Der heilige Turibius de Mogrovejo (Toribio), Erzbischof von Lima in Peru, + 23.3.1606 - Fest: 23. März

     

Der heilige Turibius, der zweite Sohn eines Edelmannes von Mogrovejo, wurde geboren am 16. November 1538. Er zeigte von Kindheit an entschiedenen Geschmack für die Tugend und außerordentlichen Abscheu vor der Sünde. Als er eines Tages einer Frau begegnete, die über einen erlittenen Verlust von Zorn ganz außer sich war, redete er ihr auf die rührendste Weise über den Fehler, den sie beging, und gab ihr, um sie zu besänftigen, den Wert des verlorenen Gegenstandes. Er hatte eine zärtliche Liebe zur seligsten Jungfrau. Jeden Tag betete er ihre Tagzeiten neben dem Rosenkranz, und fastete jeden Samstag zu ihrer Ehre. Während er die öffentlichen Schulen besuchte, entzog er sich einen Teil seines wiewohl sehr spärlichen Essens, um damit die Notleidenden zu unterstützen. Er trieb die Strenge der Abtötung so weit, dass man seinen Eifer mäßigen musste. Seine höheren Studien begann er zu Valladolid, und beendigte sie zu Salamanka.

 

Der König Philipp II., der ihn früh schon kannte, schätzte ihn besonders, und belohnte sein Verdienst mit mehreren wichtigen Stellen, und ernannte ihn sogar zum Präsidenten von Granada. Der Heilige bekleidete dieses Amt fünf Jahre lang mit einer Unbescholtenheit, Klugheit und Tugendstärke, die ihm allgemeine Hochachtung erwarben. So bahnte ihm Gott den Weg zu seiner künftigen Erhöhung in der Kirche.

 

Der unglückliche Zustand, indem sich die Religion in Peru befand, erforderte einen Hirten, der wahrhaft vom Geist der Apostel beseelt sein musste. Und diesen Hirten hat die Gnade in der Person des Turibius sich gebildet. Als das Erzbistum Lima erledigt wurde, ernannte ihn der König Philipp zu diesem wichtigen Amt. Nie sah man vielleicht eine Wahl, die mit so allgemeinem Beifall aufgenommen wurde, denn man erkannte Turibius als den einzig tüchtigen Mann zur Abhilfe der Ärgernisse, die der Bekehrung der Heiden im Weg standen. Die Nachricht dieser Ernennung war für den Heiligen wie ein Donnerschlag: er warf sich vor dem Bild des Gekreuzigten nieder, und bat da, in Tränen zerfließend, Gott, er möchte nicht zugeben, dass man ihm eine so schwere Bürde auflade, unter der er unfehlbar erliegen müsse. Sogleich schrieb er an den königlichen Rat und stellte ihm mit den lebhaftesten Farben seine Untauglichkeit vor. Dann zog er die Kirchensatzungen an, die ausdrücklich verboten, einen Laien zur Bischofswürde zu erheben: allein man nahm keine Rücksicht auf sein Schreiben, und er musste seine Einwilligung geben. Indes blieb seine Demut nicht ohne Belohnung. Sie wurde für ihn die Quelle jener überschwänglichen Gnaden, deren Wirkungen sich später in seiner Amtsführung so segensreich bewährten.

 

Turibius wollte die vier niederen Weihen an vier verschiedenen Sonntagen empfangen, um die Verrichtungen derselben auch gehörig ausüben zu können. Hierauf empfing er die übrigen Weihen, und endlich wurde er zum Bischof konsekriert. Ohne Verzug schiffte er dann nach Peru ein und landete im Jahr 1581 unweit von Lima. Er war damals 43 Jahre alt. Die Diözese Lima erstreckt sich über 130 Stunden längs der Küsten, und umfasst, neben mehreren Städten, eine unzählige Menge Dörfer und Weiler, die auf der doppelten Gebirgskette der Anden, die die höchsten Berge des Erdbodens sein sollen, zerstreut sind. Einige Anführer der Europäer, die zuerst dieses Land erobert haben, hatten, von einer unbegrenzten Ehrsucht und einem unersättlichen Geiz hingerissen, alle Gefühle der Menschlichkeit abgelegt, und die Eingeborenen brutal und mitleidlos wie Tyrannen behandelt. Dieses erste Unheil löste sich bald in bürgerliche Kriege und innere Spaltungen auf, die wie Feuerflammen das ganze Land verheerten. Überall erblickte man nur Grausamkeiten und Treulosigkeiten, Verrätereien und Ausschweifungen. Umsonst wollte der spanische Hof diesem Übel Einhalt tun. Es hatte schon so tiefe Wurzeln geschlagen, dass es unheilbar schien.

