Der gottselige Wilhelm Eiselin, Prämonstratenser, Kanoniker der ehemaligen Reichsabtei Rot an der Rot in Oberschwaben, + 28.3.1588 – Gedenken: 28. März

 

Der Geburtsort dieses seligen Jünglings ist Mindelheim in Schwaben. Seine Voreltern waren sehr angesehene und vermögende Leute in dieser Stadt. Die Eltern des frommen Wilhelm waren arme Bürgersleute und verdienten ihr Brot durch Tuchweberei. Um so reicher waren sie an unvergänglichen, wahren Gütern. Ausgezeichnet durch Frömmigkeit und christliche Tugend lebten sie ein stilles, in Gott zufriedenes Leben zur Erbauung für alle ihre Nachbarn. Im Jahr 1561 wurde ihnen ein Sohn geboren, dem sie in der heiligen Taufe den Namen Wilhelm gaben.

 

Die Eltern erzogen ihr Kind in aller Gottesfurcht. Bald bemerkten sie an ihm eine besondere Neigung zum Gebet und zu gottesdienstlichen Übungen. Deshalb entschlossen sie sich, den Knaben studieren und für den geistlichen Stand heranbilden zu lassen. Diesen Entschluss konnten sie jedoch nicht ausführen. Eine verheerende Pest raffte die beiden Eltern hinweg, und der fromme Wilhelm war nun ein Doppelweise.

 

Was die Eltern nicht mehr tun konnten, das übernahmen jetzt gutherzige Verwandte. Diese nahmen sich des verwaisten Wilhelm mit Liebe an und brachten ihn ins Kloster der regulierten Chorherren in Memmingen, damit er daselbst in den Anfangsgründen der Wissenschaften unterrichtet würde. Der Pfarrer bei Unserer Lieben Frau nahm den Knaben in Kost und Verpflegung.

 

Jetzt war der fromme Wilhelm ganz glückselig. Seine größte Freude war es am Altar zu dienen, den kirchlichen Andachten beizuwohnen und neben seinen Studien auch in seinem Kämmerlein dem Gebet zu obliegen. Nicht gar weit von Memmingen war damals die Prämonstratenser-Abtei Roth. Der vortreffliche Abt Martin Erdmann stand in jener Zeit der Genossenschaft vor. Er hatte zugleich die Oberaufsicht über alle Klöster seines Ordens in der ganzen Diözese. Mit diesem Abt war der geistliche Pflegvater des Wilhelm innig befreundet. Ihm übergab er vertrauensvoll seinen geliebten Pflegling.

 

In diesem Kloster setzte Wilhelm seine Studien fort. Was ihm an Talenten abging, das ersetzte er durch seinen unermüdlichen Fleiß. Vor Mutlosigkeit bewahrte ihn sein kindliches Vertrauen auf Gott. War er bei seinem angestrengten Lernen recht müde geworden, so sammelte er sich immer wieder neue Kraft und neuen Mut im Gebet. So machte er denn doch sehr gute Fortschritte, und erhielt auf seine Bitte die Aufnahme in das Noviziat des Ordens. Während dieser Prüfungszeit trug er noch das weltliche Gewand; allein desungeachtet galt er schon damals als ein vollkommenes Muster eines wahren Ordensmannes.

 

Endlich erhielt er auch das langersehnte Ordensgewand. Diesem entsprach vollkommen die innere Reinheit und Unschuld des gottseligen Jünglings, und für ihn war es eine neue Aufforderung, die Reinheit der Sitten unverletzlich zu bewahren. Wegen seiner himmlischen Reinheit und Lauterkeit nannten ihn alle einen Engel im Fleisch.

 

Nach Verlauf der Probezeit bat Wilhelm um die Aufnahme in den Orden und um die Erlaubnis, die drei feierlichen Gelübde ablegen zu dürfen. Diese Bitte wurde ihm gerne gewährt. Mit der innigsten Freude seines Herzens brachte sich der fromme Jüngling dem Herrn als lebendiges Opfer dar, fest entschlossen, von nun an ganz für ihn zu leben in gänzlicher Losgeschiedenheit von der Welt und all ihren Gütern und Genüssen, und im unverbrüchlichen Gehorsam gegenüber seinen Obern. Unter der weisen Leitung seines erleuchteten Lehrers erlangte Wilhelm durch die tägliche Selbstprüfung vor Gott und durch die Gnade des Sakramentes der Buße, das er sehr oft empfing, eine ausgezeichnete Selbstkenntnis und einen hohen Grad christlicher Vollkommenheit. So geordnet auch bisher sein Wandel gewesen war, so war er doch, wie alle bekennen mussten, seit seiner Aufnahme in den Orden noch weit vorsichtiger, eifriger und andächtiger geworden.

