Heilige Columba von Sens, Jungfrau und Martyrin, + um 273 – Fest: 31. Dezember

 

Um das Jahr 269 nach Christi Geburt saß der römische Kaiser Aurelian in seinem Gemach an seinem Schreibtisch. Den Griffel in der Hand, eben im Begriff ein blutiges Verfolgungsedikt gegen die Christen zu unterzeichnen, schlug plötzlich der Blitz neben seinen Füßen ein, so dass er vor Schrecken den Griffel aus der Hand fallen ließ. Gottes Stimme sprach durch Donner und Blitz zu seinem Herzen. Obschon ein eifriger und abergläubischer Götzendiener, behandelte er doch im Anfang seiner Regierung die Christen gütig, und gewährte ihnen die freie Ausübung ihrer heiligen Religion. Doch mit einem Mal änderte er seine Gesinnung, und wenn gleich der Schrecken ob des Blitzes, der ein Mahnruf Gottes war, ihn noch einige Zeit abhielt, das blutige Verfolgungsedikt zu erlassen, so geschah es nur, um es nachher um so grausamer auszuüben. Die Götzenpfaffen waren es, die nicht aufhörten, ihm die Christen durch schändliche Verleumdungen und falsche Orakelsprüche verhasst zu machen, so, dass der sonst friedliche Kaiser ein grausamer Verfolger seiner besten Untertanen wurde. Sein Hass und seine Verfolgungswut ging so weit, dass er selbst mit seinen Henkern im Land umherzog, die Christen aufzusuchen, zu martern, und zu töten. So kam er denn auch nach Gallien, dem heutigen Frankreich, in die Stadt Sens, um auch dort Jesus Christus in seinen Gliedern zu verfolgen. Mehrere Gläubige, die auf seinen Befehl gefangen genommen waren, und im Kerker schmachteten, wurden nun auf den öffentlichen Marktplatz vorgeführt, wo ein heidnischer Altar errichtet war, vor dem sie den Götzen Weihrauch streuen sollten.

 

Unter dem zum Tod bestimmten Christenhäuflein befand sich eine blühende Jungfrau, Columba mit Namen. Sie war aus Saragossa in Spanien, von adeligen, aber dem Götzendienst noch ergebenen Eltern geboren. Gott verlieh ihr schon als kleines Mädchen eine solche Liebe zum Christentum, dass sie von ihren Eltern niemals zur Verehrung ihrer Götzen bewogen werden konnte. Da sie im Haus ihrer Eltern keine Gelegenheit fand, den christlichen Glauben in seiner ganzen Fülle und Schönheit kennenzulernen, noch weniger aber ihn auszuüben, entfloh sie heimlich mit einigen ihrer Freundinnen, die gleicher Gesinnung mit ihr waren, aus dem elterlichen Haus, verließ Spanien, und kam, erst 16 Jahre alt, nach Vienne in Frankreich, wo sie die Freude hatte, in der christlichen Lehre vollkommen unterrichtet und getauft zu werden. Von Vienne begab sie sich nach Sens, wo sie zurückgezogen von der Welt in Fasten und Gebet ihre Tage zubrachte, und durch ihren gottseligen Wandel viele zu einem frommen Leben aneiferte.

 

Als nun Columba vor den Richterstuhl des Kaisers gestellt wurde, da zog sie durch die Schönheit ihres Körpers, die Anmut ihres Antlitzes und die Würde ihrer unverletzten Jungfräulichkeit die Augen aller, selbst des Kaisers auf sich. Aurelian rief sie zu den Stufen seines Thrones, und sprach also zu ihr: „Columba! Du süße Taube! (Columba heißt auf Deutsch Taube) Wie schön bist du, wie würdig, die Gemahlin des ersten Edelmannes zu werden! Trage Mitleid mit deinem jungen Leben, mit der seltenen Schönheit deines Leibes, und – opfere den Göttern. Ich will dich erheben vor allen Jungfrauen – und glänzen sollst du in Gold und Edelgestein. Lass ab von dem Glauben an den Nazarener, der nur Armut und Selbstverleugnung predigt und sogar verlangt, dass man die unschuldigsten Frauen der Erde verschmähe. Deine Schönheit, Columba, ist zu etwas Besserem bestimmt. Ich verspreche dir, sofern du den Jupiter anbetest, dich zur glücklichsten Gemahlin meines eigenen Sohnes zu machen.“

 

