Der selige Rupert Mayer, Jesuiten-Priester, + 1.11.1945 – Gedenktag: 1. November

 

Unter der berühmten Bürgersaalkirche in München befindet sich eine Kapelle. Ein niedriger Altar steht darin. Darauf thront sitzend die Himmelskönigin Maria mit goldener Krone. Mit der linken Hand trägt sie das Jesuskind, in der rechten hält sie ein goldenes Zepter, und über dem Haupt glänzen golden die zwölf Sterne der Immakulata. Es ist ein schönes Mutter-Gottes-Bild.

 

Vor dem Marienaltar findet man, in den Steinboden eingelassen, eine marmorne Grabplatte. Rundherum stehen Blumen in Töpfen und Vasen, schlichte und auch kostbare, die jeden Tag durch frische ersetzt werden. Täglich kommen auch Leute zu dem Grab, knien nieder und beten, nicht für den Toten, sondern zu dem Toten. Es kommen aber täglich nicht zwanzig oder dreißig Menschen, sondern zwei- oder dreitausend. Auf der Marmorplatte über dem Grab stehen nur wenige Worte, die heißen: „Pater Rupert Mayer SJ – 23.1.1876 – 1.11.1945.“ Mehr steht da nicht, und zum Verständnis sei noch erwähnt, dass die Abkürzung SJ Jesuit bedeutet.

 

Der selige Rupert Mayer wurde zu Stuttgart geboren. Der Vater, ein Kaufmann, war in jeder Beziehung einer von jenen Staatskerlen, ein Mann, vor dem jeder sich tief verbeugte, dessen Wünsche Gesetz wurden, der sich durchsetzen konnte, weil er sich selber eingesetzt hatte. Als Rupert sechs Jahre alt war, nahm ihn Vater Mayer zweimal mit zum Baden und zeigte ihm, wie man schwimmt, und als die beiden zum dritten Mal hingingen, warf der Vater den Sohn kurzerhand unversehens ins Wasser und sagte: „Nun schwimm!“ Und Rupert schwamm. Als der Junge dreizehn Jahre alt war, setzte ihn der Vater auf ein Pferd, das nicht gerade zahm war, und sagte: „Hopphopp, nun reit!“ Und der Junge ritt. Es liegt auf der Hand, dass aus einem Jungen, der so erzogen wird, ein mutiger Mann wird.

 

Als Rupert die höhere Schule in Stuttgart besuchte, war er als Katholik in der Diaspora wie ein weißer Rabe, auf den die meist andersgläubigen Lehrer und Mitschüler mit Lust herumhackten. Nicht lange jedoch, denn daheim erzählte der Junge dem Vater, was er in der Schule erlebte, und der Vater unterrichtete den Sohn, was er auf die Angriffe gegen die katholische Kirche zu antworten habe. Heidi, da gab es Späne, wenn Rupert jeweils am folgenden Tag bei Lehrern und Mitschülern den Glauben verteidigte, und bald schwiegen die Maulhelden.

 

Mit dreiundzwanzig Jahren wurde Rupert Mayer Priester, Weltpriester, war irgendwo in Schwaben ein Jahr lang Kaplan, trat in den Jesuitenorden ein, setzte sich noch einmal für Jahre auf die Schulbank und war anschließend einige Zeit Volksmissionar mit gutem Erfolg, denn reden konnte er wie ein Buch. 1912 kam Rupert Mayer nach München und wirkte dort zunächst zwei Jahre hauptsächlich als Caritasapostel, und als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, ging er als Feldgeistlicher an die Front, in die vordersten Schützengräben zu den Muskoten, mutig wie Blücher, und als einmal seine Abteilung einen Rückzug machen musste und ein Verwundeter flehentlich bat, ihn doch mitzunehmen, was im Augenblick unmöglich war, blieb Rupert Mayer bei ihm im Kugelregen zurück, schützte ihn mit dem eigenen Leib und sagte schlicht: „Still, Kamerad, wenn es einen trifft, trifft es mich zuerst.“ Später hat es den mutigen Priester auch wirklich getroffen, ein Bein ließ er auf dem Schlachtfeld, und einbeinig hinkte er fortan durchs Leben.

 

Nach dem Krieg kam die rote Flut des Bolschewismus über Deutschland. Rupert Mayer schwamm in München mutig gegen den Strom an, in Hunderten von Versammlungen verteidigte er kühn die katholische Kirche, du als ihm einmal eine Kommunistin ins Gesicht spuckte, schrieb er sich ihre Anschrift auf, besuchte sie am Abend, und als er die große Not sah, in der die Frau lebte, half er ihr am gleichen Tag noch mit Geld und Lebensmitteln.

 

Dann kamen die Hitlerleute, die keine Engel waren. Am besten war es, wenn man nichts mit ihnen zu tun hatte, aber Rupert Mayer hatte stets mit ihnen zu tun, weil er die Rechte der katholischen Kirche mit zündenden Worten in Schutz nahm, wo er nur konnte, mutig, tapfer und treu, bis er in dem berüchtigten Konzentrationslager Sachsenhausen landete, innerlich voll Jubel, dass er für den Glauben leiden durfte. Noch erlebte er die neue Freiheit, und wieder wanderte er von Kanzel zu Kanzel, bis er am 1. November 1945 mitten in der Predigt zusammenbrach und zwei Stunden später starb. An seinem Grab in München aber geschehen Zeichen und Wunder.

 

 

Rupert Mayer wurde am 3. Mai 1987 durch Papst Johannes Paul II. bei dessen zweitem Deutschlandbesuch im Olympiastadion in München als "Priester standhaften Glaubens" seliggesprochen.