Der heilige Petrus, Simon, Fischer, Apostelfürst, 1. Papst und Martyrer von Rom, + 29.6.67 - Fest: 29. Juni

       

In der ganzen katholischen Welt, vorzugsweise aber in Rom, dem Mittelpunkt der Christenheit, wird das heutige Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus mit Recht wie ein zweites Osterfest gefeiert, denn im Martertod der beiden Glaubenszeugen wurde der Sieg Christi auch über das Heidentum grundgelegt. Ihr Sterbetag war der Ostertag des christlichen Rom und der Geburtstag des christlichen Abendlandes. Wie ein zweites Osterfest ist der heutige Tag.

 

Der heilige Apostel Petrus:

 

Da fährt vor zweitausend Jahren ein Boot auf den See Genezareth hinaus. Die Fischer werfen die Netze zum Fang aus. Tag für Tag tun sie es. Unter den Männern, die da mit Netz und Angel ihr Handwerk betreiben, ist einer, der Simon heißt, ohne Schulbildung, hitzig und blitzig im Wesen, aber ein kerniger Mann, ein Geradeaus, treuherzig und dienstbereit und im Übrigen nur einer von den vielen. Alles in allem, Simon, der Sohn des Jonas, ist ein unbekannter Fischer in einem verlorenen Winkel der Welt, über den nach dem Tod die Zeit hinweggehen wird, wie die Wellen des Sees die Spur seiner Barke verschlingen.

 

Doch da taucht eines Tages im Blickfeld des galiläischen Fischers ein Mann auf, der schon bald weitum im Land ein Stein des Anstoßes für die einen und für die anderen die Beseligende Erfüllung einer jahrhundertealten Sehnsucht sein wird. Diesem Einzigen und Herrlichen begegnet der unbekannte Fischer Simon, und als er ihm begegnet, legt der andere in freier Gnadenwahl die Hand auf ihn und nimmt ihn für sich so ausschließlich in Beschlag, dass er ihm sogar einen neuen Namen gibt. Simon hieß der Fischer, Petrus wird der Menschenfischer heißen, Petrus der Fels, auf den der Herr seine Kirche bauen will.

 

Es war ein etwas wackeliger Fels, dieser Simon Petrus, denn alle Liebe und Hingabe, die er ehrlich und herzlich in männlich schöner Art dem Meister entgegenbringt, können es nicht verhindern, dass derjenige, der kurz zuvor Treue bis in den Tod geschworen hat, im Augenblick der Gefahr bei der Gefangennahme Jesu schmählich flieht und eine Stunde später dreimal steif und fest behauptet, dass er diesen Menschen nicht einmal kenne.

 

Ein wackeliger Fels war Petrus, aber trotzdem hat ihn der Herr, weil er ihn zum Eckstein auserlesen hatte, nicht verworfen, sondern auf ihn seine Kirche gebaut, groß und mächtig, und siehe da, wenn Menschen ohne Gott selbst auf Granit bauen, stürzt der Bau einmal zusammen. Wenn aber Gott auf einen wackeligen Felsen baut, so hält der Bau jahrtausendelang.

 

So war es bei Petrus. Bitter hat derjenige, den der Herr des größten Vorzuges würdigte, seine Untreue bereut, und die Reue hat er mit dem Blut im Martertod besiegelt, froh, dass er wie der Meister gekreuzigt wurde und dass ihm die Gnade zuteil wurde, mit dem Haupt nach unten gekreuzigt zu werden, weil er sich der Ehre nicht würdig hielt, auf die gleiche Weise wie der Herr zu sterben.

 

Als dann Petrus an der Stätte, wo er gerichtet, auch begraben wurde, war das Fundament gelegt, fest und stark und unzerstörbar, so dass darauf der herrlichste Dom, den es auf Erden gibt, errichtet werden konnte, in dessen Kuppelwölbung mit goldenen Buchstaben die für alle Zeiten unlöschbaren Worte stehen: „Du bist Petrus, der Fels. Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“

 

Doch Sankt Peters Dom zu Rom, wie herrlich und groß er auch sein mag, ist nur ein schwaches Abbild jener weit herrlicheren und größeren unsichtbaren Kirche, welche die gesamte Christenheit darstellt. Auch diese Kirche, die sich über alle fünf Weltteile erstreckt, ist gebaut und steht fest begründet auf dem Felsenmann Petrus, der ehedem ein unbekannter Fischer war, dann aber durch die Gnade Gottes seit zweitausend Jahren das Fundament ist, auf dem die Kirche steht, von der Christus gesagt hat, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden.

