Der heilige Makarius aus Ägypten, der Ältere genannt, Einsiedler-Abt, + 390 – Fest: 19. Januar

 

Dieser Heilige, der in Oberägypten um das Jahr 300 geboren wurde, hütete in seiner Jugend die Herden. Als Kind stahl er einmal mit seinen Freunden Feigen und aß eine davon. An diese Begebenheit konnte er in der Folge nie denken, ohne die bittersten Tränen zu vergießen, als wäre diese unbesonnene Handlung ein großes Verbrechen gewesen. Er war noch jung, als ihm die Gnade den Entschluss, die Welt zu verlassen, eingab. Gelehrig ihren Einsprechungen gegenüber, zog er sich in eine kleine Zelle zurück, die nicht weit von einem ägyptischen Dorf lag. Mit den Handarbeiten, die in Körbeflechten bestand, vereinigte er ununterbrochenes Gebet und die strengsten Abtötungen. Sein Friede, den er im Dienst Gottes kostete, wurde bald durch eine der empfindlichsten Prüfungen gestört. Ein aus der Nachbarschaft schwanger gewordenes Mädchen klagte ihn als ihren Entehrer an. Mehr brauchte es nicht, um ihn den unwürdigsten Misshandlungen auszusetzen. Man schleifte ihn schmachvoll über die Straßen. Man schlug ihn und schimpfte ihn einen Heuchler, der das verdorbenste Herz unter der Kutte eines Einsiedlers verberge.

 

Makarius, obgleich sich seiner Unschuld bewusst, wollte sich doch nicht rechtfertigen, sondern erduldete die Schläge und Beschimpfungen mit bewunderungswürdiger Ergebung. Ja er tat noch mehr, er nahm es noch auf sich, für den Lebensunterhalt seiner Anklägerin zu sorgen, indem er ihr den Erlös von seinen Körben zuschickte. „Wohlan Makarius,“ sagte er zu sich selbst, „du hast eine Frau gefunden, du musst also deine Arbeit verdoppeln, um es auch ernähren zu können.“ Allein Gott machte bald die Unschuld seines Dieners kund. Da die Zeit der Niederkunft dieser Unseligen herangekommen war, fühlte sie die schrecklichsten Schmerzen, und konnte ihr Kind nicht eher zur Welt bringen, als bis sie den wahren Vater angegeben hatte. Das Volk erkannte nun die Wahrheit und seine Wut wandelte sich nun in Bewunderung, da es über die Geduld und Demut des Heiligen nachzudenken anfing. Es hätte ihm sogar öffentliche Beweise seiner Verehrung und der Reue gegeben, von denen es durchdrungen war, wenn sich Makarius, der das Gift der Lobeserhebungen fürchtete, nicht in die Wüste von Scete, wo er die sechzig letzten Jahre seines Lebens zubrachte, geflüchtet hätte. (Der Berg Nitria lag ungefähr sechzehn Stunden von Alexandrien zwischen Abend und Mittag. Die Wüste Scete lag noch weiter weg, mehr in Lybien als in Ägypten. Da sie sehr ausgedehnt war und man keinen markierten Weg hatte, konnte man nur nach dem Lauf der Gestirne seine Reise dahin richten, und man hatte jeden Grund, seinen Untergang bei der geringsten Verirrung zu befürchten. Die Zellenwüste war ungefähr fünf Stunden vom Berg Nitria entfernt und bildete mit der oben genannten ein und dieselbe Wüste. Die Kirche von Nitria war sehr groß und wurde durch acht Priester versehen. In der Wüste von Scete waren vier Kirchen für die Einsiedler. Ein Decurio – oder Dekan – hatte die Aufsicht über neun Mönche, und ein Centurio über zehn Decurien. Jede Wüste hatte oft einen allgemeinen Vorsteher.) Der Sorgfalt ungeachtet mit der er seine Tugenden zu verbergen versuchte, verbreiteten sie doch bald einen leuchtenden Glanz in die Ferne. Auch kamen mehrere Männer zu ihm, um unter seiner Leitung von ihm zu lernen, wie man zur Vollkommenheit gelangen kann. Von allen seinen Schülern behielt er jedoch nur einen einzigen bei sich, der die Fremden verpflegen musste, die anderen wohnten in einzelnen Zellen, die voneinander abgesondert waren.

 

Ein Bischof aus Ägypten, der die große Heiligkeit des Einsiedlers Makarius kannte, hielt es für angemessen, ihn zur Priesterwürde zu erheben. Er erteilte ihm daher die heiligen Weihen, damit er nach Bequemlichkeit die heiligen Geheimnisse für diese Gemeinde, die sich von Tag zu Tag erweiterte, feiern konnte. Als sie sich nach Verlauf einiger Zeit noch beträchtlicher vermehrt hatte, baute man vier Kirchen in der Wüste, und jede von ihnen erhielt ihren eigenen Priester.

