Heiliger Medardus von Noyon und Tournai, Bischof, + 545 – Fest: 8. Juni

 

Noch heutzutage steht der heilige Bischof Medard in einem großen Teil von Frankreich im gesegnetsten Andenken. Er war zu Salency von vermögenden Eltern geboren und besonders durch seine Mutter recht fromm erzogen worden. Schon als Junge hatte er eine besondere Liebe zu den Armen. Einem Blinden, der ihm in einem zerlumpten Kleid begegnete, schenkte er sein neues Oberkleid, und als man ihn fragte, warum er das getan hat, gab er zur Antwort, er wollte damit die Blöße eines Freundes Jesu Christi bedecken. Einem Fremdling, dem ein Straßenräuber das Pferd gestohlen hatte, schenkte er ein anderes aus dem Stall seines Vaters, und als ihn der Vater darüber zur Rede stellte, sagte er, Gott wird das, was er um Christi willen dem Armen geschenkt hat, wieder reichlich vergelten und so geschah es auch. Denn als die Knechte in den Stall gingen, fanden sie mit Erstaunen an der Stelle des hergeschenkten ein anderes und besseres Pferd, von dem niemand wusste, wie es in den Stall gekommen war.

 

Damals war es Sitte, dass auch die Kinder der Vornehmen die Viehherden weiden mussten. Medardus verrichtete auch dieses Geschäft. In stiller Einsamkeit bei seiner Herde lernte er das Gebet liebgewinnen, und um die Andacht noch besser üben zu können, fastete er streng und suchte seine Neigungen abzutöten. Mit wunderbarer Liebe fand er sich zu Gott hingezogen und darum fasste er frühzeitig den Entschluss, sich dem Dienst des Herrn zu weihen.

 

Seine Eltern, erfreut über die Frömmigkeit ihres Sohnes, übergaben ihn der Obsorge des Bischofs von Vermandois. Durch seine Bescheidenheit, Demut und seinen pünktlichen Gehorsam machte Medard dem Bischof die größte Freude, so dass er ihn in den geistlichen Stand aufnahm und, als er 33 Jahre alt geworden war, auch zum Priester weihte.

 

Wie heilig er im Priesterstand gelebt hat, geht daraus hervor, dass ihn Gott schon damals mit der Gabe der Wunder begnadete. Von seinen Eltern hatte er mehrere Landgüter geerbt, deren Einkünfte er für die Armen verwendete. Ein Dieb schlich sich eines Tages in den Weinberg, der dem Heiligen gehörte, stahl eine Menge Trauben und schnitt aus Bosheit mehrere Rebstöcke ab. Als der Dieb sich wieder fortschleichen wollte, fand er zu seinem Schrecken keinen Ausgang mehr, und musste also wider Willen im Weinberg bleiben. Hier fanden ihn nun die Arbeiter und führten ihn zu Medardus. Dieser gab ihm eine ernste Mahnung, verzieh ihm sein Verbrechen und schenkte ihm die abgeschnittenen Trauben.

 

Einen anderen Dieb, der sich über die Bienenstöcke des Heiligen hermachte und Honig und Wachs stehlen wollte, verfolgten die Bienen so lange, bis er zu Medardus eilte, sein Verbrechen gestand und Verzeihung erhielt, wonach die Bienen ruhig in ihre Körbe zurückkehrten. Ein verwegener Mensch wagte es, aus dem Stall des Heiligen einen Ochsen wegzuführen, der eine Schelle am Hals trug. Um sich nicht zu verraten, verstopfte er die Schelle mit Gras und leitete den Ochsen an einen Ort, wo er sich sicher glaubte. Aber nun fing plötzlich die Schelle zu läuten an, ohne dass es der Dieb verhindern konnte und er sah sich genötigt, den Ochsen wieder dem Heiligen zurückzustellen.