 

Der heilige Apostel Paulus:

 

Etwa um die Zeit, da der zwölfjährige Jesus mit Maria und Josef zum Tempel nach Jerusalem wallfahrtete, erblickte weitab in der kleinasiatischen Stadt Tarsus ein Kind das Licht der Welt, dem die Eltern in Anlehnung an die Heilige Schrift des Alten Testamentes den Königsnamen Saul gaben, und ein Fürst ist der Junge auch geworden, ein Fürst im Reich des Christkönigs, einer von den beiden Apostelfürsten.

 

Sauls Eltern waren strenggläubige Israeliten, die den Sohn in der Ehrfurcht vor dem Herrn erzogen, so dass der zwanzigjährige junge Mann, der für den Lebensunterhalt das schwere Zeltweberhandwerk erlernt hatte, nach Jerusalem übersiedelte und sich an der dortigen jüdischen Hochschule im Gesetz unterrichten ließ, um später als Gesetzeslehrer zu wirken. Es geschah das um die gleiche Zeit, da der Heiland öffentlich auftrat und den Kreuzestod starb.

 

Saulus hat damals den Erlöser nicht gefunden, denn er gehörte zu den halsstarrigen Juden, die den Messias nicht annahmen, sondern sich ihm widersetzten, und als sich nach dem Pfingstfest die Kirche Jesu Christi unter dem jüdischen Volk ausbreitete, entwickelte sich Saulus zu einem eifrigen Verfolger, der alle Christen, die er ausfindig machen konnte, dem Hohen Rat, der obersten Gerichtsbehörde in Israel, mit Lust und Wonne anzeigte.

 

Als Stephanus, der erste Martyrer, gesteinigt wurde, übergaben diejenigen, die ihn töteten, dem Saul die Kleider zum Aufbewahren, und höhnisch lächelnd, schaute der junge Gesetzeslehrer dem grausamen Werk der Steinigung zu. Kurze Zeit später war Saulus mit einem polizeilichen Aufgebot nach Damaskus unterwegs, um auch die dortigen Christen aufzuspüren und anzuzeigen.

 

Als allerdings der blindwütige Mann in Damaskus anlangte, war er kein Christenverfolger mehr, denn Christus war ihm unterwegs erschienen und hatte in einem einzigen Augenblick an ihm das Wunder der Bekehrung vollbracht. So gut ist das Herz des Heilandes, dass es sich selbst der ärgsten Feinde huldvoll erbarmt.

 

Saulus wurde Christ und ließ sich fortan Paulus nennen, das heißt auf Deutsch „der Geringe“, aber aus dem Geringen wurde später einer, der mit Petrus zu den beiden Apostelfürsten zählt. Es ist fast unglaublich, was der ehemalige wütende Christushasser in einer grenzenlosen Christusliebe geleistet hat, um das Evangelium des Gekreuzigten den Juden und den Heiden zu verkündigen.

 

Etwa fünfzehn Jahre lang war der körperlich schwache und stets kränkelnde Mann auf Missionsreisen unterwegs. Aneinandergereiht, legte Paulus zu Land einen Weg zurück, der zehnmal der Strecke von München nach Rom entspricht, und die Reisen des Heiligen zur See machen viermal die Entfernung von Rom nach Jerusalem aus. Von den unvorstellbaren Mühen dieser Missionsreisen aber erzählt der Apostel selbst:

 

„Vielerlei Mühen habe ich erduldet, häufige Kerkerhaft, Misshandlungen über alle Maßen und oftmals Todesgefahr. Fünfmal empfing ich von den Juden vierzig Streiche weniger einen. Dreimal wurde ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt, dreimal litt ich Schiffbruch, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf hoher See. Reisen in großer Zahl, Gefahren in Flüssen, Gefahren von Räubern, Gefahren von meinem Volk ... Mühsal und Elend, schlaflose Nächte, Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße ...“

 

So berichtet derjenige, der sich selbst den Geringsten unter den Aposteln nennt, und doch ist dieser Mann ganz groß, und überall, wo er weilte, gründete er Christengemeinden, verkündete unablässig die Frohbotschaft vom Reiche Christi, hielt durch Briefe die fernen Glaubensbrüder bei der Stange, saß um des Glaubens willen zwei Jahre im Kerker, stand zwei weitere Jahre unter polizeilicher Aufsicht, duldete und litt, nur rastete und ruhte er nicht bis zum glorreichen Martertod am 29. Juni des Jahres 67. 

