Der heilige Johannes Baptista, Wegbereiter des Messias, + 32? - Fest: 24. Juni und 29. August

       

Wenn man von dem Geburtstagsfest des heiligen Johannes des Täufers, dem 24. Juni, sechs Monate zurück rechnet, so kommt man bei dem Heiligabend des letzten Jahres heraus, und wenn man vom 24. Juni sechs Monate vorwärts rechnet, so kommt man bei dem nächsten Heiligabend an. Der Johannestag liegt also genau in der Mitte zwischen zwei Weihnachtsfesten. Das hat sicher etwas zu bedeuten.

 

Draußen in der Natur gibt es im Sommer manchmal Tage, an denen die Sonne so hell scheint, dass man in weiter Ferne einen Berg sehen kann, den man sonst nicht sieht. Solch ein Tag mit klarer Fernsicht ist im Kirchenjahr der Johannestag, von dem aus man, nachdem eben erst die heiligen Jahreszeiten Weihnachten, Ostern und Pfingsten vorüber sind, in der Ferne schon wieder das kommende neue Kirchenjahr sieht, dessen Advent Johannes, der Vorläufer des Herrn, an seinem Geburtstagsfest bereits ankündigt. Wir stehen am 24. Juni mitten im Kirchenjahr, und fern taucht schon wieder ein neues auf. Ein Kirchenjahr löst das andere ab, und ewig währt Gottes Huld.

 

Von Johannes hat Jesus gesagt, dass er der Größte sei. Groß war er vom ersten Augenblick an, denn wie die Geburt Jesu Christi, so wurde auch seine Geburt von einem Engel vorherverkündet, und wie der Name des Herrn Jesus Christus vom Himmel stammt, so auch sein Name. Bereits im Mutterschoß wurde Johannes geheiligt, als Maria in Eile über das Gebirge ging, um ihre Cousine Elisabeth zu besuchen, und als er geboren wurde, blühten Wunder an seiner Wiege, denn so erzählt die biblische Geschichte:

 

Als die Zeit erfüllt war, bekam Elisabeth den verheißenen Sohn. Die Nachbarn und Verwandten freuten sich mit ihr. Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Jungen. Sie wollten ihn nach dem Namen seines Vaters Zacharias nennen. Elisabeth aber sprach: Nein, Johannes soll er heißen!“ Sie entgegneten: „Es ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen trägt.“ Da winkten sie dem Vater, welchen Namen er ihm geben wolle. Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb darauf die Worte: „Johannes ist sein Name!“ Im selben Augenblick wurde seine Zunge gelöst; er konnte reden und lobte Gott. Da kam Furcht über alle Nachbarn, und durch das ganze Gebirge von Judäa lief die Kunde von dem, was geschehen war. Alle, die sie hörten, bedachten sie im Herzen und fragten sich: „Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.“

 

So wurde Johannes geboren, sechs Monate vor der Geburt des Herrn Jesus Christus, und so war er schon bei der Geburt das, was seine Berufung und Größe ausmacht, der Vorläufer des Herrn.

 

„Der Junge wuchs heran und wurde stark im Geist. Er begab sich in die Wüste und blieb dort bis zu dem Tag, da er vor Israel auftrat.“

 

Da wurde es vorläufig still um den Vorläufer, dreißig Jahre lang, wie es auch um Jesus still wurde in den dreißig Jahren des verborgenen Lebens. Kurze Zeit, bevor Jesus öffentlich auftrat, zeigte sich auch wieder der Vorläufer. Barfuß ging er, der von Heuschrecken und wildem Honig lebte, in einem Kleid von hartem Kamelfell einher als der Vorläufer dessen, der einst arm und bloß am Kreuz sterben sollte, und predigte dem Volk die Bußtaufe zur Vergebung der Sünden als der Vorläufer dessen, der sein Blut zur Vergebung der Sünden vergießen wird. Dann kam für den Vorläufer die große Stunde:

 

„Zu derselben Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen“, und als er getauft war, verkündete der Vorläufer:

 

„Ich bin die Stimme des Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn ... Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt ... Dieser ist der Sohn Gottes.“

 

So war in Erfüllung gegangen, was der Engel von Johannes vorhergesagt hatte: „Er wird vor ihm hergehen ..., um dem Herrn ein heiliges Volk zu bereiten.“

 

Johannes war stets und überall der Vorläufer Jesu, und bis zuletzt ist er es geblieben, denn bevor Christus sein Leben in den Tod dahingab, hatte Johannes bereits seinen Kopf auf den Richtblock gelegt.

