Heiliger Polyeuktus von Melitene, Hauptmann und Märtyrer, + 250 – 257 – Fest: 13. Februar

 

Polyeuktus war Hauptmann bei den Reichstruppen, die zu Melitene, in Klein-Armenien, ihren Standort hatten. Er war, obgleich ein Heide, mit Nearch, einem sehr eifrigen Christen durch die engsten Bande der Freundschaft vereinigt. Als das Feuer der Verfolgung aufloderte, bereitete Nearch sich vor, sein Leben für den Glauben hinzugeben. Allein es ergriff ihn ein lebhafter Schmerz bei dem Gedanken, dass er seinen Freund in den Finsternissen des Heidentums versenkt zurücklassen muss. Er redete daher mit ihm von der christlichen Religion, und zwar mit solchem Nachdruck, dass ihm schließlich die Augen geöffnet wurden. Sobald Polyeuktus die Wahrheit erkannt hatte, wünschte er nichts sehnlicher, als eine Gelegenheit, durch Vergießung seines Blutes für sie zeugen zu können, und bald wurde sein Wunsch erfüllt. Denn er wurde, nachdem er öffentlich erklärt hatte, dass er ein Christ sei, verhaftet, und zur peinlichen Folter verurteilt. Die Henker, endlich des Folterns müde, versuchten nun, ihn durch scheinbare Gründe zu verführen. Allein ihre Bemühungen waren fruchtlos. Ebenso wenig ließ sich der Märtyrer durch die Bitten und Tränen seiner Gattin Paulina, seiner Kinder und seines Schwiegervaters, erweichen. Diese Prüfungen dienten vielmehr nur dazu, seinen Glauben immer mehr zu festigen, und er hörte den Richterspruch mit Ruhe und Freude.

 

Während man ihr zum Tode führte, ermahnte er die Ungläubigen auf die rührendste Weise, ihrem Aberglauben zu entsagen, um Jesus Christus anzubeten, und er hatte den Trost, mehrere von ihnen zu bekehren. Nachdem ihn die Henker enthauptet hatten, beerdigten die Christen seinen Leib zu Melitene. Nearch sammelte sein Blut in leinene Tücher auf und schrieb später die Akten seines Märtyrertodes, der sich während der Verfolgung des Decius oder Valerian, das heißt, um das Jahr 250 oder 257 ereignete. Die Griechen begehen sein Fest mit großer Feierlichkeit am 9. Januar. Das dem heiligen Hieronymus zugeeignete Martyrologium und ein alter armenischer Kalender setzen es auf den 7. Januar, der wahrscheinlich der Tag seines Martyrertodes war. Allein das alte Martyrologium, das im 8. Jahrhundert von Rom nach Aquileja geschickt und von Adon und Usuard abgeschrieben wurde, erwähnt den heiligen Polyeuktus am 13. Februar. Er wird auch an eben diesem Tag in den römischen Martyrologien genannt.

 

Zu Melitene war im 4. Jahrhundert eine Kirche zum heiligen Polyeuktus, in der der heilige Euthymius oft sein Gebet verrichtete. Auch zu Konstantinopel war eine sehr prachtvolle diesem Heiligen gewidmet, unter Kaiser Justinian, wo, wie wir vom heiligen Gregor von Tours erfahren, die feierlichsten Eide abgelegt wurden. Derselbe Schriftsteller versichert gleichfalls, dass die fränkischen Könige des ersten Stammes ihre Verträge durch den Namen des heiligen Polyeuktus bekräftigten.