 

Der heilige Erzbischof wurde bis auf die Tränen gerührt, als er so viele Unordnungen sah, und entschloss sich, alles zu wagen, um ihren Fortgang zu hemmen. Seine vollendete Klugheit, gepaart mit einem tätigen und kraftvollen Eifer, beseitigte alle Schwierigkeiten. Nach und nach gelang es ihm, die öffentlichen Ärgernisse auszurotten, und das Reich der Frömmigkeit auf die Trümmer des Lasters zu begründen. Unmittelbar nach seiner Ankunft unternahm er eine Reise durch seine weitschichtige Diözese, wobei er unbeschreibliche Strapazen und Gefahren bestehen musste. Man sah ihn steile Berge erklimmen, die mit Eis und Schnee bedeckt waren, um in die dürftigen Hütten der Indianer Worte des Trostes und des Lebens zu bringen. Oft reiste er zu Fuß, und weil die apostolischen Arbeiten nur insofern fruchten, als Gott ihnen das Gedeihen gibt, betete und fastete er ohne Unterlass, um die göttlichen Erbarmungen auf die seiner Sorge anvertrauten Seelen herabzuflehen. Überall setzte er gelehrte und eifrige Hirten hin, und verschaffte jenen sogar die Hilfe des Unterrichtes und der Sakramente, die die unzugänglichsten Felsen bewohnten. Überzeugt, dass die Handhabung der Kirchendisziplin auf die Sittlichkeit großen Einfluss hat, sah er sie als einen Hauptgegenstand seiner Vatersorge an. Er verordnete, dass künftig alle zwei Jahre Diözesanversammlungen und alle sieben Jahre Provinzialsynoden sollten gehalten werden. Gegen die von der Geistlichkeit ausgehenden Ärgernisse, besonders gegen jene des Geizes, war er unerbittlich. Sobald die Rechte Gottes und der Menschheit verletzt wurden, übernahm er ihre Verteidigung, ohne Rücksicht auf Personen. Er zeigte sich zugleich als die Geißel der öffentlichen Sünder und den Beschützer der Unterdrückten. Die Standhaftigkeit seines Eifers verursachte ihm einige Verfolgungen von Seiten der peruanischen Statthalter, die vor der Ankunft des tugendhaften Vizekönigs Franz von Toledo sich nicht scheuten, ihren Leidenschaften und persönlichen Vorteilen alles aufzuopfern. Er setzte ihnen nichts entgegen als Sanftmut und Geduld, ohne jedoch der Heiligkeit der christlichen Gebote im Geringsten etwas zu vergeben, und da einige schlechte Christen dem Gesetz Gottes eine dem verkehrten Hang der Natur schmeichelnde Deutung gaben, stellte er ihnen nach Tertullian vor, dass Jesus Christus sich die Wahrheit und nicht die Gewohnheit nennt, und dass vor seinem Richterstuhl unsere Handlungen nicht in der falschen Waagschale der Welt, sondern in jener des Heiligtums abgewogen werden. Durch ein solches Verfahren musste es dem heiligen Erzbischof gelingen, die am tiefsten eingewurzelten Missbräuche auszurotten: auch sah man sie beinahe alle verschwinden. Die Grundsätze des Evangeliums gewannen die Oberhand, und bald übte man sie mit einem der ersten Jahrhunderte des Christentums würdigen Eifer aus.

