf der Seite 

 

www.marianisches.de

 

lesen würdest. Es ist schnell gelesen, aber die Gewöhnung würde es dir bald zum Bedürfnis machen. So möge der Herr durch die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria und der lieben Heiligen dir und deinen Lieben seinen Segen verleihen.