Heiliger Landelin von Crespin, Einsiedler, Priester, Mönch, Abt, + im Jahr 686 – Fest: 15. Juni

 

Jesus Sirach 17,29: „Wie groß ist das Erbarmen des Herrn und seine Nachsicht gegen alle, die umkehren zu ihm.“ Diese Worte des weisen Sirach möchte man ausrufen, wenn man die Lebensgeschichte des Abtes Landelin liest.

 

Landelin, geboren in Cambrai in Frankreich, wurde von seinen rechtschaffenen Eltern als Junge dem Bischof Autbertus zur Erziehung übergeben. Sie hätten gerne gesehen, dass er ein frommer, tüchtiger Mann wird. Anfangs ging auch alles gut; Landelin gehorchte willig dem frommen Bischof, lernte fleißig und lebte recht gottesfürchtig, so dass sein ehrwürdiger Erzieher die größte Freude an ihm hatte. Zum hoffnungsvollen jungen Mann herangewachsen, zeigte Landelin Neigung zum geistlichen Stand, worin ihn auch der Bischof freudig bestärkte. Sobald dies aber die Freunde Landelins merkten, suchten sie ihn davon abzubringen. Sie machten ihm deshalb allerhand Vorspiegelungen und stellten ihm unter anderem auch vor, wie er mit seinem Vermögen, das er von seinen Eltern bekommen würde, ein herrliches Leben führen und hohe Ehrenstellen erlangen könnte. Zugleich nahmen sie ihn zu ihren Lustbarkeiten mit, regten seine Leidenschaften auf und brachten es bald so weit, dass er seine Studien vernachlässigte, das Gebet versäumte und keine Freude mehr an dem Umgang mit seinem frommen Lehrer fand. Ja, um das ernste, wohlwollende Gesicht seines frommen Erziehers nicht mehr zu sehen und seine warnende Stimme nicht mehr zu hören, machte er sich heimlich auf und davon, ohne seinen Eltern etwas davon zu sagen. „Gleich und gleich gesellt sich gern,“ sagt das Sprichwort, und so fand auch Landelin bald lustige Kameraden, mit denen er Tag und Nacht herumschwelgte, bis sein Geld, das er mitgenommen hatte, verschwendet war. Statt zu seinen Eltern oder seinem Lehrer heimzukehren, trieb er sich unstet im Land herum, bis er endlich unter eine Räuberbande geriet, die ihn mit Freuden in ihre Mitte aufnahm.

 

Mit diesem Gesindel trieb nun Landelin längere Zeit das Räuberhandwerk und brachte es hierin bald sehr weit. Der ehrwürdige Bischof wusste nicht, wo sein Zögling hingeraten war; Schmerz und Trauer durchbohrten sein Herz. Er hätte so gerne den leichtsinnigen jungen Mann aufgesucht, allein er konnte ihn nirgends erfragen. In seinem großen Herzensleid wandte er sich daher zu Gott um Rettung des Unglücklichen. Tag und Nacht betete er und tat strenge Buße. Der barmherzige Gott sah die Tränen des Bischofs und das Elend des jungen Mannes und erbarmte sich beider. Ein besonderer Vorfall brachte Landelin zur Besinnung.

 

Die Räuberbande schlich sich einmal nächtlicher Weise zu einem Haus, um dort einzubrechen und zu rauben; Landelin befand sich unter ihnen. Ein Räuber legte eine Leiter an und stieg zum Fenster hinauf; aber kaum hatte er die Höhe erstiegen, als er herabstürzte und das Genick brach. Vom Schrecken ergriffen stürzten die Räuber in die dunkle Nacht hinaus; Landelin floh dem Wald zu und verkroch sich unter ein dichtes Gebüsch. Da, zitternd vor Angst, dachte er über sein Leben nach; tiefer Schmerz ergriff sein Herz; vor Trauer und Kummer schlief er ein. Da erschien ihm im Traum ein blühender Jüngling, der ihn bei der Hand nahm und ihn zu einem schauerlichen Ort führte, wo er ihn in die Hölle hinabblicken ließ. Dort sah er den von der Leiter herabgestürzten Räuber mitten unter den Verdammten im glühenden Feuer aufs Schrecklichste gepeinigt. „Willst auch du“, sprach der Jüngling zu Landelin, „deinem Spießgesellen Gesellschaft leisten? Landelin, Landelin, dieser Ort der Qual erwartet auch dich, wenn du den alten Weg weitergehst und nicht umkehrst!“ Der Jüngling, Landelins heiliger Schutzengel, verschwand, und Landelin erwachte zitternd und bebend vom Schlaf.

