Marcellinus und Petrus, der eine Priester, der andere Exorzist der Kirche von Rom, wurde Martyrer unter der Regierung Diokletians. Beide galten durch ihren Eifer und ihre Frömmigkeit als leuchtende Vorbilder der Christen. Der Präfekt von Rom wollte sie nicht öffentlich hinrichten lassen und gab dem Scharfrichter Befehl, sie in einen Wald hinauszuführen und dort zu töten, damit niemand den Ort ihres Begräbnisses erfahre, und ihre Glaubensbrüder die Leiber nicht hinwegnehmen könnten. Drei Meilen von Rom machten die Schergen an einem mit Dornen und Heide verwachsenen Ort Halt und verkündeten den Heiligen, dass sie hier sterben müssten. Die Martyrer ergaben sich ruhig in den Willen Gottes, gruben sich selber ihr Grab und boten sodann, den Namen Jesu anrufend, ihre Häupter dem Schwert dar.
Aber vergeblich hatte der Präfekt den Augen der Menschen ihre Todesstätte zu verbergen gesucht, denn selbe wurde einer frommen Matrone, namens Lucilla, durch eine Offenbarung kundgetan. Sogleich ging sie, begleitet von einer anderen gottseligen Frau, in den Wald hinaus, nahm die Leiber der Martyrer aus dem Grab und beerdigte sie neben dem heiligen Tiburtius in den Katakomben an der Via Labicana. So erzählt der heilige Papst Damasus, der versichert, alle diese besonderen Begebenheiten als Kind aus dem Mund des Scharfrichters gehört zu haben. Constantius der Große erbaute in Rom eine Kirche zu Ehren der heiligen Marcellinus und Petrus und ließ in ihr seine Mutter, die heilige Helena, in einem porphyrnen Grabmal beisetzen.
Die Leiber der Martyrer wurden später nach Deutschland gebracht, wozu Folgendes die Veranlassung gab. Eginhard, der Geheimschreiber Karl des Großen, und dessen Gattin Emma hatten angelobt, in beständiger Enthaltsamkeit zu leben. Er ging später ins Kloster und wurde Abt von Fonteuelle und dann von Gent. Emma starb etwa um das Jahr 836, worüber Eginhard den tiefsten, innigsten Schmerz empfand. Er tröstete sich jetzt damit, Klöster zu stiften oder verfallene wieder herzustellen. Um die von ihm erbauten Gotteshäuser mit Reliquien zu bereichern, erbat er sich einige von Papst Gregor IV., und dieser sendete ihm die Leiber der heiligen Marcellinus und Petrus. Eginhard brachte sie nach Straßburg und dann nach Seligenstadt, wo er ein Kloster gründete, dessen erster Abt er war.
Seligenstadt entwickelte sich zu einem der bekanntesten Wallfahrtsorte im Frankenreich. Nachdem 1803 das Kloster säkularisiert wurde, verlor sich die Wallfahrt, bis sie 1893 wieder belebt wurde. Der Gedenktag der heiligen Marcellinus und Petrus ist am 2. Juni, am darauffolgenden Wochenende wird das Wallfahrtsfest gefeiert und es kommen dazu Hunderte von Pilgern nach Seligenstadt.
In einem Festgottesdienst mit anschließender Reliquienprozession durch die Straßen Seligenstadts werden die Schutzheiligen verehrt.