 

(Die Indianer waren durch die sogenannten Eroberer in verschiedene Ausschweifungen versunken. Sie ergaben sich besonders mit Leidenschaft den spanischen Weinen. Für ein kleines Maß gaben sie all ihr Gold den Verbrechern her und ihre Trunkenheit nahm dann erst ein Ende, wenn sie nichts mehr zu trinken hatten: allein so schlimm auch die Unordnungen dieser Völker waren, so machten sich doch die Europäer an ihnen strafbar, dass sie die Ureinwohner mit der äußersten Härte und Grausamkeit behandelten. Sie gingen in ihrer Habsucht soweit, dass sie, um sie zu befriedigen, alle Gefühle der Religion und Menschlichkeit ablegten. Umsonst widersetzten sich die Glaubensboten diesem Ärgernis, das ihre Landsleute gaben, sie fanden kein Gehör. Die Dominikanerväter wandten sich mehr als einmal an den spanischen Hof, um die Abstellung eines Übels zu erwirken, das dem Fortgang des Evangeliums so sehr im Wege stand, und die geheiligsten Rechte der Menschheit angriff. Endlich erklärte Ferdinand, der König von Kastilien, die Indianer als freie Leute, und verbot den Spaniern, sie ferner als Lastträger zu gebrauchen, und sich zu ihrer Züchtigung der Stöcke und Peitschen zu bedienen. Kaiser Karl V. gab strenge Befehle, um alle Misshandlungen zu verhindern, und machte zu ihren Gunsten manche weisen Verfügungen: allein man befolgte sie nicht. Die Befehlshaber, die sich als Eroberer von Mexiko und Peru ansahen, wollten keinen Widerspruch dulden.

 

Bartholomäus de las Casas, Dominikaner und Bischof von Chiapa, in Neuspanien, unternahm vier Reisen an den Hof von Kastilien, wo er die Rechte der Indianer verfocht. Er erhielt vom König ausführliche Befehlsschreiben, und wurde zum allgemeinen Beschützer der Indianer in Amerika erklärt: allein es wurde mehr erfordert, als das, um bewaffnete Menschen zur Unterwürfigkeit zu bringen. De las Casas, der an einer Änderung der Dinge zuletzt verzweifelte, legte sein Bistum in die Hände des Papstes 1551 nieder, und kehrte zurück nach Valladolit in sein Kloster. In seiner Abgeschiedenheit verfasste er zwei Bücher, das eine über die Vertilgung der Indianer durch die Spanier, das andere über die Tyrannei der Spanier in Indien, die er dem König Philipp II. zueignete. Auch die Befehlshaber von Peru fanden ihre Verteidiger, aber zum Unglück für sie geschah es nur durch Umwerfung aller Grundsätze des Natur- und Völkerrechtes. Der Erzbischof von Sevilla und die Universitäten von Salamanka und Alcala verboten den Druck des Werkes dieser Apologeten.

 

Die zwei Bücher von las Casas wurden ins Französische übersetzt, und die Niederländer, die gerade gegen die Spanier die Waffen ergriffen hatten, lasen sie mit Heißhunger. Sie deuteten im Allgemeinen auf die Spanier, was doch nur von den Befehlshabern in Peru gesagt war, und nahmen daher Anlass, in ihrem Aufruhr hartnäckig zu verharren: dies war aber ein sehr unrichtiger Schluss. Eine Nation ist für die Verbrechen einiger Einzelnen nicht verantwortlich. Das Land, aus dem einige Ungeheuer hervorgegangen sind, hatte eine große Anzahl heiliger Missionare gezeugt, die von wahrhaft apostolischem Eifer beseelt, und unermüdliche Verteidiger der Indianer gewesen sind. Der große Beweis des las Casas fußte auf dem Grundsatz, dass ein erobertes Volk ohne Ungerechtigkeit nicht als Sklaven behandelt werden dürfe. Der königliche Rat und die Gottesgelehrten nahmen diesen Grundsatz an, in Betreff der Indianer, die nicht bewaffneter Hand besiegt wurden.)

