Die gottselige Virdiana von Castello Fiorentino (Veridiana Attavanti, Verdina, Beridiana), Einsiedlerin von Fiorentino, + 1.2.1242 – Gedenktag: 1. Februar

       

Die gottselige Viridiana brachte ihre Jugend in großer Unschuld zu, erwarb sich durch ihre erhabenen Tugenden allgemeine Hochachtung, und wurde durch harte innere Leiden geprüft. Der heilige Franziskus von Assisi besuchte und tröstete sie, und gab ihr das Kleid des vor kurzem von ihm gestifteten Ordens. Sie starb in heiliger Freudigkeit am 1. Februar 1242.

 

Diese heilige Jungfrau ist wohl zu Castello Fiorentino in Etrurien von armen aber frommen Eltern geboren worden. Sie führte als junge Frau das Hauswesen eines reichen Verwandten, namens Attavanti. Während sie mit aller Treue den häuslichen Geschäften nachging, diente sie zugleich mit Gebeten und Liebeswerken dem himmlischen Herrn. Eines Tages verteilte sie den ganzen Vorrat an Gemüse unter die Armen. Hierüber schmähte der Hausherr die fromme Geberin in Gegenwart der Dienstboten und Nachbarn. Als er auch am folgenden Tag noch zu schimpfen fortfuhr, führte Virdiana ihn zu dem wunderbar wieder aufgefüllten Kasten und sagte: „Halte ein mit deinem Zanken, denn Christus hat das, was er in Person der Armen erhalten hat, wieder ersetzt.“ Um aller Ehre vor der Welt zu entgehen, machte die Heilige bald darauf eine Wallfahrt nach St. Jakob in Compostella. Von dort zurückgekehrt, entschloss sie sich, auf die Bitten ihrer Familie, in der Heimat zu bleiben, wenn man ihr eine Zelle bauen würde. Unterdessen lebte sie zu Rom drei Jahre lang in Gebeten und heiligen Übungen. Hierauf kehrte sie nach Castello Fiorentino zurück, wo sie nach abgelegter Beicht das heiligste Altarsakrament empfing und in der Person ihres Pfarrers (andere Lebensbeschreibungen sprechen hier vom heiligen Franziskus selbst), der ihr den Schleier gab, dem lieben Gott Gehorsam gelobte. Danach wurde sie in feierlichem Zug in die für sie erbaute Zelle geführt, deren Eingang alsbald vermauert wurde. Nur ein kleines Fenster wurde offen gelassen. Sie trank nie Wein, aß nur wenig und dies nur nach Sonnenuntergang, schlief auf dem nackten Boden, trug ein härenes Gewand, und einen eisernen Gürtel, und war beständig mit Wachen, Fasten und Beten beschäftigt. Als sie eines Tages betete, Gott möchte ihr zur Übung in der Tugend Ähnliches widerfahren lassen, was nach der Legende dem heiligen Einsiedler Antonius widerfahren war, krochen alsbald durch das Fenster ihrer Zelle zwei große Schlangen, worüber sie sich anfangs entsetzte. Doch sie fasste Mut und bezeichnete sich mit dem heiligen Kreuz, worauf die Schlangen ganz harmlos sich ihr zu Füßen legten, und mit ihr aus derselben Schüssel aßen, sie aber auch manchmal mit den Schweifen schlugen und mit ihren Zähnen bissen, ohne dass die Heilige davon einen Schaden litt. Auf solche Weise brachte sie 34 Jahre von 1208 bis 1242 in ihrer Zelle zu. Ohne eine besondere Krankheit zu haben, starb sie unter Abbetung der Bußpsalmen. Plötzlich fingen alle Glocken von selbst zu läuten an und ein unmündiges Kind verkündete den Tod der Heiligen. Als man zur Zelle kam und sie erbrach, fand man sie selbst im Tod noch kniend. Ihr Leib wurde in der benachbarten Kirche begraben, und es begaben sich beim Begräbnis und auch später an ihrem Grab viele Wunder. Später wurde ein Altar unter ihrem Namen geweiht. Einem bestimmten Orden scheint sie nach einigen Lebensbeschreibungen nicht angehört zu haben. Aufgrund anderer Berichte reklamierten die Franziskaner als auch die Kamaldulenser sie für sich. Eine Übertragung ihrer Reliquien notieren die Bollandisten aus einem neueren Kartäuser-Martyrologium am 19. Juni. Auch zu Montaone wird die heilige Virdiana als Patronin verehrt. Auf Bildern sieht man die Heilige vor einem Kruzifix kniend, von Schlangen umgeben.