Heilige Dympna von Irland, Prinzessin und Martyrin in Brabant, + 7. Jahrhundert – Fest: 15. Mai

 

„In Brabant wird heute gefeiert das Fest der heiligen Jungfrau und Martyrin Dympna, einer Tochter des Königs in Irland, die ihr Vater wegen des Glaubens Christi und Bewahrung der Jungfrauschaft hat enthaupten lassen.“ Soviel meldet das römische Marterbuch am heutigen Tag. Ihre Eltern waren Heiden. Sobald sie aber die Wahrheit des christlichen Glaubens erkannte, hat sie sich ohne des Vaters Wissen taufen lassen. Von derselben Stunde an verschwand in ihr alle Liebe zu irdischen Ergötzungen, Ehren und Gütern, und sie trachtete allein nach dem Ewigen. Nach dem Tod ihrer Mutter wollte der König, ihr Vater, zur zweiten Ehe schreiten. Die Prinzessin war überaus schön, anmutig und holdselig im Umgang, und der König selbst trug eine ungeziemende Liebe zu ihr. Daher verfiel er auf den unerhörten, gottlosen Gedanken, sie zur Ehe zu nehmen. Er hatte kein Bedenken, so etwas seiner Tochter zu eröffnen.

 

Ach, wie verleitet doch die unlautere Liebe, wenn man sich von ihr beherrschen lässt. „Wenn man sich von dieser verdammlichen Liebe einnehmen lässt,“ sagt der heilige Chrysostomus, „so wird man vom Satan in so schwere und viele Laster geführt, als der Satan nur verlangt.“ . . . „Wer lange darin verharrt, der fährt fort zu sündigen, so lange er lebt. Denn das unreine Feuer sagt niemals: Es ist genug.“ So lehrt der heilige Rupert.

 

Dympna erstaunte über eine so unnatürliche Absicht, und verwies dem Vater mit allem Ernst seine Vermessenheit. Der Vater ließ nicht nach, setzte ihr mit Schmeicheln, Liebkosen und Versprechen, endlich auch mit den heftigsten Drohungen zu, und das ohne Unterlass. Sie stellte ihm vor Augen, was sie nur konnte: das entsetzliche Ärgernis der Untertanen, die unaussprechliche Abscheulichkeit seines Vorhabens, die göttlichen Strafgerichte, die Verantwortung vor dem Richterstuhl Gottes, den bevorstehenden Tod der Sünde, und endlich die ganze Ewigkeit und den furchtbaren Tod der Seele durch die Sünde. Allein der betörte Vater wurde hierdurch nicht abgeschreckt, sondern sagte ihr voller Wut: „Du sollst, und du musst tun, was ich haben will. Es muss sein.“ Die keusche Prinzessin fürchtete also, er würde ihr Gewalt antun. Sie wendete demnach ihre Augen gen Himmel, rief Gott mehr mit Seufzen als Worten an. Dann sprach sie zum Vater: „Wenn es denn sein soll und muss, so erlaube mir einen Verschub von vierzig Tagen, damit ich alles richten kann, was zu einem so großen Werk vonnöten ist.“ Damit war der König ganz vergnügt, und gedachte nicht an das was die keusche Prinzessin suchte. Dympna berief alsobald Geribert zu sich, einen sehr frommen Priester, von dem sie getauft wurde, und fragte ihn um Rat, was diesmal zu tun wäre. Der Priester antwortete, es sei kein anderes Mittel übrig, als die Flucht. Er selbst wolle sie sicher führen in ein anderes Land. So war sie es zufrieden. Sie versah sich mit Geld, und machte sich in fremder Kleidung mit dem Priester und einem getreuen Diener in der Nacht vom Hof hinweg, bestiegen ein Schiff, und kamen unter göttlichem Geleit ganz glücklich nach Antwerpen. Von da begab sie sich in ein nahe gelegenes Dorf, Chelen mit Namen, ließ unweit davon in einem Gebüsch ein kleines Hüttlein für sich, und ein anderes für den Priester zurichten, wo sie ein mehr englisches als menschliches Leben führte.

