Der heilige Simeon, mit dem Beinamen Salus (syrisch: blödsinnig), Einsiedler von Emesa, Phönicien, + 1.7.588 – Fest: 1. Juli

 

Da der Heilige in der Übung der Demut und der Selbstverachtung sich fest begründen wollte, freute er sich in den Augen der Menschen für blödsinnig gehalten zu werden, und als solcher durch einen in der Meinung der Welt brandmarkenden Namen zu gelten. Er war von Geburt ein Ägypter, und erblickte das Tageslicht im Jahr 522. Von Jerusalem, wohin der 552 eine Wallfahrt unternommen hatte, zog er in eine, nahe am Roten Meer gelegene, Wüste, und brachte da 29 Jahre in den strengsten Bußwerken zu. Er gedachte immer, dass man nicht wahrhaft demütig sein kann, es sei denn, man liebt die Demütigungen. Auch war er tief von dem Gedanken durchdrungen, dass wir wenigstens die, die Gott uns zuschickt, mit Ergebung annehmen, und sie rücksichtlich dessen, was wir von den Geschöpfen verdienen, als sehr unbedeutend ansehen müssen, und dass es zuweilen von größtem Nutzen ist, sie aufzusuchen, dass man sich in diesem Betreff niemals auf die menschliche Klugheit verlassen darf, dass es Umstände gibt, wo man den Anregungen des Heiligen Geistes folgen muss, wofern man nur versichert ist, dass man auf seine Eingebung handelt. Obgleich es uns nicht nottut, dem heiligen Simeon in allem zu folgen und es sogar eine Vermessenheit wäre, dies ohne besonderen Beruf zu wollen, so ist es doch nicht weniger gewiss, dass sein Beispiel unsere Abneigung gegen alles, was unserem Stolz zuwider ist, zuschanden macht.

 

Der Diener Gottes, entflammt von brennender Begierde von den Menschen sich verachtet zu sehen, zog nach Emesa, wo es ihm gelang, sich für einen Blödsinnigen auszugeben, indem er sich äußerlich wie ein irrer Mensch gebärdete. Er hatte damals sein sechzigstes Jahr erreicht und brachte noch sechs oder sieben Jahre zu Emesa zu. Er befand sich eben da, als diese Stadt 588 von einem Erdbeben verwüstet wurde. Seine Liebe zur Demut blieb indessen auch nicht unbelohnt. Gott verlieh ihm außerordentliche Gnaden, und sogar die Wundergabe.