 

Sogleich fiel er auf die Knie und dankte Gott für die große Barmherzigkeit, mit der er ihn zur Umkehr mahnte, versprach heilig, sich zu bessern und flehte mit heißer Inbrunst um Vergebung seiner Sünden. Mit Tagesanbruch machte er sich alsbald auf den Weg; und wie der verlorene Sohn zu seinem Vater, kehrte er reuevoll zu seinem frommen Lehrer zurück, dem ehrwürdigen Bischof Autbert.

 

Der Bischof war vor Freude außer sich; als er den verlorenen Schüler wiedersah, fiel er ihm um den Hals, verzieh ihm alles und nahm ihn wieder in sein Haus auf. Auf seinen Rat übte nun Landelin die strengste Buße und suchte sein bisheriges gottloses Leben durch größeren Eifer in Ausübung guter Werke einigermaßen wieder gut zu machen. Dreimal wallfahrtete er nach Rom, um dort von dem Nachfolger des heiligen Petrus selbst Nachlassung seiner Sünden zu erhalten. Nachdem der Bischof gesehen hatte, wie ernst es Landelin war, ein frommer Diener Gottes zu werden, erteilte er ihm die heilige Priesterweihe und übertrug ihm das Amt eines Bußpredigers. Landelin hatte das große Elend des Sünders selbst an sich kennengelernt und ebenso auch die große Barmherzigkeit Gottes und das Wunderbare einer wahren Bekehrung. Er predigte daher auch den verstockten Sündern mit solcher Wahrheit und Eindringlichkeit, dass keiner ihm widerstehen konnte. Von allen Seiten kamen die verworfensten Menschen daher und wollten durch ihn mit Gott versöhnt werden und unter seiner Leitung ein neues gottseliges Leben führen.

 

Um nun dem Bußeifer dieser Leute zu genügen und sich selbst zu heiligen, begab sich Landelin mit Erlaubnis und Gutheißung des Bischofs in eine Einöde, Laubach genannt. Dort baute er mit denen, die ihm nachgefolgt waren, kleine Zellen und lebte mit ihnen in größter Abgeschiedenheit von der Welt nach der Regel des hl. Benedikt wie die alten Einsiedler in der Wüste. Bald aber vermehrte sich die Zahl der Büßer und er musste daher mehrere Klöster bauen, in denen nachher die Brüder das heiligste Leben führten. Ihr Leben bestand in Ackerbau und Gebet. Mit eigener Hand rotteten sie mühsam die Wälder aus, trockneten die Sümpfe, gruben die Steine aus und bebauten den Boden. Mitten in der Einsiedelei errichteten sie eine kleine Kapelle zu Ehren der heiligen Gottesmutter, wo sie sich zum Gottesdienst versammelten. Landelin wurde Abt und ging allen mit dem besten Beispiel voran. Da das Kloster an Wassermangel viel zu leiden hatte, betete er zu Gott, stieß dann auf einem tauglichen Platz mit seinem Stab auf den Boden und sogleich sprudelte eine reiche Wasserquelle hervor.

 

Schon im hohen Alter verließ Abt Landelin das Kloster und begab sich allein noch tiefer in die Einöde, um noch bußfertiger leben zu können. Dort ergriff ihn ein Fieber; er erkannte, dass sein Tod herannahe und ließ nun durch einen Bruder, der ihn von Zeit zu Zeit besuchte, alle Brüder aus den Klöstern zusammenrufen. Dringend ermahnte er sie zur Beständigkeit, empfing dann die heiligen Sakramente und starb im Frieden im Jahr 686. Sein Grab verherrlichte Gott durch viele Wunder. Der heilige Landelin wird abgebildet als Abt mit dem Hirtenstab in der Hand.