 

Der König Herodes hatte einen Bruder, der Philippus hieß. Diesem nahm er die Ehefrau mit Namen Herodias weg und lebte mit ihr zusammen. Die beiden, Herodes und Herodias, glichen sich allerdings fast ganz genau. Liederliche Menschen waren es. Das ganze Land entsetzte sich über das Ärgernis, das vom Königshaus ausging, aber niemand brachte den Mut auf, dem König die Schande ins Gesicht zu sagen, niemand bis auf einen, und dieser eine war Johannes der Täufer, der vor Herodes hintrat, und zu ihm als Mann zu Mann sprach: „Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Frau zu haben.“ So sagte Johannes, aber der König, der sonst dem Heiligen nicht übel gesinnt war und zuweilen sogar auf seinen Rat hörte, war nicht Manns genug, um den mannhaften Vorwurf des Bußpredigers zu verschmerzen, zumal da die gottlose Frau hinter ihm stand und ihn immer wieder verhetzte, dass er den lästigen Mahner beseitige. Dazu konnte sich Herodes allerdings nicht entschließen, denn er fürchtete das Volk, das den großen Propheten hochschätzte. Schließlich aber gab der königliche Pantoffelheld dem Drängen der gehässigen Frau insofern nach, dass er den Täufer verhaften und einsperren ließ.

 

Da kam, wie das Evangelium berichtet, ein gelegener Tag. Herodes feierte Geburtstag. Die Großen des Landes fanden sich zum Fest im königlichen Schloss ein. Es ging hoch her. Man schmauste, man tanzte und der Wein floss in Strömen, und immer roher und ausgelassener wurde die Stimmung. Gegen Ende des Festes trat dann noch Salome, die nichtsnutzige Tochter der gottlosen Herodias, in den Saal und führte einen verführerischen Tanz auf, der ihr rauschenden Beifall einbrachte, und der König, trunken vom Wein und seiner nicht mehr mächtig, rief der frechen Tänzerin zu, sie könne sich ausbitten, was sie wolle, er werde es ihr geben, und wenn es selbst das halbe Reich wäre, dafür bürge er mit seinem Eid.

 

Weil Salome im ersten Augenblick nicht wusste, was sie begehren sollte, beriet sie sich mit der Mutter, die sie ohne Bedenken aufforderte, den Kopf des Johannes zu verlangen. Sogleich ging Salome zum König und sagte: „Ich will, dass du mir das Haupt des Täufers auf einer Schüssel gibst.“ Da entsetzte sich Herodes, aber wegen des Schwures und aus feiger Menschenfurcht vor den Gästen tat er nicht anders, ließ Johannes enthaupten und den Kopf des Vorläufers der Salome auf einer Schüssel überreichen. Diese brachte die grausige Schüssel der Mutter, deren Hass mit dem Tod des heiligen Johannes endlich gestillt war. Für den Gemordeten allerdings war der Tod ein herrliches Sterben im Dienst der Wahrheit.

 

Natürlich ließ Gott die Bluttat nicht ungestraft. Herodes wurde später bekriegt, besiegt, aus dem Land verjagt und endete als Bettler zu Lyon in Frankreich, wohin ihn der römische Kaiser verbannt hatte. Salome aber brach, wie alte Schriftsteller berichten, eines Tages so unglücklich in einen zugefrorenen Fluss ein, dass ihr die Eisstücke den Kopf vom Körper trennten. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher. 

 

 

Johannes, Christi Täufer,

Sein Vorbote, sein Vorläufer, 

Sein Bruder, sein Freund auserkoren,

War von edlem Stamme geboren.

Unsrer Frauen Mutter Anna

Hatte eine Schwester Ismeria,

Ephraim war der Name

Ihres Gatten. Die Lobsame

Eine Tochter Elisabeth gewann;

Die ward vergeben einem Mann

In ihrem Geschlechte, edel und klar,

Der Zacharias geheißen war,

Ein guter Mann, ein reiner,

Der obersten Priester einer.

Aus Gabriels eignem Munde

Ward ihm die wunderbare Kunde,

Dass ihm trotz seines Alters Bürde

Ein edler Sohn geboren würde.

Weil er der Botschaft nicht geglaubt,

Ward er der Rede gleich beraubt

Und blieb so stumm bis zu der Frist,

Da Johannes erschienen ist.

Drum wird Johannes, der allhie

Die Stimme wieder ihm verlieh,

Von frommen Sängern angefleht,

Dass er durch fürbittend Gebet

Auch ihre Kehle stärke und

Die Zunge löse ihrem Mund,

Dass Gottes Ehre laut erschalle:

Ich selber bin in gleichem Falle.

 

Erfüllt vom Geist wuchs auf Johann,

Von Sünden frei, wie kaum ein Mann.

Er zog sich in die Wüste gar,

Sein Kleid war von Kameles Haar,

Die Speise Honig und Heuschrecken.

Und er begann alsbald zu wecken

Der Menschen Sinn zu Buß und Reuen.

Er taufte auch die Guten, Treuen.

Als Jesus so zur Taufe kam,

Erscholl vom Himmel wundersam

Des Vaters Wort vom Weltenthron:

"Dies ist mein eingeborner Sohn!"

Und gleich der Taube schwebte wieder

Der heilige Geist vom Himmel nieder.

 

Nun will ich euch, vor andern Dingen,

Von Herodes Antipas singen,

Der Vierfürst war von Galiläa.