 

Turibius stiftete, zur Erweiterung und Fortsetzung des begonnenen Werkes, Seminarien, Kirchen und Spitäler, ohne dass er jedoch die Einrückung seines Namens in die Stiftsurkunde gestattete. Während er in Lima war, besuchte er täglich die armen Kranken in den Spitälern, tröstete sie mit väterlicher Liebe und spendete selbst ihnen die heiligen Sakramente. Als die Pest in einen Teil seiner Diözese einriss, beraubte er sich der notwendigsten Bedürfnisse, um der Not der Unglücklichen zu steuern. Er empfahl die Buße als das einzige Mittel, den Zorn des Himmels zu besänftigen. Er wohnte bitterlich weinend den Bittgängen bei, und die Augen auf den gekreuzigten Heiland gerichtet, brachte er sich Gott als Opfer dar für die Erhaltung seiner Herde. Mit diesen Religionsübungen verband er das Gebet, die Nachtwachen und außergewöhnliches Fasten, wovon er so lange nicht abließ, als die Pest ihre Verheerungen fortsetzte.

 

Er trotzte den größten Gefahren, wenn es darauf ankam, einer Seele den geringsten geistlichen Vorteil zu verschaffen. Selbst sein Leben hätte er für die ihm anvertraute Herde hingegeben, und immer war er bereit, alles zu erdulden aus Liebe zu demjenigen, der durch Vergießung seines Blutes die Menschen erlöst hat. Als er erfuhr, dass sie armen Indianer auf den Gebirgen und in den Einöden umherirrten, regten sich in ihm alle Gefühle des guten Hirten, und er machte sich eilends auf, diese verlorenen Schafe aufzusuchen. Die Hoffnung, sie in den Schafstall zurückzuführen, hielt ihn stets aufrecht in Mitten der Mühseligkeiten und Gefahren, die er ausstehen musste. Man sah ihn die grauenvollsten Wüsteneien, die von Löwen und Tigern bewohnt waren, furchtlos durchwandern. Drei Mal bereiste er seine Diözese. Die erste Reise dauerte 7 Jahre, die zweite 5 und die dritte etwas weniger. Die Bekehrung einer unzähligen Menge Heiden war die Frucht davon. Unterwegs betete er oder unterhielt sich von geistlichen Dingen. Wenn er an einem Ort ankam, war seine erste Sorge, die Kirche zu besuchen, um da an den Fuß der Altäre sein Herz auszuschütten. Der Unterricht der Armen hielt ihn oft zwei bis drei Tage an einem Ort zurück, obgleich ihm dort öfters aller nötige Lebensbedarf abging. Die abgelegensten Gegenden wurden durch seine Gegenwart erfreut. Umsonst stellte man ihm die Gefahren vor, denen er sein Leben aussetzte. Er antwortete jedes Mal, dass, da Jesus Christus für das Heil der Menschen vom Himmel herabgestiegen, ein Hirte bereit sein solle, für dessen Ehre alles zu leiden. Er hielt mit unermüdlichen Eifer Predigten und katechetische Unterrichte. Und um diesem wichtigen Amt mit reichlicherem Gewinn obzuliegen, hatte er noch in einem schon ziemlich hohen Alter die verschiedenen Sprachen der Peruaner gelernt. Er las jeden Tag die Heilige Messe mit größter Andacht, indem er vor und nach dieser hehren Handlung eine geistliche Betrachtung anstellte. Er beichtete gewöhnlich alle Morgen, um sich desto vollkommener von den geringsten Flecken zu reinigen. Die Ehre Gottes war das letzte Ziel und Ende aller seiner Worte und Werke, weshalb sein Leben als ein beständiges Gebet kann betrachtet werden. Dessen ungeachtet hatte er noch bestimmte Stunden zum Gebet, wo er sich zurückzog, und sich einsam mit Gott über seine und seiner Herde Bedürfnisse besprach. In diesen Augenblicken strahlte ein gewisser Schimmer aus seinem Antlitz. Bei diesem erhabenen Wirken stand seine Demut seinen anderen Tugenden nicht im mindesten nach: daher jene äußerste Sorgfalt, seine Abtötungen, und übrigen guten Werken vor den Augen der Menschen zu verbergen. Seine Liebe zu den Armen war ohne Grenzen, und seine Freigebigkeit umfasste sie alle ohne Unterschied. Doch nahm er sich ganz besonders um die sogenannten verschämten oder Hausarmen an.