 

Über die Kranken und Besessenen, die man dem Heiligen zuführte, um sie zu heilen, machte er bloß das heilige Kreuzzeichen und sie wurden von ihren Übeln befreit.

 

Weithin verbreitete sich nun der Ruf des Heiligen, besonders da er auch durch seine feurigen Predigten und sein bußfertiges Leben das schönste Beispiel eines heiligen Priesters gab. Eine schöne Begebenheit aus seinem Leben darf nicht übergangen werden:

Er liebte besonders die jungfräuliche Reinheit an sich und an anderen. Um die Mädchen seines väterlichen Landgutes zur Bewahrung dieser schönen Tugend aufzumuntern, führte er das Rosenfest ein, das dort heute noch besteht. Er bestimmte aus den Einkünften des Gutes eine Summe von 12 Talern, damals eine große Summe, die neben einem Kranz oder einem Hut von Rosen demjenigen Mädchen alljährlich gegeben werden sollte, das sich durch Sittsamkeit am meisten ausgezeichnet hatte. Das Mädchen wurde als Rosenkönigin in weißem Kleid und von anderen weißgekleideten Mädchen und ihren Verwandten begleitet, in die Kirche geführt und vom Priester feierlich mit dem Rosenkranz gekrönt. Diese Stiftung des heiligen Medard hat wunderbare Früchte der keuschen Zucht unter den Mädchen hervorgebracht. Bis auf die neueste Zeit hat man im Dorf von Salency kein einziges sogenanntes gefallenes Mädchen angetroffen. Die Schwester des heiligen Medard war die erste Rosenkönigin, ihr heiliger Bruder selbst krönte sie.

 

Als der Bischof des Landes starb, wählte das Volk und die Geistlichkeit einstimmig den heiligen Medard zu seinem Nachfolger. Er widersetzte sich zwar der Wahl, musste sie aber annehmen und wurde von dem heiligen Remigius geweiht. Als Bischof führte er seine frühere Lebensweise fort und voll Eifer für die Rettung der Seelen durchzog er zu Fuß alle Ortschaften seines Bistums und predigte überall mit solcher Kraft, dass Tausende sich zu Gott bekehrten. Besonders war sein Eifer unermüdlich, als die Hunnen und Vandalen auch sein Bistum mit Feuer und Schwert verheerten. Die Armen, die Verfolgten fanden an ihm einen liebenden Vater; er weinte und trauerte mit ihnen und tröstete und half, wo er nur konnte. – Es liebten ihn daher nicht bloß die Gläubigen seines Bistums unaussprechlich, sondern auch die umliegenden Provinzen wünschten von Herzen einen solchen heiligen Oberhirten zu besitzen. Als daher der heilige Eleutherius, Bischof von Tournai, starb, ließen die Gläubigen dieses Bistums mit Bitten nicht nach, bis sie auch unter die Leitung des heiligen Medardus kamen, der nun zwei Bistümer zur Verwaltung erhielt, aber nur durch den heiligen Erzbischof Remigius und König Klotar dazu bewogen werden konnte.

 

Obschon er sehr hoch betagt war, ließ er doch an seinem Eifer nichts nach. Ein Teil des neuen Bistums lag noch in den Finsternissen des Heidentums begraben. Sogleich begab sich der Heilige in jene Gegenden des Heidentums und suchte den Gräuel des Götzendienstes auszurotten. Viele Leiden hatte er dabei auszustehen, ja die Götzendiener wollten ihn einst sogar töten und ihren Götzen opfern. Allein der Heilige verlor den Mut nicht; Gott rettete ihn wunderbar und bald hatte er die Freude, dass auch diesen blinden Heiden das Licht des Evangeliums leuchtete.

