Die Stadt Saragossa in Spanien, in der eine wirklich große Menge heiliger Martyrer ihren Tod und ihr Grab gefunden haben, rechnet darunter auch die heilige Engratia und 17 ihrer Gefährten, die von dem grausamen Christenverfolger Dazian hingeschlachtet wurden. Der fromme Dichter Prudentius singt daher von dieser Stadt: „Doch du, Saragossa, du wirst dastehen, dein Haupt umkränzt mit der blonden Friedenskrone aus Palmzweigen; achtzehn Martyrer, deine Kinder, kannst du aufweisen, und dann noch viele Tausende, die du allein, heilige, fruchtbringende Mutter, Gott, dem Allmächtigen geboren hast.“
Die heilige Engratia war in Portugal geboren und ihr Vater wollte sie an einen angesehenen Mann verehelichen. Allein hierzu hatte sie keinen Sinn. Sie hatte schon das Gelübde der Enthaltsamkeit abgelegt, was ihr schöner Name Engratia „die Enthaltsame“ andeutet. Da ihr Vater sie zur Ehe zwingen wollte, so entfloh sie aus dem elterlichen Haus und zog nach Saragossa, wo gerade eine schreckliche Christenverfolgung ausgebrochen war. Doch sie fürchtete sich nicht, ja, von heiligem Verlangen ergriffen, für Jesus zu sterben, wagte sie es, vor den unmenschlichen Statthalter hinzutreten und ihm seine Grausamkeit gegen die Christen vorzuwerfen. „O ihr Blinden,“ rief sie aus, „wie könnt ihr denn verlangen, dass wir Christus, das Licht, das alle Menschen erleuchtet, verlassen und uns in jenen finsteren Abgrund stürzen sollen, der euch aufnehmen wird! Bei Christus allein ist Leben und Rettung; eure Götter sind tot, bleiben tot und töten die, die auf sie vertrauen. Rette dich, o Dazian, und suche Hilfe und Heil bei Christus und du wirst selig, ewig selig werden.“ Der wilde Tyrann wurde rasend vor Wut über die Kühnheit der Jungfrau und fasste sogleich den Plan, durch die grässlichsten Martern ihren Mut zu brechen. Zuerst ließ er sie mit Ruten hauen und ihren ganzen Leib zerfleischen, und dann an den Schweif eines wilden Pferdes binden und durch die Straßen der Stadt schleppen. Ganz zerschlagen schnitt man ihr die linke Brust ab, so dass man in das Innere des Leibes hineinblicken konnte. Damit aber noch nicht zufrieden rissen ihr die Schergen einen Teil der Leber aus dem Leib. Da sie aber trotz dieser entsetzlichen Martern noch am Leben blieb, ließ sie der Tyrann in den Kerker zurückführen. Hier fingen ihre Wunden zu faulen an, bis endlich der Tod ihren Leiden ein Ende machte. Dazian ließ ihr nämlich einen großen Nagel in den Kopf schlagen, an dieser schrecklichen Qual sie dann auch starb. Während dieser grässlichen Peinen blieb die Jungfrau standhaft im Bekenntnis ihres Glaubens und wurde so die Führerin jener achtzehn christlichen Helden, die ihrem Herrn und Heiland inmitten von Qualen und Peinen die Treue bewahrten und in der Stadt Saragossa den heißesten Kampf auf Leben und Tod kämpften. Der fromme Dichter Prudentius hatte eine große Verehrung für diese heiligen Martyrer; er verfasste auch ein Loblied auf sie, in dem er am Schluss sagt: „Lasset uns ihren Beistand erbitten, auf dass wir Verzeihung unserer Sünden erlangen und gewürdigt werden, dereinst an der Herrlichkeit, die sie genießen, Anteil zu nehmen.
Die heilige Engratia wird abgebildet in jungfräulicher Kleidung, eine abgeschnittene Brust in einer Schüssel haltend.
Von der Opferwilligkeit des Christen
Die heilige Engratia hat zuerst ihrem göttlichen Bräutigam ihre jungfräuliche Reinheit und die Freuden der Ehe, und zuletzt auch ihr noch junges Leben zum Opfer gebracht. Für dieses Opfer empfing sie die himmlische Seligkeit.
Wenn du auch, christliche Seele, dem Herrn kein solches Opfer bringen kannst, so kannst und sollst du doch auf eine andere Weise Gott wohlgefällige Opfer bringen und dadurch die Herrlichkeit des Himmels erwerben. In einem gewissen Sinn ist nach dem Ausspruch des heiligen Petrus ein jeder katholische Christ ein Priester und muss als solcher täglich opfern. Das tägliche hochheilige Messopfer darf freilich nur der hierzu geweihte Priester darbringen, aber der Gläubige soll sich mit und in Christus dem Herrn Gott täglich selbst zum Opfer bringen. Dies geschieht, wenn er aus reiner Liebe zu Gott die Beschwerden und Lasten seines Lebens willig und geduldig trägt, wenn er seine bösen Neigungen, seine fünf Sinne, seine Augen, seine Zunge, seinen Gaumen abtötet, wenn er sich irgendeinen erlaubten Genuss, ein Vergnügen versagt, wenn er seinem Nächsten irgendeinen Liebesdienst erweist, ganz besonders aber, wenn er die leiblichen und geistlichen Werke der Barmherzigkeit ausübt. Unsere Zeit fordert von einem katholischen Christen ganz besonders freudige Opferwilligkeit. Je mehr die Selbstsucht, die Habsucht, der Geiz, der Neid, die Hartherzigkeit zunimmt, und je mehr aber auch auf der anderen Seite die Armut, und das menschliche Elend wächst, desto mehr und größere Opfer fordert die Liebe Jesu von dir, christliche Seele. Du darfst hierin nie ermüden und nicht denken, ich habe schon genug getan. Wo und wann du immer kannst, musst du deinem bedrängten Nächsten mit Rat und Tat beispringen und dir manches Entsagen auferlegen, um ein Opfer der Liebe bringen zu können. Wie oft könntest du dir im Essen und Trinken Abbruch tun, irgendein Vergnügen aufgeben und von dem, was du dafür verwenden würdest, einen Armen unterstützen. Solche Opfer gefallen Gott; solche Opfer belohnt er mit Segen und Seligkeit. Lass also, christliche Seele, keinen Tag vorübergehen, wo du nicht irgendein Opfer Gott dem Herrn dargebracht hast, sei es nun, dass du dich in einer Sache überwunden, dir etwas versagt oder deinem Nächsten einen Liebesdienst erwiesen hast. Mache jetzt gleich den Vorsatz, aus Liebe zu Jesus täglich ein gutes Werk zu verrichten und sprich:
O mein Herr Jesus Christus, der du dich am Kreuz für mich geopfert hast und dich täglich in der heiligen Messe für mich opferst, ich verspreche dir, täglich irgendein Opfer der Abtötung und der Barmherzigkeit zu bringen, und zum Zeichen dessen will ich heute noch meinem Nächsten dir zu Liebe einen Dienst erweisen. Amen.
