Heiliger Victor von Arcis-sür-Aube in Champagne, Einsiedler, Mönch und Bekenner, + 26.2. im 7. Jahrhundert – Fest: 26. Februar

 

Der heilige Victor (In Frankreich wird er gemeinhin saint Victre oder saint Vitre genannt.) stammte aus einer angesehenen Familie des Bistums Troyes in Champagne. Schon von seiner Kindheit an zeigte er die herrlichsten Anlagen zur Tugend. Beten, Fasten und Almosengeben war seine Wonne. Mit dem besten Erfolg verlegte er sich auf die Ergründung der Heiligen Schrift und trat in den geistlichen Stand. Allein aus Liebe zur stillen Zurückgezogenheit, entsagte er den äußerlichen Verrichtungen des Priestertums, um allein der Beschauung leben zu können. In dieser heiligen Übung errang er sich schnell eine solche Vollkommenheit, dass seine Seele beständig mit Gott vereinigt war. Er glich mehr einem in einen sterblichen Leib gehüllten Engel, als einem Menschen. Schon in seinem Leben wurde er auch von Gott mit der Wundergabe beschenkt. Er starb im 6. oder 7. Jahrhundert zu Saturniac, heute St. Victor genannt, zwei Meilen von Arcis im Bistum Troyes. Über sein Grab wurde eine Kirche erbaut. Im Jahr 837 übertrug man seinen Leib in die Abtei von Montier-Ramey, die vier Meilen von Troyes liegt.

 

Der heilige Bernard verfasste auf Begehren der Ordensgeistlichen von Montier-Ramey Tagzeiten vom heiligen Victor. (Diese Tagzeiten befinden sich in den Werken des heiligen Bernard.) Er schrieb auch zugleich zwei Lobreden auf ihn. Hier eine Stelle aus einer von ihnen:

 

„Victor schaut nun die Herrlichkeit Gottes in ungetrübter Klarheit. Er schwimmt in einem Meer von Wonne. Doch beschäftigt er sich auch noch mit uns. Das Land der Heiligen, das er bewohnt, ist kein Land der Vergessenheit. Im Himmel erkalten die Herzen nicht. Sie werden vielmehr zärtlicher und mitleidsvoller, und ihre Empfindungen reiner und inniger. Die Engel eilen uns nicht weniger behänd zu Hilfe, weil sie des Vaters Antlitz schauen. Wie könnten wir also wohl gar von jenen vergessen werden, die uns ähnlich waren, und die dieselbe Leidensbürde getragen haben, unter der wir seufzen? Nein, nein, ich weiß, die Gerechten erwarten, dass ich die Belohnung empfange. Victor ist nicht wie Pharaos Mundschenk, der nicht mehr an Joseph dachte, als er aus dem Kerker befreit war. Er hat die Krone der Herrlichkeit nicht erlangt, um sein Herz der Teilnahme an unseren Leiden zu verschließen.“