Der heilige Präjectus von Clermont, Bischof und Martyrer, OSB, + 25.1.674 – Fest: 25. Januar

Kathedrale Clermont

 

Der heilige Präjectus wurde in Auvergne geboren und vom heiligen Genesius, der anfangs Arcidiakon und dann Bischof von Auvergne war, zum Dienst der Kirche Gottes gebildet.Er war im Gesang sehr unterrichtet, was damals als ein wesentlicher Teil der einem Geistlichen notwendigen Wissenschaft angesehen wurde. Zugleich hatte er sich aber auch große Kenntnisse der Heiligen Schrift und der Kirchengeschichte erworben. Sein Eifer fand zuerst in der Pfarrei Jssoire und dann in dem Frauenkloster von Candedin einen heiligen Wirkungskreis. (Es war das Kloster der Karmeliterbarfüßer, das in der Folge Chantoen genannt wurde.)

 

Als Felix, der Bischof von Auvergne, um das Jahr 666 gestorben war, erwählte das Volk mit Zustimmung Childerichs II., des Königs von Austrasien, den heiligen Präjectus als dessen Nachfolger. Der neue Bischof verwendete sein väterliches Erbe und die beträchtlichen Summen, die ihm Genesius, der Graf von Auvergne, spendete, zur Gründung verschiedener Klöster, Kirchen und mehrerer Spitäler. Er begnügte sich damit nicht, für die Bedürfnisse aller Unglücklichen seines weit ausgedehnten Sprengels, durch den Bau wohltätiger Häuser, gesorgt zu haben. Er arbeitete auch noch unermüdlich dahin, dass überall die heiligen Übungen der Religion und die christliche Frömmigkeit aufblühten, was ihm sehr glücklich gelang, indem er mit rastlosem Eifer dem Unterricht oblag, und sein Lebenswandel der Lehre, die er andern predigte, stets vollkommen entsprach. Seine beiden Lebensbeschreiber erwähnen daher nicht weniger seine Heiligkeit, als die Gabe des Wortes, mit der er ausgerüstet war.

 

Präjectus musste auch wegen einiger Angelegenheiten eine Reise an den Hof machen. Unterwegs heilte er einen gottseligen Mann namens Amarin, der tief in den Vogesen, an einem Ort, Doroangus genannt, in stiller Zurückgezogenheit lebte. (Dieser Ort ist im Oberelsaß. Dieser Ort ist seit langer Zeit nicht anders als unter dem Namen „Tal des heiligen Amarin . oder Sanct-Amarintal – bekannt. Eine kleine Stadt, auch St. Amarin genannt, ist der Hauptort des Tales. Ehehin war dort ein Stift, das 1442 nach Thann verlegt wurde.) Amarin begleitete nun den Bischof von Clermont. Während dieser Zeit wurde Hektor, ein Patrizier aus Marseille, der des Raubes und mehrerer anderer Verbrechen schuldig war, auf Childerichs Befehl zum Tod verurteilt. Die Anhänger des Patriziers sahen seine Strafe als eine Folge der Klagen an, die Präjectus gegen ihn vor den König gebracht hätte. Sie wussten zwar, dass die Klagen wohl begründet waren, da Hektor eine Jungfrau seiner Diözese entführt und mehrere Kirchengüter ungerechter Weise zurückbehalten hatte. Allein die Leidenschaft beraubt den Menschen jedes vernünftigen Urteils. Der Untergang des Heiligen wurde daher beschlossen. Zuerst versuchte man mehrere Edelleute von Auvergne gegen ihn aufzubringen. Dann sann man auf Gelegenheit, ihn aus dem Weg zu räumen, die sich auch bald darbot. Da man wusste, dass er bei seiner Rückreise vom Hof durch Volvic reist, erwartete ihn da Agritius, der heftigste seiner Feinde, mit zwanzig Kriegsleuten. Die Meuchler ermordeten zuerst den heiligen Amarin, den sie für den Bischof gehalten hatten. Als dieser aber ihre Absicht erkannt hatte, setzte er sein Vertrauen auf Gott und trat mutig vor sie hin. Sogleich versetzte ihm ein Sachse, Radbert genannt, einen Dolchstich, und der heilige Oberhirt sagte: „Herr, rechne es ihnen nicht zur Sünde, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, so spaltete ihm ein Soldat mit dem Säbel den Kopf. Dies ereignete sich am 25. Januar 674.

 

Frankreich verehrte das Andenken des heiligen Präjectus unmittelbar nach seinem Tod, und sein Name wurde in die Abschriften des Sakramentariums, die man in diesem Reich machte, beigesetzt. Man erbaute auch mehrere Kirchen unter seinem Namen in verschiedenen Provinzen Frankreichs. Ein beträchtlicher Teil seiner Reliquien wurde 760 in die Abtei von Flavigny gebracht. Die übrigen Gebeine kamen nach St. Quentin, in das Priorat von Saint-Prix bei Bethune in Artois (Das Kloster fiel später dem Orden von Cluny zu, unter dem es noch bei dem Ausbruch der französischen Staatsumwälzung gestanden ist.) und an andere Orte.