Bisher hatte Columba still und bescheiden zugehorcht. Nun aber öffnete sie ihre Lippen, richtete mit inniger Andacht ihren Blick zum Himmel und sprach dann laut vor allem Volk: „Ich habe meinen Bräutigam schon längst erwählt. Er ist vornehmer, schöner, lieblicher als selbst dein Sohn, o Kaiser! Darum kann ich dein Anerbieten nicht annehmen, und nicht opfern.“ Der Kaiser, begierig, fragte, wer wohl dieser Bräutigam sei, und erhielt zur Antwort: „Was fragst du noch, Herr? Es ist nämlich der, den du Nazarener genannt hast, für dessen Namen ich zu leiden bereit bin; es ist Jesus, mein Heiland!“ Da brauste Aurelian im Zorn auf, und unter grässlichem Hohngelächter rief er: „Wohlan, schöne Taube, ich will dich in ein Haus führen lassen, wo die Anmut deines Gesichtes verschwinden und die Reinheit deiner Seele verderben wird, damit dein Bräutigam kein Wohlgefallen mehr an dir finde.“ Und der grausame Kaiser gab Befehl, die Jungfrau in ein öffentliches Schandhaus zu führen, und sie unverschämten Männern preiszugeben.

 

Columba wurde wirklich abgeführt. Wie klopfte ihr das Herz vor Angst, wie wurde ihr Antlitz so rot vor keuscher Scham, als sie das fluchwürdige Haus des Lasters betrat. Doch es war, als wenn eine innere Stimme ihr sagte: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, und werde dich schirmen. Voll Vertrauen auf des Herrn Beistand, warf sie sich nieder auf die Knie und betete. – Da stürmte ein heidnischer junger Mann, Barucha mit Namen, von scheußlicher Sinnenlust ergriffen, herein in das Gemach. Die Jungfrau erblasste vor Entsetzen, sie befand sich in schrecklicher Gefahr. Laut schrie sie zum Himmel empor, als der Ruchlose auf sie zustürzte. Schon wollte er sie umfassen, - als plötzlich unter fürchterlichem Gebrumme ein wütender Bär in das Gemach stürmte. Das Tier erhob schon seine gewaltigen Tatzen, als Barucha, von Schrecken ergriffen, noch rechtzeitig zur Seite wich und davonlief. Columba wusste nicht, wie ihr geschah: Doch war es ihr lieber in den Rachen des Bären zu fallen, als ihrer Unschuld beraubt zu werden. – Ergeben in Gottes Willen, bereitete sie sich zum Tod; allein der Bär, die Jungfrau sehend, kehrte brummend um, und trollte zur Tür hinaus. Er war mit mehreren anderen wilden Tieren in einem nahen Zwinger aufbewahrt, um im Tierkampf dem Volk zum Schauspiel zu dienen. Plötzlich riss er sich von der Kette los, durchbrach den Zwinger, und stürzte auf die Straße, wo die Hand Gottes ihn leitete, die geängstigte Jungfrau aus der Hand des Wüstlings zu retten. – Columba dankte mit heißer Inbrunst ihrem göttlichen Bräutigam, der sie aus doppelter Gefahr gerettet hatte, und bat ihn, er wolle nicht gestatten, dass sie von ihm getrennt werde.

 

Als man dem Kaiser hinterbracht hatte, was sich mit Columba zugetragen hatte, rief er, man solle die Zauberin verbrennen. Sogleich wurde das Haus in Brand gesteckt. Die Flammen loderten empor, schon drang das Feuer in das Gemach, wo Columba noch betend kniete, - da mitten durch Rauch und Flammen, stürzt ein junger Mann, erfasst die Jungfrau mit starkem Arm und trägt sie aus dem brennenden Haus. Es war Barucha, der, seine Freveltat erkennend, voll Reue den Entschluss fasste, Columba zu retten, oder mit ihr zu sterben.

 

Aurelian wurde nun noch wütender. Er ließ die heilige Jungfrau unter grässlichen Misshandlungen zur Richtstätte schleppen und dort enthaupten; auch Barucha büßte die Tat mit dem Leben.

 

Der reinen Jungfrau Leib blieb längere Zeit unbegraben liegen. – Ein gewisser Graf Autbertus, der blind war, ließ sich heimlich dahin bringen, wo der Leichnam lag, berührte ihn und erhielt sein Augenlicht wieder. Zum Dank ließ er den heiligen Leib ehrenvoll begraben. Zu Sens erhob sich zur Ehre der Heiligen später ein Kloster und eine schöne Kirche, wo der heilige Erzbischof Thomas Becket, als er sich in diesem Kloster aufhielt, täglich am Grab der heiligen Martyrin betete.

 

Die heilige Columba wird abgebildet, einen brennenden Holzstoß neben sich, oder einen Engel, der ihr im Tod erschien. Ein anderes Attribut ist eine Bärin. Unter anderem ist die heilige Columba eine Patronin bei Augenleiden. Ihr Fest feiert die Kirche am 31. Dezember.