Der heilige Wilhelm Vercelli, Abt, Einsiedler, Ordensstifter, Italien, OMV + 25.61142 – Fest: 25. Juni

 

Auf, auf, ihr Wandersleut!

Zum Wandern kommt die Zeit!

Tut euch nicht lang verweilen,

In Gottes Namen eilen!

Das Glück, das laufet immer fort

An einen andern Ort.

 

Ja, das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust, denn wenn der Sommer kommt und warm die Sonne scheint, wenn die Luft am klarsten und die Welt am schönsten ist, dann bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus. Wer aber jung ist und froh, den zieht es mit tausend Fäden zu fernen Zielen, und das ist recht, denn die Jugend muss wandern.

 

Auch im Kirchenjahr ist es um diese Zeit so. Weihnachten, Ostern und Pfingsten, die hohen Feste, sind vorüber. Im Gotteshaus ist es stiller geworden. Ruhig wandern wir in diesen Wochen durch das Land der Gnade dem Fernziel des Himmels entgegen, wir, die Zugvögel der Ewigkeit.

 

Doch seht, da läuft einer vor uns her. Wilhelm heißt er, und ein Heiliger ist er, denn heute feiert die Kirche sein Gedächtnis. Der war auch ein Wandersmann, ein Wandersmann wie wir durch die Zeit in die Ewigkeit.

 

Den heiligen Wilhelm, der vor 900 Jahren lebte, litt es nach dem Tod von Vater und Mutter nicht mehr daheim. Vierzehnjährig zog er in die Welt hinaus von der Heimat in Norditalien über die Alpen durch Frankreich nach Spanien an das Grab des heiligen Apostels Jakobus zu Compostela, dem nach Rom bedeutendsten Wallfahrtsort im frommen Mittelalter.

 

Zu jener Zeit waren Eisenbahn und Zweirad noch unbekannte Dinge, und von Flugzeugen und von Autos hatte man nicht die geringste Ahnung. Wilhelm ging zu Fuß und barfuß und barhäuptig und nicht in einem fort, denn weil er nicht betteln wollte, musste er immer wieder die Reise unterbrechen, um sich durch Arbeit bei den Bauern oder bei den Handwerkern neues Zehrgeld für die Weiterreise zu verdienen. Drei Jahre hat unter diesen Umständen die Wallfahrt gedauert. Wilhelm war also kein arbeitsscheuer Bettler, sondern ein ehrlicher Wandersmann.

 

Kaum heimgekehrt, zog der Achtzehnjährige schon wieder auf große Fahrt. Diesmal sollte es durch Italien vom Norden bis zum Süden übers Meer ins Heilige Land nach Palästina gehen. Wilhelm war ohne Zweifel ein Draufgänger, der Mut hatte. Weit ist er jedoch auf der zweiten Weltreise nicht gekommen, denn zunächst blieb er irgendwo einige Jahre als Einsiedler hängen, und als er dann froh und freudig weiterziehen wollte, ließ Gott ihn wissen, dass es besser sei, das Wallfahren aufzustecken, denn Wallfahren allein hat selten aus den Menschen Heilige gemacht. Vielmehr solle Wilhelm ein Kloster bauen und darin anderen den Weg zum Himmel zeigen und ihnen als Führer vorangehen.

 

Da war der Weitgereiste bereits am Ziel. Auf einem hohen Berg in Mittelitalien erstand das Kloster, und aus dem frommen Wandersmann Wilhelm wurde ein Reiseführer zum Himmel, denn aus dem einen Kloster entwickelten sich mit der Zeit noch andere, ein neuer Orden war gegründet, eine neue Straße zum Himmel gebaut, auf der unter der Leitung des heiligen Stifters im Lauf von Jahrhunderten Tausende den Weg zum immerwährenden Frieden in der Ruhe Gottes gefunden haben als Wandersleute durch die Zeit in die Ewigkeit.