 

 

Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Matthäus 16,18-19

 

 

Der hl. Petrus wird durch einen Engel aus dem Gefängnis befreit

 

 

Petri Kreuzigung

 

 

Aus einem alten Kalender von 1823:

 

Nachdem der heilige Petrus den Geist der Finsternis im Morgenland besiegt hatte, eilte er auch nach Rom, ihn in der Person des Zauberers Simon zu bekämpfen. Gewiss ein großer Mut wurde zu einem solchen Unternehmen erfordert, weil es darum ging, die Abgötterei sogar auf ihrem Thron anzugreifen. Diesen Mut flößte der Heilige Geist dem Jünger ein, der einst vor der Stimme einer Magd gezittert hat. Dem Fürsten der Apostel war es vorbehalten, den Glauben in einer Stadt auszusäen und zu pflanzen, deren Macht durch Fügung des Allerhöchsten zur leichteren Verbreitung des Christentums sich beinahe über die ganze Welt erstreckte, und die, nachdem sie lange Zeit der Mittelpunkt alles heidnischen Aberglaubens gewesen war, in den Ratschlüssen des Ewigen zum Mittelpunkt der katholischen Einheit bestimmt wurde. Kaum war der heilige Petrus in dieser ewigen Stadt angekommen, als er anfing Jesus Christus zu predigen und seinen bischöflichen Sitz aufschlug.

 

Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Apostelfürst das Evangelium zu Rom gepredigt und die römische Kirche gestiftet hat. Alle Schriftsteller, die dieser Zeit am nächsten gelebt haben, stimmen in Bezeugung dieser Tatsache miteinander überein. Und sollte man wohl ihr Zeugnis über Tatsachen, die ihnen nicht unbekannt sein konnten, weil sie zu wichtig für sie waren, und die sie nicht entstellen konnten, weil sie zu offenkundig waren, verwerfen? Hierauf gründen sich die Vorzüge und Rechte, deren die römische Kirche, seit den ersten Jahrhunderten des Christentums, sich erfreut. Nein, nie wären ihr diese Auszeichnungen zugestanden worden, ohne die feste Überzeugung, dass der heilige Petrus zu Rom seinen Stuhl errichtet hat. Das Andenken an dieses wichtige Ereignis wird heute gefeiert. Dies ist auch ein Überbleibsel der alten Sitte, jedes Jahr den Gedächtnistag der Weihe eines jeglichen Bischofs zu begehen. Dieses Fest findet man auch in den ältesten Martyrologien aufgezeichnet. 

 

Es war nicht mehr als billig, dass die Christen alle Jahre das Andenken der Gründung dieser Kirche, welche die allgemeine Mutter aller Gläubigen ist, feierten. Um aber dem Geist dieses Festes zu entsprechen, müssen wir Gott danken für die besonderen Erbarmungen und Gnaden, die er dieser Kirche erwiesen hat, und ihn bitten, er möge ihr stets diesen seinen Schutz angedeihen lassen. Vergessen wir dann aber auch nicht, ihm unsere Dankbarkeit zu bezeigen für die unschätzbare Gnade, die er uns zuteil werden lässt, dass wir in der Gemeinschaft dieser Kirche, die der Mittelpunkt der katholischen Einheit ist, leben. Beschwören wir ihn, dass die Anzahl der Kinder dieser heiligen Mutter durch Ausrottung der Spaltungen, Vernichtung der Irrlehren, und Bekehrung der Ungläubigen sich vermehrt. Flehen wir zu ihm, dass er Hirten nach seinem Herzen, das heißt, apostolische Männer erweckt, die in unseren Tagen mehr als je Not tun, um den Glauben anzufachen, der allenthalben erlischt, und das Antlitz der Erde, die von einer Sündflut der Laster überschwemmt ist, zu erneuern. Vor allem aber denken wir in unseren Gebeten unseres Heiligen Vaters, des Papstes, der so viele Kämpfe für die Sache Gottes und der Menschen, für die auf den Felsen gegründete Religion Jesu, bestehen muss, und gegen den, als den Statthalter Gottes, der verderbliche Geist des Stolzes und der Sinnlichkeit, der unsere Zeit mehr, als irgendeine der verflossenen beherrscht, sich wutvoll empört. Flehen wir für ihn diesen Geist des Eifers, der Stärke und Weisheit herab, der das unterscheidende Merkmal jedes Nachfolgers des Apostelfürsten sein soll.