 

Nach Hause zurückgekehrt, wurde er todeskrank. Unaufhörlich betete das Volk in den Kirchen um seine Genesung, allein Gott wollte seinem getreuen Diener den verdienten Lohn erteilen. Er starb, von mühevoller Arbeit verzehrt, im hohen Alter im Jahr 545. Das ganze Reich beweinte seinen Tod; in der Hauptkirche der Stadt Noyon, wo der Heilige seinen Sitz genommen hatte, wurde sein Leichnam begraben. Aus seinem Grab erhoben sich drei weiße Tauben zum Himmel, daher wird der Heilige auch abgebildet in bischöflicher Kleidung, neben sich einen Bettler, über sich drei weiße Tauben.

 

Die Macht des Christentums

 

Unter den Völkern, die der heilige Medardus aus der finsteren Nacht des Heidentums errettete, zeichneten sich die Bewohner von Flandern durch Rohheit und Wildheit besonders aus. In ihrer Nähe lebten die von ihnen unterjochten Gallier und Franken. Diese waren schon in Kunst und Wissenschaft weit gekommen. Auch ihre Sitten waren milder geworden, aber diese wilden Bewohner Flanderns wollten davon nichts wissen. Krieg, Jagd, Saufgelage waren ihnen lieber, und Laster aller Art, besonders Trunkenheit, war unter ihnen verbreitet. Da tritt Medardus auf. Er verkündet ihnen Jesus, den Gekreuzigten, und kaum hatten sie die himmlische Lehre des Heilandes kennengelernt, als sie ganz neue Menschen wurden. Ihre Wildheit und Rohheit verwandelte sich in Sanftmut, Demut, Mäßigkeit, Friedfertigkeit und Sittsamkeit; ihre Grausamkeit in Liebe und Erbarmen.

 

Was einst der heilige Medardus durch das heilige Evangelium bei diesen wilden Völkern bewirkte, das bewirkt es bis heute noch bei vielen Völkern in Afrika und Amerika. Die Missionare zogen und ziehen dahin; mit dem Kreuz in der Hand treten sie unter diese Kinder der Wildnis und sprechen zu ihnen von der unendlichen Liebe des Herrn, der seinen Sohn auf die Erde zur Erlösung der Menschen gesendet hat, sie reden von den Leiden und dem Tod Jesu, zeigen ihnen das Kreuz, an dem er geblutet hat, und was er denen verheißen hat, die seine heilige Lehre befolgen, und siehe da, diese Menschen sind nach einiger Zeit wie umgewandelt. Sie werden Christen, und als solche lieben sie den Frieden, das Recht, die Arbeitsamkeit, die Keuschheit und üben alle christlichen Tugenden.

 

Welch große Macht hat also das Christentum über die Herzen der Menschen! Wie recht hat der berühmte Lactantius geschrieben: „Gib mir einen zornigen, ungezähmten Menschen; ich will ihn mit wenigen Worten so sanft wie ein Lamm machen; gib mir einen Habsüchtigen und Geizigen, und ich will ihn dahinbringen, dass er freiwillige das Seinige den Armen austeilt; gib mir einen, der Schmerzen fürchtet und ich will machen, dass er Kreuz, Folter und Feuer verachtet; gib mir einen Grausamen und Blutgierigen, auch ich will seine Wut in Sanftmut verkehren; gib mir einen Unzüchtigen, einen Ehebrecher, einen Schwelger, und du wirst ihn bald züchtig, nüchtern und keusch sehen; gib mir einen Ungerechten und Unsinnigen, und er wird bald gerecht und vernünftig sein!“ Wer vermag aber diese wunderbare Umwandlung herzustellen? Das vermag Jesus Christus allein und seine heilige Religion! Christliche Seele, danke Gott, dass du ein Christ bist und lass die Kraft der Lehre Jesu auch an dir offenbar werden!

 

O mein Herr und Heiland Jesus Christus, der du dich gewürdigt hast, mich in deine heilige Kirche aufzunehmen, ich danke dir demütig für diese Gnade und bitte dich, mich auch zu würdigen, ein Glied deines himmlischen Reiches durch Befolgung deiner himmlischen Lehre zu werden. Amen.