Heiliger Adalbero von Würzburg, Bischof, Benediktiner, + 6.10.1090 - Gedenktag: 6. Oktober

 

Aus dem erlauchten Geschlecht der Grafen Lambach-Wels stammend, erblickte der selige Adalbero um das Jahr 1010 das Licht der Welt. Seine Eltern waren Graf Arnold II. und Reginlinde, die Tochter eines adeligen Geschlechtes in Ostfranken.

 

Schon als zarter Knabe wurde Adalbero von seinen Eltern für den geistlichen Stand bestimmt und feierlich in der Domkirche zu Würzburg Gott und dem heiligen Kilian dargebracht. Seine Erziehung genoss er in der berühmten Domschule zum heiligsten Erlöser. Zum Jüngling herangereift, entsandte ihn sein Bischof nach Frankreich, um dort die höheren theologischen Wissenschaften zu studieren. Daselbst traf er mit zwei adeligen deutschen Jünglingen, dem seligen Gebhard, nachmals Erzbischof von Salzburg, und dem seligen Altmann, später Bischof von Passau, zusammen. Da alle drei einst in trauter Unterhaltung beisammen waren, weissagten sie sich einander, von höherem Licht erleuchtet, ihre künftige bischöfliche Würde und die Bischofssitze, die sie später wirklich einnahmen, und gelobten zugleich, Klöster zur Ehre Gottes zu stiften, was sie auch getreulich hielten.

 

Nachdem Adalbero nach Deutschland zurückgekehrt war, nahm er die ihm bestimmte Domherrnstelle ein und wurde alsbald, nachdem der heilige Bischof Bruno, sein Blutsverwandter, gestorben war, unter dem Jubel des gläubigen Volkes am Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus im Jahr 1045 auf den Bischofsstuhl von Würzburg erhoben. 

 

"Gar gut und weise verwaltete er das Bistum; mit der zartesten Aufmerksamkeit trug er Sorge für das, was Gott und den Menschen gebürte; er war der Vater der Waisen, der Tröster und Erquicker der Armen, der Schutzrichter der Witwen, der Verteidiger der Unmündigen. Er liebte die Gerechtigkeit und verabscheute die Bosheit in geistlichen wie weltlichen Gerichten."

 

Zur Gerechtigkeitspflege und zum Schirm seines Bistums bestellte er zuerst einen eigenen Schutzvogt. Sein Wahlspruch, der auf seinem bischöflichen Siegel eingegraben war, war der Ausspruch des Apostels: "Christus ist gestern und heute und in Ewigkeit derselbe", der ihn stets an die Gerichte Gottes erinnern sollte.

 

Mit größtem Eifer war er für die Wiedererneuerung eines echt priesterlichen Wandels bei seiner Geistlichkeit tätig. Nicht weniger Sorgfalt verwendete er auf die Neubelebung des Klostergeistes. Als das uralte Kloster Schwarzbach im Jahr 1047 seinen Abt Wolfger durch den Tod verlor, benützte Adalbero sofort diese Gelegenheit, um nach dem ihm zukommenden Recht dieses Kloster zu reformieren. Er berief sechs Mönche von der strengen Observanz aus dem damals hochberühmten St. Gorgoniuskloster in Görz (Diözese Metz) dahin. An deren Spitze stand der ehrwürdige Egbert, ein Mann von heiligem Ruf. In Schwarzbach wurde nun auch die Klosterschule für Adelige neu hergestellt und von diesem Kloster aus wurden mehrere andere Ordenshäuser seines Bistums zur genaueren Beobachtung ihrer heiligen Ordensregel zurückgeführt. Mit freigebiger Hand erbaute der Bischof auch die Klosterkirche von Schwarzbach im Jahr 1075 und nahm den größten Anteil an der Gründung und Neubelebung aller Klöster seiner Diözese.

 

Seine Andacht zu den heiligen Aposteln des Frankenlandes trieb ihn an, die Kirche zu Neumünster, in der ihre ehrwürdigen Reliquien ruhen, von Grund auf neu zu erbauen, nach deren Vollendung er neuerdings feierliche Wallfahrtszüge zu den Gräbern der heiligen Landesapostel verordnete.

 

Um die gottesdienstliche Feier in Neumünster noch mehr zu heben, übergab er diese Stiftung den Benediktinern. Die Urkunde darüber vom Jahr 1075 sagt: "Weil uns Gott durch seine unverdiente Güte, nicht um unserer Verdienste willen, sondern ganz allein ob seiner Erbarmung, zum Tagewerk seines Dienstes ausersehen, und uns, obwohl weniger tauglich, als Verwalter über seine Familie gesetzt hat, geziemt es sich, dass wir mit aller Sorgfalt uns bekümmern, damit wir nicht von ihm wegen des vergrabenen Geldes, das sein eigen ist, zur Rechenschaft gezogen werden, sondern uns durch kluge und getreue Verwendung desselben am Ende unserer Bemühung das Wort des Herrn: Wohlan, du getreuer Knecht! zu hören würdig machen. Demnach wollen wir, dass die Gläubigen unserer gesamten Kirche wissen sollen, dass wir, beseelt von dem Wunsch, den frommen Beispielen der Väter und Bischöfe nachzufolgen, beschlossen haben, Gott in seinen Heiligen zu ehren, die heiligen Orte zu erneuern, ihnen Beistand zu leisten und den göttlichen Dienst daselbst zu ordnen."

