Dieser glorreiche Blutzeuge Jesu Christi war von katholischen Eltern zu Włodzimierz in Polen-Litauen, heute Ukraine, im Jahr 1580 geboren und erhielt in der Taufe den Namen Johannes. Von seinen Eltern in aller Frömmigkeit erzogen, zog er schon in der Jugend die Augen der ganzen Stadt auf sich. Da er als Kind seine Mutter einst über das Leiden Christi erzählen hörte, ging ein Pfeil von der Seitenwunde des Kruzifixes aus auf sein Herz und verwundete es.
Zuerst wurde er für das Kaufmannsgeschäft bestimmt, verließ aber alles, selbst eine angebotene reiche Erbschaft seines Prinzipals, und trat, 20 Jahre alt, zu Vilna im Dreifaltigkeitskloster in den Orden des heiligen Basilius, wo er den Namen Josaphat erhielt und nach 5 Jahren Priester wurde. Seine Lebensweise war äußerst streng: Er ging auch im Winter mit bloßen Füßen, aß nie Fleisch, trank etwas Wein nur aus Gehorsam, trug bis zu seinem Tod ein scharfes Zilizium auf bloßem Leib. Die heilige Keuschheit, die er der seligsten Jungfrau als junger Mann gelobt hatte, bewahrte er stets unversehrt.
Auf der Kanzel, im Beichtstuhl und in Privatgesprächen wirkte Josaphat so eifrig, dass ihm die Schismatiker den Beinamen "Seelenräuber" gaben, worauf er antwortete: "O wenn ich nur alle eure Seelen für Gott rauben könnte!"
Bei all seinen vielen Beschäftigungen in und außer dem Haus war er immer heiter und stets bestrebt, allen alles zu werden, wie er auch den zum Tode Verurteilten bis zu ihrem letzten Augenblick seine Dienste widmete.
Im Jahr 1613 wurde er in Zyrowice bei Slonim Vorstand des Klosters der Basilianer und zugleich Pfarrer in der Wallfahrtskirche dortselbst, wo er mit großem Seeleneifer wirkte.
Im Jahr 1614 wurde er Archimandrit von Vilna und 1617 Weihbischof von Polazk. Nun hatte er noch mehr Gelegenheit, für das Seelenheil anderer zu sorgen und er tat dies mit verdoppeltem Eifer. Namentlich gelang es ihm, viele Schismatiker zur katholischen Kirche zurückzuführen, wodurch er sich aber auch den Hass der anderen Schismatiker i hohen Grad zuzog, so dass er öfter in Lebensgefahr geriet.
Es war in der Nacht vom 11. auf den 12. November 1623, als die Schismatiker in Witebsk einen Tumult erregten. Als Josaphat Tags darauf hörte, dass einige seiner Begleiter getötet worden seien, trat er zu den Mördern und fragte sie mit aller Ruhe, warum sie denn seinen unschuldigen Leuten das Leben genommen hätten? Durch diese ruhige Ansprache waren seine Feinde anfangs ganz verwirrt. Da kamen aber zwei andere herbei, die laut zum Mord des lateinischen Papisten aufforderten. Der eine von ihnen schlug mit einem langen Prügel auf sein Haupt, der andere mit einer Doppelaxt, und da der selige Bischof auf die Erde sank, fielen alle über ihn her und verletzten ihn auf verschiedene Weise, während er selbst sich immer bekreuzigte und betete. Endlich wurde er, da er noch immer Lebenszeichen gab, mit zwei Bleikugeln durch den Kopf geschossen und endete so sein edles Leben. Sein heiliger Leib wurde unter vielen Beschimpfungen nackt durch die Stadt geschleift und in die vorbeifließende Düna gestürzt. Er wurde jedoch von seinen Freunden wieder herausgezogen und dann in Polazk feierlich begraben. Diese feierliche Beisetzung erfolgte allerdings erst ein Jahr später, am 28. Januar 1625. In den Kanonisationsakten wird wiederholt ausgesagt, dass das Antlitz des Heiligen nach dem Tod sehr schön gewesen sei, z. B. „quod facies Servi Dei ex aquis extracti pulcherrima fuisset“. Der Beichtvater erklärte: „Wir stellten den Leib während mehrerer Monate öffentlich allen zur Schau bis zu seiner glorreichen Bestattung. Die ganze Zeit aber, wo er ausgestellt war, erschien keinerlei Veränderung oder Verderbnis an ihm. So sage ich aus, weil ich es weiß, weil ich es gesehen habe und selbst bei allem zugegen gewesen bin.“
Papst Urban VIII. versetzte Josaphat, der mit vielen Wundern leuchtete, am 16. Mai 1643 unter die Zahl der Seligen. Papst ius IX. nahm ihn am 29. Juni 1867 in den Katalog der Heiligen auf.
