Der heilige Dismas, rechter Schächer beim Kreuz Christi, + 33 - Fest: 25. März

       

Das Gedächtnis des heiligen Dismas passt gut in die Zeit, in der wir besonders an das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus denken. Dismas ist nämlich der gute Schächer, der mit dem Herrn auf Golgatha gekreuzigt wurde und der von ihm die Zusicherung erhielt, dass er gleich nach dem Tod in das Paradies eingehen werde.

 

Über den glücklichen Tod des heiligen Dismas, von dem gleich noch erzählt wird, sind wir durch die biblische Geschichte genügend informiert. Weiteres erzählt die Heilige Schrift zwar nicht von ihm, aber die Legende weiß mehr zu berichten.

 

Weil bekanntlich der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, ist es nicht verwunderlich, dass nach der Legende der Vater des Dismas ein Wegelagerer war, der mit einer Räuberbande die Gegend an der ägyptischen Grenze jahrelang unsicher machte.

 

Eines Abends spät gelangte bei den Zelten der Banditen eine kleine Reisegesellschaft an, eine junge Frau, die auf einem Esel ritt und ein Kindlein auf ihrem Arm trug, während ein Mann in den besten Jahren das Reittier am Zaum führte. Es war die Heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten.

 

Kaum waren die drei heiligen Personen im Blickfeld der Räuber aufgetaucht, wurden sie auch schon von den verwegenen Gesellen umzingelt und mit dem Ruf: „Geld her oder das Leben!“ begrüßt. Im gleichen Augenblick erschien aus dem nächstliegenden Zelt eine Frau, überblickte kurz die Lage und schrie die Männer an:

 

„Schämt euch, ihr Lumpen! Ihr wollt ehrliche Räuber sein! Nein, ein anständiger Räuber überfällt nie eine Mutter, die ein Kind auf dem Arm trägt. Weg mit euch, Halunken, in die Zelte, oder ihr könnt euch morgen das Brot selbst backen.“

 

So redete die Frau mit den wüsten Burschen. Und während sich auf diese Worte hin die Räuber verzogen, führte sie die Heilige Familie in ihr Zelt, bewirtete sie aufs Beste und richtete ihnen für die Nacht ein Lager zurecht. Am anderen Morgen stellte sie der Mutter Gottes warmes Waschwasser zur Verfügung, damit sie das Jesuskind baden könne. Das geschah dann auch, und als sich die Heilige Familie mit Dank verabschiedete, empfahl Maria der Räubersfrau, die ebenfalls einen kleinen Sohn hatte, diesen mit dem Wasser zu waschen, in dem sie das kleine Jesuskind gebadet hatte. Die Mutter Gottes hatte nämlich bemerkt, dass der Räuberjunge aussätzig war. Nach dem Weggang der Heiligen Familie befolgte die Frau sofort Mariens Rat, und wirklich, ihr Sohn wurde auf der Stelle vom Aussatz geheilt und war gesund. Der Geheilte aber hieß Dismas, und es ist der gleiche Dismas, der später mit Jesus gekreuzigt wurde.

 

Wie gut ist doch Jesus Christus! Da hat eine Frau ihm, seiner Mutter und dem Pflegevater einen Dienst erwiesen und sofort belohnt er den Dienst dadurch, dass er den aussätzigen Sohn der Frau heilt. Das wäre an sich des Dankes genug gewesen, aber Jesus geht noch weiter. Die Reinigung vom Aussatz des Körpers war für ihn nur wie eine Anzahlung. Den vollen Lohn für die Liebestat erstattete er auf Golgatha, als er die Seele des Räubers Dismas unter der Kreuzigung mit seinem dahinfließenden Blut vom Aussatz der Sünde reinigte.

 

Als nämlich später auf Golgatha der Herr mit den beiden Verbrechern gekreuzigt wurde, geschah es, dass auch einer von den beiden Jesus verspottete und sprach: „Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns!“ Der andere aber hatte andere Gedanken und sagte: „Wir empfangen, was wir verdient haben, dieser aber hat nichts Böses getan.“ Daraufhin sprach er zu Jesus: „Herr, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Jesus antwortete ihm: „Wahrlich, ich sage dir, heute noch wirst du bei mir im Paradies sein.“

 

So sprach Jesus, und im gleichen Augenblick wurde aus dem Räuber ein Heiliger. Vor dem, der gerade noch am Rand des Verderbens stand, taten sich weit die Pforten des Himmels auf. So lieb ist Jesus Christus. Wer ihm Gutes antut, empfängt von ihm hundertfachen Lohn dafür.

 

Quelle:

Saint Dismas Prison Ministry Foundation
1701 Indian Creek Parkway
Jupiter, Florida 33458

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Noch zu Lebzeiten heiliggesprochen

 

Eine Frage, die die meisten Leute in Erstaunen setzt und verwirrt, wurde einmal im irischen Radio gestellt: „Wer war der einzige Heilige, der bereits zu Lebzeiten heilig gesprochen wurde?“ Niemand konnte hierauf eine richtige Antwort geben. Wir Zuhörer fragten uns, ob die Antwort nicht die sein würde, dass irgendeine große Seele schon in diesem Leben einen solchen Ruf von Heiligkeit besaß, dass sie vom Volk ein Heiliger genannt wurde. Aber dies konnte schließlich auf eine ganze Reihe von Heiligen zutreffen.