 

Im Jahr 1056 übergab er auch die Stiftung seines Vaters Arnold II. auf dem Stammschloss Lambach, wohin dieser zwölf weltliche Kanoniker berufen hatte, den Benediktinermönchen.

 

Im Jahr 1060 hatte Adalbero die Freude, seinen Jugendfreund, den edlen heiligen Gebhard, der im März 1055 zu Salzburg vom Erzbischof Balduin zum Priester geweiht worden war, als dessen Nachfolger am 20. Juli in Salzburg feierlich einzuführen und dieser selbst weihte ihren gemeinsamen Freund, den erleuchteten heiligen Altmann, im Jahr 1065 zum Bischof in Passau.

 

Als weltlicher Fürst stand Adalbero unerschütterlich treu auf Seite des Kaisers Heinrich III. und dessen Sohnes, des Königs Heinrich IV. bis zum Jahr 1076. Entschieden trennte er sich aber von dem unglücklichen König, als dieser die Absetzung des heiligen Papstes Gregor VII. durch die deutschen Bischöfe zu Worms veranlassen wollte. Da im Jahr 1077 Herzog Rudolf von Schwaben zu Forchheim zum König erkoren worden war, stand Adalbero treu zu diesem Oberhaupt und verteidigte die Rechte der Kirche und seines Vaterlandes. Die Bürger von Würzburg empörten sich zwar gegen Adalbero, da sie von König Heinrich IV. neue Freiheiten sich zu verdienen hofften, und vertrieben ihren Fürstbischof. Dafür traf sie die Strafe des Kirchenbannes. 

 

Einmal in die von König Hermann, dem Nachfolger Rudolfs, eroberte Stadt Würzburg zurückgeführt, musste Adalbero seinen Bischofssitz wieder verlassen, pilgerte nach Rom zu Papst Gregor VII., der ihn mit besonderen Ehren und Vollmachten auszeichnete. Er kam wieder in seine Diözese, weihte mehrere Kirchen ein, gründete das Kloster Zwiefalten und begab sich endlich in seine Heimat Lambach. Als bei der Kirchweihe zu Lambach der Edelstein des bischöflichen Ringes aus der Fassung sich löste und in die für die Reliquien bestimmte Vertiefung hineinfiel, wollte der Diakon denselben herausheben, doch Adalbero sprach zum Volk gewendet: "Lasse es, mein Sohn; dieses ist meine Ruhestätte in Ewigkeit; hier will ich wohnen, weil ich sie erwählt habe!" (Psalm 13,14)

 

Und in der Tat, nachdem der selige Adalbero noch im nächsten Jahr der Bischofsweihe des seligen Thiemo zu Salzburg beigewohnt hatte, entschlief er hochbetagt nach 45jährigem bischöflichen Wirken am 6. Oktober 1090. Sein heiliger Leib wurde im Stift Lambach begraben.

 

Schon 1204 wurde der Jahrestag seines Todes in feierlicher Weise begangen, in einem Ablassbrief von 1298 wurde das Kloster Lambach ausdrücklich "zum seligen Adalbero" benannt.

 

Im Jahr 1883, am 30. August, bestätigte Papst Leo XIII. die uralte Verehrung des seligen Adalbero und ließ ihn in den Katalog der Heiligen aufnehmen. 

 

Im Jahr 1890 wurde in Lambach das 800jährige Jubiläum des seligen Hinscheidens des seligen Bischofs Adalbero in feierlicher Weise begangen. Vom 27. September bis 6. Oktober wurde eine heilige Mission gehalten; am 5. Oktober hielt der hochwürdigste Diözesanbischof, Doktor Franz Maria Doppelbauer den feierlichen Gottesdienst und nachmittags die Prozession mit den heiligen Reliquien. Groß war die Andacht und die Menge der Priester und des gläubigen Volkes, welches in förmlichen Prozessionen aus den benachbarten Pfarreien zum Grab des Landesheiligen wallfahrtete. Der hochwürdigste Herr Bischof hielt eine Ansprache an den Klerus über die Worte: "Kostbar in den Augen des Herrn ist der Tod seiner Heiligen!" (Psalm 115,15) Die Festpredigt am 5. Oktober hatte zum Vorspruch den Wahlspruch des heiligen Adalbero: "Christus ist gestern und heute und in Ewigkeit derselbe."