 

Nachdem der fromme Wilhelm im geistlichen Leben einen festen Grund erlangt hatte, wurde er im Jahr 1586 mit noch einem Bruder nach Dillingen gesendet, dass er auch in den Wissenschaften noch weiter ausgebildet werde. Wilhelm war über diese Anordnung seiner Obern sehr erfreut, und bemühte sich aus allen Kräften, die dem Priester so notwendigen, wissenschaftlichen Kenntnisse zu erwerben.

 

Alle Gutgesinnten hatten die größte Ehrfurcht vor dem gottseligen Bruder. Viele fassten ein besonderes Vertrauen zu seinem Gebet. Leichtfertige Genossen, die zwar das Gewand des Ordens trugen, aber den Geist nicht hatten, machten sich öfters über die Frömmigkeit des Wilhelm lustig und verursachten ihm viele Demütigungen. Er ertrug alles mit himmlischer Sanftmut und betete für seine Beleidiger. Dafür erlangte er öfters außerordentliche Tröstungen und Gnaden vom Herrn. Was ihm in dieser Hinsicht Außerordentliches widerfuhr, anvertraute er nur seinem Seelenführer, der es erst nach seinem Tod offenbarte. Es waren dies Erscheinungen von Engeln, von der Mutter Gottes und von Christus dem Herrn selber, durch die er in seiner Krankheit getröstet wurde.

 

Von Kindheit an hatte er eine zärtliche Liebe zur Mutter Gottes und eine recht innige Verehrung ihr gegenüber bewahrt. Aber auch andere Patrone hatte er sich erwählt, mit denen er ganz vertrauten Umgang pflegte, so dass er auch in der einsamen Zelle nie allein, sondern immer von diesen himmlischen Freunden umgeben war.

 

In der ersten Zeit nach seiner Rückkehr von Dillingen hatte man noch große Hoffnung, seine Gesundheit werde wiederhergestellt werden. Allein diese Hoffnung wurde von Woche zu Woche immer mehr abgeschwächt. Die Ärzte ließen nichts unversucht, den teuren Ordensbruder zu retten. Allein die Krankheit nahm immer mehr überhand.

 

Endlich kam die langersehnte Stunde der Erlösung aus dem Elend dieses Lebens. Am 28. März 1588 in aller Frühe kamen die Klostergeistlichen insgesamt zu ihm und warteten betend auf sein Hinscheiden. Wilhelm bat sie fortzugehen, um den Gottesdienst zu feiern und versicherte ihnen, erst nach Beendigung des Gottesdienstes werde er sterben. Um 10 Uhr kamen sie wieder, und jeder trug eine brennende Kerze in der Hand. Augenblicklich löschten alle diese Kerzen aus, und ebenso plötzlich entzündeten sich nach einer Weile alle wieder. Indessen hatte der Selige noch eine Vision. Die seligste Jungfrau erschien ihm in Begleitung der heiligen Barbara und der heiligen Katharina. Dies konnte er noch seinem geistlichen Vater, dem ehrwürdigen Pater Georg Kurtz mitteilen. Dann verschied er selig in Gott. Sein Angesicht, das durch Kasteiung und Krankheit sehr abgemagert war, wurde jetzt ganz voll und wunderlieblich anzusehen. Von seinem Leichnam verbreitete sich ein lieblicher Wohlgeruch, wie noch niemand einen wahrgenommen hatte. Über seinen Tod war allgemeine Trauer. Fünfzig Jahre nach seinem Tod wurden seine Gebeine aus der bisherigen Begräbnisstätte erhoben und in das Kapitelkirchlein übertragen. Hier blieben sie ein Gegenstand der Verehrung für die Mönche, die allein Zutritt dahin hatten. Im Jahr 1835 ließ der damalige Pfarrer diese Reliquien fassen und in die Pfarrkirche übertragen.