Als aber die Antwort erteilt wurde, stellte es sich heraus, dass hinter dieser Frage keine Geschichtsverdrehung und auch kein Trick steckte. Die Antwort ist einfach die: der gute Schächer.

 

Aus: „Glasgow Observer and Scottish Catholic Herald“

 

 

Als vor Herodes grimmen Drohen

Die Eltern nach Ägypten flohen

Mit ihrem gottgesandten Kind,

Durch Berg und Wüste, Nacht und Wind,

Da konnten Schlangen, Löwen, Drachen

Den Heiligen keinen Schaden machen,

Denn das Kind gab seinen Segen

Den wilden Tieren entgegen,

Dass sie entwichen

Und hinwegstrichen.

Und weiter ging es durchs Gefilde

Und durch der Wüste Wilde. Wer darüber wollte kommen,

Manchem ward allda benommen

Sein Gut und auch sein Leben. 

 

In einem Wald daneben

Zwölf Gesellen saßen,

Die auf diesen Straßen

Viel des Mordes begingen.

Sie erschlugen und fingen,

Was ihnen entgegen kam.

Jeder nach der Reihe nahm

Die Beute Tag für Tag:

Das war die Sitte, deren man da pflag.

 

Die Räuber fielen Joseph an.

Da trat derselbe Räubersmann,

Dem am selben Tage heute

Zugehörte die ganze Beute,

Hinzu und sah das heilige Kind

So wunderselig hold und lind,

Das in der Mutter Schoße lag,

Und ward gewahr, wie es pflag

Ihn gar lieblich anzusehen.

Er hörte nicht auf, nach dem Kinde zu spähen,

Dess Antlitz umgab ein heller Schein.

Die falkenlichten Aeugelein

Spielten in dem Haupte gar

So lauter und so klar.

 

Und der wunderreiche Gott,

Der nach seinem Gebot

In der Wüste aus hartem Stein

Einst Wasser weckte heil und rein,

Erweichte nun durch seine Güte

Ein felsenhart Gemüte.

Er ließ die Wand`rer frei hinziehn.

 

Der Strahl der Gnade traf auch ihn,

Als nach Jahren der Verbrecher

Hing als armer Schächer

Neben Christi Kreuz. Der wies

Den Dismas in das Paradies.

 

(Aus: "Goldene Legende der Heiligen"

von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen

neu erzählt, geordnet und gedichtet von

Richard von Kralik, 1902)

 

Ihr habt von Dismas, dem Schächer, vernommen,

Auf den schon ein Strahl der Gnade gekommen

Dort in Ägypten. Aus Galiläa

War er entstammt, doch nach Judäa

Kehrte er später, ein Gastwirtshaus

Zu verwalten. Oft fuhr er aus;

Als Seeräuber plünderte er die Reichen,

Doch von den Armen ließ er sich erweichen

Und tat ihnen Gutes. Den ganzen Hass

Zeigte er ohne Unterlass

Gegen der Hohenpriester und

Der Schriftgelehrten verruchten Bund.

So brach er einst in den Tempel ein

Und tat Gewalt dem Töchterlein

Des Hohenpriesters Kaiphas an,

Sarra geheißen, und er gewann

Durch Raub das heilige Tempelgut,

Das sie als Priesterin in Hut

Zu halten hatte. So raubte er

Auch das Gesetzbuch heilig und hehr

Aus ihrer Verwahrung. Dies war die Tat,

Ob der Dismas vom hohen Rat

Ergriffen ward und angeklagt.

Sarra hatte zudem gesagt:

"Er will erfüllen, was Jesus gesprochen!

Er drohte, der Tempel werde zerbrochen.

So seht nur seines Jüngers Wut,

Der, was der Meister droht, gleich tut!"

 

Man glaubte der Maid, die dergestalt

Als Prophetin am Tempel galt

Wie Hanna vor Zeiten. Aus diesem Grunde

Glaubte man, ja keine Stunde

Mehr zögern zu dürfen; den Aufrührer

Jesus, ihn, den Volksverführer,

Musste man ohne Verzug in Ketten

Legen, um so den Tempel zu retten.

Auch auf Nikodemus fiel der Verdacht,

Dem die Tempelschlüssel bei Tag und Nacht

Anbefohlen waren. 

Der Juden wütende Scharen

Wollten auch die Prophetin ins Feuer

Werfen, an der so ungeheuer

Gefrevelt worden. In dieser Not

Bestach Kaiphas den Iskariot,

Alle Schuld auf Jesus zu schieben:

Er hätte das Buch, von Moses geschrieben,

Geraubt, auf dass die Juden nicht

In Zukunft nach des Gesetzes Pflicht

Opfern könnten. Ihr seht, wie viel

Die Hölle wirkte zum schrecklichen Ziel.

 

(Aus: "Goldene Legende der Heiligen"

von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen

neu erzählt, geordnet und gedichtet von

Richard von Kralik, 1902)