Als dieser einstens von Judäa

Nach Rom hinreisete, da fand

Er in des Bruders Philipp Land

Die schöne Herodias, dessen Weib.

Da reizte ihn ihr stolzer Leib,

Die eigne Gattin zu verachten

Und nach des Bruders Leib zu trachten.

Und er entführte sie auch so.

Doch seine rechte Gattin floh

Zu ihrem Vater Aretas:

Daraus entstand noch großer Hass.

Johannes rief: "Die du geraubt,

Die Frau, sie ist dir nicht erlaubt,

O Herr!" - Da ließ der Schlimme

Den kühnen Prediger im Grimme

Ergreifen und in Ketten schlagen.

Darauf in kurzen Tagen

Ward er enthauptet, um den Willen

Der frechen Salome zu stillen,

Herodias` Tochter, die zu viel

Im Tanz dem Wüterich gefiel.

 

Da Johannes begraben war,

Ward manches Zeichen offenbar.

Julianus, den bösen Mann,

Der später zum Schaden der Welt gewann

Die Ehre, dass er Kaiser ward,

Denselben ärgerte es hart,

Dass die Christen so viel hinab

Kamen zu Johannis Grab;

Er ließ da sein Gebein

Ausgraben allgemein

Und verbrennen. Nun höret da

Das Wunder, das dabei geschah!

Des Heiligen Finger, mit dem er

Auf Jesum weiste und ihm zur Ehr`

So sprach: "Seht, das ist Gottes Lamm!"

Der einzige Finger wundersam

War`s, der unverbrannt blieb,

Was da die falsche Rotte trieb

Mit dem anderen Gebein.

So ward der Finger ganz allein

Erhalten in der Christenheit

Bis heut in großer Würdigkeit.

 

Ich will euch später einmal bescheiden, 

Wie durch den Tod Julians des Heiden,

Des grimmigen Mannes,

Gerochen ward der Täufer Johannes.

 

Vom Haupt des Täufers will ich noch sagen,

Das ihm ward herabgeschlagen

Und erst in späten Stunden

Ward wiederum gefunden.

 

Es kamen einst zwei Mönche hin

Nach Jerusalem, denen erschien

Johannes und sagte ihnen die Märe,

Wo sein Haupt nun wäre

Erhalten in all den Jahren.

Wie froh die Beiden waren!

Sie gingen hin; da ward gefunden

Das Haupt mit härenen Tüchern umwunden.

Die Mönche taten den großen Hort

In einen Sack und hätten ihn fort

Gerne in ihr Land genommen.

 

Nun war ein Mann zu ihnen gekommen,

Der mit ihnen den Weg betrat

Gen Emissena, die gute Stadt.

Es ging der Mann mit leerer Hand

Mit diesen Mönchen unverwandt.

Da baten sie, des Tragens müde,

Dass er auf seine Schultern lüde

Den Sack. Nun habt der Strafe acht,

Die ihre Faulheit ihnen gebracht!

Den Mönchen zürnte Sankt Johann;

Er gab dem Manne heimlich an,

Was in dem Sacke wäre,

Und gab ihm rechte Lehre,

Er sollte mit dem Haupt allein

Zur Stadt Emissena hinein

Sich wenden; doch der Mönche Sinn

Verwirrte er also, dass sie ihn

Nicht mehr fanden, ihren Knecht.

Fürwahr, ihnen geschah wohl recht!

 

Mit diesem Haupte kam der Mann

In die Stadt also hindann. 

Er hiekt das Gut in Ehren,

Doch um es den Feinden zu wehren,

Verbarg er es in einer Höhle.

Ein heiliger Mönch gar ohne Fehle,

Marcellus, fand in späteren Tagen

Die Stätte wieder, denn ihm sagen

Gar wunderbare Träume dort

Den heil`gen, längst vergessenen Ort.

In einem Eimer fand er so

Das Haupt; er ward des Fundes froh,

Daran sich manches Wunder zeigte,

Dem sich der ärgste Zweifler neigte.

 

Ein Kaiser dann nach vielen Tagen

Wollte das Haupt von hinnen tragen

Nach Konstantinopel; doch es blieb

Zu Chalcedon. Nicht war ihm`s lieb,

Weiter zu wandern. Erst der gute

Theodosius mit frommem Mute

Brachte es endlich nach Byzanz

In einen Dom voll Pracht und Glanz.

Dann zu König Pippins Zeit

Kam es wieder fort gar weit

Hin in die Stadt Pictavia

Im schönen Lande Gallia.

 

Mit tugendlichen Sitten

Wollen wir nun den Heiligen bitten,

Dass er vor Jesus Christus trete

Und uns die Gnade erbete,

Dass auch wir zu ihm hin kommen

Zu ewiglichem Frommen.

 

(Aus: "Goldene Legende der Heiligen"

von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen

neu erzählt, geordnet und gedichtet von

Richard von Kralik, 1902)