Heiliger Severus, Abt in Vire, Bischof von Avranches, + um 570 oder 690 – Fest: 29. Februar

Avranches

 

Der heilige Sever wurde zu Cotentin von nicht sehr bemittelten Eltern geboren. Anfangs trat er in die Dienste eines Edelmannes, namens Corbec, der noch in den Finsternissen des Heidentums lebte. Diesen gewann er für den christlichen Glauben durch seine guten Beispiele und seine Lehren. Mit jedem Tag erhob sich in seinem Herzen ein heftiges Verlangen nach der Einsamkeit. Er verließ daher Corbecs Haus und vergrub sich in ein nahes Gehölz. Bald folgten ihm viele andere nach, die verlangten, unter seiner Leitung zu leben, und so entstand ein neues Kloster. Diese Genossenschaft unter des heiligen Severus Leitung lebte sehr erbaulich. Alle Brüder hatten weder eigenen Besitz, noch Verlangen danach. Ihr Anzug war ärmlich, Wasser und Brot war ihre Nahrung und täglich hielten sie nur eine Mahlzeit. Als unser Heiliger zur Priesterwürde gelangt war, brachte er Gott, so oft es immer möglich war, das unblutige Opfer. Die Zerknirschung, mit der er die göttlichen Geheimnisse feierte, war so heftig, dass man Ströme von Tränen aus seinen Augen fließen sah.

 

Nach dem Tod des heiligen Senior, des Bischofs von Avranches, wählte man Severus zu dessen Nachfolger. Diese Nachricht erfüllte ihn mit Schmerz. Er willigte jedoch in die Wahl ein, aus Furcht, gegen den Willen Gottes zu handeln. Beten, Lesen, Fasten und Wachen blieben, wie vorher, seine gewöhnlichen Übungen. Diese strenge Lebensweise minderte aber nicht im Geringsten die einem Diener Jesu so notwendige Leutseligkeit. Gegen seine Herde bewies er die zärtlichste Liebe. – Ganz besonders aber nahm er sich der Armen an und erleichterte ihre Not durch reichliche Almosen. Und da er die Gabe des Wortes mit der Wundergabe in sich vereinigte, erneuerte er bald seinen ganzen Sprengel zum neuen heiligen Christensinn. Der heidnische Aberglaube verschwand allmählich vor dem sich mächtig ausbreitenden Licht des Christentums. Unterdessen seufzte der heilige Hirt unaufhörlich nach der Einsamkeit, und begehrte deshalb einen Nachfolger an seine Stelle. Lange Zeit weigerte man sich, seinen Wünschen zu entsprechen, schließlich aber gab man seiner gewaltigen Sehnsucht nach. Als er nun sich selbst wieder zurückgegeben war, ging er in seine Einsamkeit, wo er des Todes der Gerechten starb. Das Jahr und der Tag seines Todes sind jedoch unbekannt. Der Leib des Heiligen wurde später auf Befehl Richards, des Herzogs der Normandie, nach Rouen überführt. Sein Fest ist am 7. Juli im Martyrologium der Heiligen Frankreichs verzeichnet. Zu Coutances verehrt man ihn am 5. desselben Monats. Allein in der Kirche von Rouen hat er seine Tagzeiten am 1. Februar. Wir wollen seiner am 29. Februar gedenken.