 

Der Vater, als er von der Flucht seiner Tochter Nachricht bekommen hatte, raste und tobte vor Zorn einem wilden unbändigen Tier gleich, und schickte seine Diener in alle Gegenden, die Entflohene aufzusuchen. Weil aber alle Mühe vergebens war, setzte er sich selbst mit einem Gefolge Bewaffneter zu Schiff, und landete aus Verhängnis Gottes eben zu Antwerpen an. Da sandte er seine Diener in alle umliegenden Dorfschaften, seine Tochter zu erfragen. Zwei derselben kamen eben in das Wirtshaus, aus dem Dympna sich von Zeit zu Zeit ihre Nahrung bringen ließ. Als sie nun ihr Mittagessen, das sie daselbst genossen hatte, bezahlten, betrachtete der Wirt die Münze und sprach: „Ich habe solche Münzen schon mehrfach gesehen, weiß aber nicht, was sie eigentlich wert sind.“ Die Diener wurden aufmerksam und fragten, von wem er solche Münzen bekommen hätte? Der Wirt offenbarte, was er wusste. Die Diener mutmaßten allsogleich, diese fremde Person müsste eben diejenige sein, die sie suchten, erkundigten sich daher ganz genau wegen des Ortes ihres Aufenthaltes, liefen alsdann eilends zu dem König, und zeigten ihm alles an, was sie erfahren hatten. Der König, voller Freude, eilte ohne Verzug an den ihm angezeigten Ort, wo er auch seine Tochter wirklich angetroffen hat. Dympna erblasste anfangs und zitterte vor dem Anblick ihres Vaters, aber nachdem sie ihr Herz zu Gott erhoben hatte, fasste sie einen ganz bewunderungswürdigen Mut. Der Vater verwies ihr die genommene Flucht, und wiederholte sein altes gottvergessenes Begehren, befahl auch dem Priester Geribert, der eben dazu kam, er sollte Dympna zur Einwilligung bereden. „Was,“ sagte der fromme Priester, „ich soll zu einem so teuflischen Laster raten? Lieber will ich tausendmal sterben. Dir vielmehr, o König, rate, dich ermahne, ja dir befehle ich im Namen Gottes, dass du von deinem vermessenen Begehren abstehst, und den Zorn Gottes nicht mit Gewalt über dich ziehst.“ Hierüber wurde der König zornig über alle Maßen, stieß den Priester hinaus, und ließ ihn in Stücke zerhauen. Alsdann setzte er auf ein Neues seiner Tochter sowohl mit Schmeicheln und Liebkosen, als mit entsetzlichem Drohen zu. Weil aber sie sich heldenmütiger als jemals widersetzte, und mit gen Himmel gewendeten Augen wiederholte, dass sie tausendmal lieber den Tod ausstehen, als in sein Begehren einwilligen wollte, kam der Vater in seiner Wut so weit, dass er einem seiner Bedienten befahl, ihr das Haupt abzuschlagen, sowohl weil sie eine Christin war, als weil sie dem Vater nicht gehorsam sein wollte.

 

Einige schreiben, der Vater selbst habe sie ermordet, weil die Bedienten eine solche Untat nicht ausüben wollten. Gewiss ist, dass sie durch das Schwert ihr Leben geopfert hat. Der gottesvergessene Mörder ließ die zwei Leiber in ihrem Blut liegen und gingen davon. Die benachbarten Einwohner des Dorfes haben beide mit allen Ehren begraben, und Gott verherrlichte ihr Grab durch Wunderwerke. Das bewog die Geistlichkeit, ihre heiligen Leiber zu erheben. Da man nun die Erde ausgeworfen hatte, traf man zwei aus weißem Marmor gehauene Särge an, von denen man zuverlässig hält, sie seien nicht von Menschen, sondern von Engeln verfertigt worden. In dem einen lag der Leib des heiligen Geribert, den man anfangs in die Stadt Xanten, später nach Sohnbek im Klevischen gelegen überbracht hat. In dem anderen war der Leib der heiligen Dympna. Der verblieb zu Chelen so lange, bis nach einigen Jahren der Bischof von Kammerich ihn abermals hat erheben, in einen von Silber und Gold ausgearbeiteten und mit kostbaren Steinen besetzten Kasten mit aller Ehrenbezeigung hat legen, und in eine zur Gedächtnis der heiligen Martyrin erbauten Kirche hat übersetzen lassen. Man pflegt diese heilige Jungfrau und Martyrin vorzustellen, wie sie an einer Kette den bösen Geist gefesselt hält, anzuzeigen die große Gewalt, die ihr Gott über die bösen Geister gegeben hat, weil bei ihrem Grab sehr viele Besessene befreit worden sind.