 

Unserem Heiligen gebührt der Ruhm, der Kirche von Peru eine ganz neue Gestalt gegeben zu haben. Und wenn er nicht ihr erster Apostel gewesen ist, so war er doch zum wenigsten der Wiederhersteller der Gottseligkeit, die beinahe gänzlich darin erloschen war. Die von den Provinzialsynoden abgefassten Beschlüsse werden ein ewiges Denkmal seines Eifers, seiner Frömmigkeit, seiner Gelehrsamkeit und seiner Klugheit sein. Man betrachtete sie als göttliche Aussprüche nicht nur in der neuen Welt, sondern auch in Europa, ja selbst in Rom.

 

Nach so viel Arbeiten erkrankte Turibius schließlich zu Santa, einer Stadt, die 110 Stunden von Lima entfernt ist, wo er damals auf einer Visitationsreise begriffen war. Er sagte seinen Tod voraus, und versprach jenem eine Belohnung, der ihm zuerst ankündigen würde, dass die Ärzte an seinem Aufkommen verzweifeln. Was zu seinem Gebrauch diente, gab er seiner Dienerschaft, das Übrige wurde den Armen vermacht. Er ließ sich zum Empfang der letzten Wegzehrung in die Kirche tragen. Die letzte Ölung aber musste er auf seinem Sterbelager empfangen. Beständig wiederholte er diese Worte des heiligen Paulus: „Ich wünsche aufgelöst und mit Christus zu sein.“ In seinen letzten Augenblicken ließ er von den Umstehenden diese anderen Worte absingen: Ich habe mich darüber erfreut, als mir gesagt wurde, wir werden eingehen in des Herrn Haus. Er starb am 23. März 1606, indem er mit dem Propheten ausrief: Herr, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Im nachfolgenden Jahr brachte man seinen Leib nach Lima, und er wurde noch ohne alle Verwesung befunden. Der Verfasser seines Lebens und die Akten seiner Heiligsprechung melden, dass er während seines Lebens einen Toten auferweckt und mehrere Kranke geheilt habe. Nach seinem Tod geschahen mehrere Wunder durch die Kraft seiner Fürsprache. Turibius wurde 1679 durch Papst Innozenz XI. seliggesprochen, und heilig im Jahr 1726 durch Papst Benedikt XIII.

 

Die geistlichen Amtsverrichtungen haben nur dann Wert und sind Gott gefällig, wenn sie belebt sind vom Geist der Frömmigkeit, der Zerknirschung, der Demut, des Eifers und der Liebe. Woraus erhellt, dass wer zur Leitung der Seelen berufen ist, sich vor allem durch die Übungen des inneren Lebens dazu vorbereiten müsse. Und steht er einmal auf dem Leuchter der Kirche, dann wird er den Willen Gottes erfüllen durch gänzliche Hingabe aller seiner Kräfte für das Heil des Nächsten. Allein er muss noch immer einige Augenblicke ersparen, um über sich selbst nachzudenken, und die unvermerkliche Erschöpfung der Seele wieder zu ersetzen. Vernachlässigt er diese Übung, so wird er das Reich Jesu Christi wenig oder gar nicht befördern, und stürzt sich in augenscheinliche Gefahr, das ewige Leben zu verlieren. Darum ermahnte der heilige Bernhard so nachdrücklich Papst Eugen III., der sein Jünger war, sich dem Nächsten nicht so ganz hinzugeben, dass er nicht auch für sich leben und den Geist der Andacht in seiner eigenen Seele aufflammen könne, während er ihn anderen einzuflößen sich bestrebe. Vergiss nie dich selbst, sagte er ihm. Werde jenen Wasserbehältern gleich, die von ihrer Fülle geben, und nicht jenen Kanälen, die da nichts zurückbehalten.