 

Die Abtötungen des heiligen Makarius waren außerordentlich. Er aß nur einmal in der Woche. Auch war sein Angesicht sehr blass und sein Körper äußerst schwach. Als Evagrius, einer seiner Schüler, ihn eines Tages in glühendem Durst um Erlaubnis bat, ein Glas Wasser zu trinken, erhielt er zur Antwort: „Sei froh, dass du im Schatten bist. Viele sind wirklich sogar dieses Labsals beraubt. Seit zwanzig Jahren habe ich nicht mehr gegessen, noch getrunken, oder länger geschlafen, als zur Erhaltung des Lebens notwendig war.“ Seinem eigenen Willen hatte er gänzlich entsagt, um nur den der anderen zu tun, und deswegen auch weigerte er sich nicht, den Wein zu trinken, den man ihm hinstellte. Allein in der Folge versagte er sich zwei bis drei Tage lang jeden Trank, um sich einigermaßen für seine Gefälligkeit zu züchtigen. Evagrius, der dies wahrnahm, bat die Fremden, ihm keinen Wein mehr anzubieten.

 

Die Unterweisungen, die er den anderen erteilte, waren in wenigen Worten begriffen und hatten zum Hauptzweck, das Stillschweigen, das Gebet, die Geistessammlung, die Demut und Abtötung anzuempfehlen – lauter Tugenden, die er selbst im höchsten Grad besaß: „Wenn ihr betet,“ sagte er, „braucht ihr nicht viele Worte zu sprechen. Es ist genug, wenn ihr oft mit aufrichtigem Herzen wiederholt: Herr sei mir barmherzig, so wie du es für mich nützlich findest. Mein Gott stehe mir bei.“ Er kannte aus Erfahrung die Wirksamkeit dieser kleinen Gebete; und er hatte keins lieber als dieses, das zugleich das tiefste Gefühl der Ergebung und innigsten Liebe atmet: „Herr erbarme dich meiner, so wie du willst, und weißt, dass es deiner Güte am besten entspricht. Domine, sicut scis et vis, miserere mei.“

 

Man konnte nicht müde werden, die Sanftmut und Geduld des heiligen Makarius zu bewundern. Nichts war imstande, diese zwei Tugenden in ihm zu trüben. Ein Götzenpriester und mehrere Ungläubige wurden dadurch so betroffen, dass sie sich zur christlichen Religion bekehrten. Nicht weniger groß war auch seine Demut, sie zwang eines Tages dem Teufel selbst dieses Geständnis ab: „Makarius,“ so sagte er zum Diener Gottes, „ich kann wohl in Nachtwachen, im Fasten und mehreren anderen Dingen dich übertreffen, allein deine Demut beschämt und entwaffnet mich.“

 

Viele Menschen strömten von allen Seiten her, um sich beim heiligen Abt Rat zu holen. Unter diesen war auch ein junger Mann, der sich dem Einsiedlerleben widmen wollte. Makarius befahl ihm, auf einen Gottesacker zu gehen, und die Toten zu schelten. Ein anderes Mal schickte er ihn wieder dahin, sie zu loben. Bei seiner Rückkehr fragte er ihn, welche Antwort ihm die Toten gegeben hätten. „Sie haben,“ sagte der junge Mann, „weder auf die Schimpfworte, noch Lobeserhebungen geantwortet.“ – „Geh also hin,“ erwiderte der Heilige, „und ahme ihre Unempfindlichkeit nach. Wenn du der Welt und dir selbst abstirbst, wirst du anfangen für Jesus Christus zu leben.“ Da wir nicht alle bemerkenswerte Reden des heiligen Makarius anführen können, so beschränken wir uns bloß auf einige Beispiele. Aus diesen wird man seine großen Fortschritte im geistlichen Leben ohne Mühe erkennen.

 

Eines Tages sagte er zu jemanden: „Wenn du von der Hand Gottes Armut, wie Reichtum, Hunger und Dürftigkeit, wie Überfluss und Belustigungen, annimmst, wirst du unfehlbar den Feind deines Heils zu Boden werfen, und alle deine Leidenschaften bezwingen.“ Ein Einsiedler beklagte sich einst bei ihm, dass ein Heißhunger ihn immer reize, das Fasten in der Einsamkeit zu brechen, wo er in dem Kloster leicht eine Woche zubringe, ohne zu essen. Diesem antwortete er ganz unverhohlen: „Dies kommt daher, mein Sohn, weil du in der Wüste niemanden hast, der Zeuge deines Fastens ist, der dich aufrechterhält, und mit seinen Lobsprüchen nährt. Im Kloster war der eitle Ruhm deine Nahrung, indem dort das Vergnügen, dich vor den andern durch deine Enthaltsamkeit auszuzeichnen, eine gute Mahlzeit ersetzte.“ Da ihn ein anderer Einsiedler fragte, wie er den Anfechtungen des unreinen Geistes, der ihn heftig versuchte, Widerstand tun soll, riet ihm der Heilige, der sah, dass diese Versuchungen von der Trägheit herkamen, sich mit seiner Arbeit unablässig während des ganzen Tages zu beschäftigen, und erst nach Sonnenuntergang zu essen. Der Einsiedler befolgte diese Vorschrift genau, und wurde von seinen Anfechtungen befreit.