 

Wie der barmherzige Gott die armen Sünder ruft

 

Gott hat, wie in der Hl. Schrift beim Propheten Ezechiel 33,11 steht, bei sich selbst gleichsam geschworen, dass er den Tod des Gottlosen nicht will, sondern dass er sich bekehre und lebe, und wendet in seiner grenzenlosen Barmherzigkeit die verschiedensten Mittel an, um die verblendeten Sünder zu sich zu bringen und vom Verderben zu retten. Er streckt, wie er selbst sagt, Tag und Nacht die Hände aus, um die Sünder zu sich zu ziehen, damit sie nicht untergehen. So lässt er oft manche Sünder plötzlich krank werden, oder er lässt sie in Todesgefahr kommen, oder in Armut sinken, oder irgendein schweres Leiden und Unglück über sie hereinbrechen, damit sie die Augen aufmachen und in sich gehen. Andere führt seine Hand in eine Predigt, wo plötzlich einige Worte des Predigers in ihr Herz fallen und es umwandeln, oder er reicht ihnen ein Buch, durch dessen Lesung sie zur Besinnung kommen. Andere schreckt er durch den Todesfall eines Freundes aus dem Sündenschlaf, andere werden durch das erbauliche Beispiel frommer Menschen aufmerksam gemacht, in anderen erregt er Ekel und Überdruss an den sündhaften Freuden, andere peinigt er durch Gewissensbisse oder die Furcht vor der Hölle, . . . kurz: Es ist nicht zu beschreiben, wie Gott jeden Sünder ruft und zu sich ziehen will. Auch an Landelin siehst du, wie Gott durchaus nicht will, dass der Sünder verloren geht. – Jeden Sünder ruft Gott, keinen lässt er unbezeugt, dass er auch gegenüber den größten Sündern barmherzig ist und keiner verzagen darf. Gott tut dies aus zweierlei Ursachen: Er will nämlich seine Barmherzigkeit und seine Gerechtigkeit verherrlichen. Hört nämlich der Sünder den Ruf Gottes wie der heilige Landelin und bekehrt er sich wahrhaft wie er, so zeigt sich dadurch im hellen Glanz Gottes Erbarmen und man ist gezwungen mit dem Propheten im Psalm 136 auszurufen: „Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig!“ Hört aber der Sünder Gottes Rufen nicht, bleibt er verstockt und verhärtet wie König Pharao, dann verfällt er dem gerechten Gericht Gottes, er muss dann Gottes Gerechtigkeit verherrlichen und mit dem Apostel und Propheten in der Offenbarung des Johannes ausrufen: „Ja, Herr, Gott und Herrscher über die ganze Schöpfung. Wahr und gerecht sind deine Gerichtsurteile.“

 

Nun wirst du gefragt, christliche Seele, ob nicht auch dich Gott schon gerufen hat? Hast du seine Stimme gehört? Es mag sein, dass du noch nicht so tief gefallen bist, wie Landelin. Es kann sein, dass du mit der Gnade Gottes noch keine, oder vielleicht nur einige schwere Sünden begangen, und diese auch schon bereut und bekannt hast, aber Gott ruft dich zu einem vollkommenen Leben. Hast du seine Stimme gehört? Landelin blieb auch nicht auf halbem Weg stehen. Es war ihm die Vergebung seiner Sünden nicht genug, er wollte auch heilig und selig werden. Dazu ruft Gott auch dich. Ja, vielleicht ruft er dich gerade jetzt, da du diese Worte liest. Verhärte also dein Herz nicht, da du die Stimme Gottes hörst. Gott ruft oft, er ruft lange, aber nicht immer! Was willst du also tun, christliche Seele, besinne dich!

 

Barmherziger Vater im Himmel, ich höre deine Stimme. Du sprichst: Gib mir dein Herz! Schau gütig auf mich: Ich will dir nicht länger widerstehen, ich will deinem Ruf folgen! Amen.