 

Makarius wurde eines Tages durch göttliche Offenbarung belehrt, dass er noch nicht so vollkommen sei, als zwei verheiratete Frauen, die in einer nahen Stadt wohnten. Sogleich reiste er ab, sie zu besuchen, und fand wirklich, dass sie das heiligste Leben führten. Aufmerksam auf ihre Zungen sprachen sie nie ein unnützes Wort aus. Demütig, geduldig, sanft und gefällig gegenüber ihren Ehemännern, richteten sie sich in allem nach ihrem Willen, wenn sie dem Gesetz Gottes nicht entgegen waren. Sie lebten in beständiger Geistessammlung und wandten sich oft in kleinen Gebeten an Gott, um ihm unablässig alle Kräfte ihrer Seele und ihres Leibes zu heiligen.

 

Neben der Gabe der Weissagung hatte unser Heiliger auch noch die der Wunder. Er gab hiervon einen auffallenden Beweis bei einer Gelegenheit, in der es darum ging, den Irrtum zu beschämen. Ein Ketzer, von der Sekte der Hierakiten (So genannt von Hierax, ihrem Oberhaupt, der seine gottlose Lehre in Ägypten verbreitete, zur Zeit des Kaisers Diokletian. Unter anderen Irrtümern leugnete er auch die Auferstehung der Toten.), hatte sich in die Wüste eingeschlichen, wo er seine gottlosen Lehrsätze verbreitete. Einige Einsiedler, durch seine verfänglichen Reden getäuscht, waren in Gefahr, ihren Glauben zu verlieren. Makarius erschrak darüber, und setzte die Lehre der Kirche den eitlen Trugschlüssen des Irrlehrers entgegen. Allein da er es mit einem rüstigen und verschlagenen Feind zu tun hatte, der immer darauf bestand, seine Hirngespinste auszukramen, schlug er vor, den Glauben, die seine Brüder und er bis dahin hatten, durch ein Wunder zu bestätigen, und erweckte einen Toten, wodurch der Irrlehrer beschämt und die Einsiedler im wahren Glauben bestärkt wurden.

 

Infolge dieser unwandelbaren Anhänglichkeit an den katholischen Glauben, verabscheuten auch der heilige Makarius und seine Schüler immer die gottesräuberische Lehre des Arius. Lucius, ein arianischer Patriarch von Alexandrien (Die Arianer haben, nachdem sie Petrus, den Nachfolger des heiligen Athanasius, vertrieben hatten, Lucius auf den Stuhl des heiligen Markus erhoben. Es war im Jahr 376, dass dieser Eingedrungene die Mönche verfolgte.), der aus Erfahrung überzeugt war, dass die Einsiedler bei der Lehre der Väter des Konzils von Nizäa unerschütterlich beharrten, schickte Soldaten in die Wüste, sie zu zerstreuen. Mehrere von ihnen trugen die Krone des Märtyrertodes davon. Allein die Hauptstützen von ihnen, die beiden Makarius, Isidor, Pambon uam., wurden auf Befehl des Kaisers Valens auf eine kleine Insel in Ägypten, die rings mit Sümpfen umgeben war, verbannt. Bald sah man aber in diesem Ort eine wunderbare Umwandlung. Die Heiden, die da wohnten, unterrichtet in der Lehre dieser heiligen Bekenner, entsagten ihrem Götzendienst, und nahmen die heilige Taufe an. Sobald das Volk von Alexandrien diese freudige Nachricht erhielt, verwünschte es den Lucius, dass er Heilige verbannt hatte, die sich einzig damit beschäftigten, Gott zu gefallen, und das Reich Jesu Christi zu erweitern. Man schrie von allen Seiten so laut über Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit, dass der Patriarch, der einen Aufruhr befürchtete, den verbannten Einsiedlern erlaubte, wieder in ihre Zellen zurückzukehren.

 

Der Heilige Makarius gab sich, da er in seine geliebte Einsamkeit wieder zurückgekommen war, den gewöhnlichen Übungen hin. Als er darauf bald erkannte, dass er seinem Ende nahe ist, besuchte er noch die Einsiedler von Nitria. Ihnen gab er so rührende Lehren über die Zerknirschung des Herzens, dass sie alle mit Tränen in den Augen zu seinen Füßen niederwarfen. „Lasst uns weinen, meine Brüder,“ sagte er dann, „vergießen wir unaufhörlich Ströme der Tränen in diesem Leben, damit wir nicht in jenen Abgrund gestürzt werden, wo sie nur dazu dienen könnten, das Feuer, das unsere Leiber brennen würde, noch mehr anzufachen.“ Der Heilige überlebte diesen Besuch nicht lange, sondern verließ diese Welt im Jahr 390, um hinzugehen und die Belohnung seiner Arbeiten zu empfangen. Er war neunzig Jahre alt und hatte sechzig davon in der Wüste von Scete zugebracht.

 

Dieser Heilige scheint der erste Einsiedler gewesen zu sein, der diese ungeheure Wüste bewohnte. Man findet den Namen des heiligen Makarius aus Ägypten im römischen Martyrologium am 15. und in den Menäen der Griechen am 19. Januar angegeben.