Der selige Reginald von Orleans, Priester im Dominikanerorden OPr, + 12.2.1220 – Gedenktag: 12. Februar

 

In Frankreich lebte ein berühmter Doktor namens Reginald, der fünf Jahre lang auf der Universität zu Paria canonisches Recht gelehrt hatte und Dechant des Kapitels von Saint-Aignan zu Orleans war. Im Jahr 1218 kam er nach Rom zum Grab der heiligen Apostel, mit dem Vorsatz, dann nach Jerusalem zu wandern, um am Grab des Erlösers zu beten. Diese doppelte Wallfahrt war jedoch nach seiner Absicht nur die Einleitung in ein neues Lebensverhältnis, dem er sich hingeben wollte. Gott hatte nämlich in ihm das Verlangen geweckt, alles hinzuopfern, um das Evangelium zu predigen, und er bereitete sich zu diesem Amt vor, ohne mit sich noch über die Art der Ausübung einig zu sein. Ein Kardinal, dem er zu Rom im vertraulichen Gespräch sein Herz eröffnete, machte ihn auf den eben entstandenen Orden der Predigerbrüder, von dem er noch keine Kenntnis hatte, aufmerksam, der sich gerade zum Zweck gesetzt hatte, die Übung der Armut mit dem Predigeramt zu verbinden, und dessen Stifter eben damals in Rom anwesend war.

 

Reginald suchte die Bekanntschaft des heiligen Dominikus, und bald war ihm sein Beruf klar und er entschlossen, in den Orden einzutreten. Das Missgeschick aber, das die Probe aller heiligen Entwürfe ist, versuchte sich auch bald an dem seinigen. Er erkrankte so heftig, dass seine Natur zu erliegen schien und die Ärzte an seiner Rettung verzweifelten. Der heilige Dominikus, voll Schmerz, einen Sohn zu verlieren, der ihm eigentlich noch nicht geboren war, wandte sich mit aller Inbrunst an die göttliche Barmherzigkeit, und sowohl er als der Kranke riefen eifrig den Beistand der Mutter Gottes an. Als nun so beide im Flehen zu Gott anhielten, erschien die heilige Jungfrau Maria, die Mutter Gottes und Herrin der Welt, in Begleitung zweier Jungfrauen (wie es schien, der heiligen Cäcilia und Katharina), strahlend im wunderbarem Glanz dem Meister Reginald, der von den Gluten des Fiebers verzehrt, wachte, und er vernahm von der Königin des Himmels die Worte: „Was willst du, dass ich dir tun soll? Ich bin gekommen, um dir deine Wünsche zu gewähren. Eröffne sie mir, du wirst das Erbetene erlangen.“ Durch das himmlische Gesicht wie außer sich, war Reginald zweifelnd und unentschlossen, um was er bitten sollte. Da flüsterte ihm eine der Begleiterinnen der heiligen Jungfrau zu, nichts Bestimmtes zu begehren, sondern sich gänzlich dem Willen der Mutter der Barmherzigkeit zu überlassen, die besser wisse, als er zu fordern verstehe, ihm das Zuträglichste zu geben. Diesen Rat befolgend, sagte der Kranke: „Gebieterin, ich begehre nichts. Ich habe keinen anderen Willen als den deinen. In deinen Willen und in deine Hände übergebe ich mich gänzlich.“ Darauf salbte ihm die erhabene Himmelskönigin mit ihrer jungfräulichen Hand die Augen, die Ohren, die Nase, den Mund, die Hände, die Lenden und die Füße und sprach dabei gewisse Worte aus, die dieser Salbung eigentümlich entsprachen. Sie zeigte ihm zugleich das Ordenskleid der Predigerbrüder, wie sie es später annahmen, denn Dominikus, der längere Zeit Canoniker von Osma (in Spanien) gewesen war, trug damals noch das Kleid der regulierten Chorherren und hatte es auch als den Habit seines neuen Ordens angenommen. Die Berührung von Mariens heiligen Händen äußerte eine solche Kraft, dass Reginald auf der Stelle gesund war und sich so gestärkt fühlte, als wäre er nie krank gewesen. Und (was noch mehr ist) zur Wohltat der wiederhergestellten leiblichen Gesundheit kam noch eine größere Gnade an der Seele hinzu, diese nämlich, dass er von jenem Tag an, so lange er lebte, in sich zu keiner Zeit, an keinem Ort und bei keiner Gelegenheit irgend eine fleischliche und unehrbare Bewegung empfand.

 

Nach diesem Ereignis zog Reginald zuerst nach seinem früheren Vorhaben in das Heilige Land. Nach seiner Rückkehr verkündete er in Italien und Frankreich das Evangelium mit wunderbarer Kraft und mit den glücklichsten Erfolgen, und war damals nach Dominikus das glänzendste Gestirn des neuen Ordens. Als er in Paris von der Krankheit ergriffen wurde, an der er starb, und man ihm die Gefahr mitteilte und ihn fragte, ob er nicht die heilige Ölung empfangen wolle, antwortete er: „Ich fürchte den Kampf nicht, ich erwarte ihn mit Freude. Und auch die Mutter der Barmherzigkeit erwarte ich, die mich zu Rom mit eigenen Händen gesalbt hat, und der ich mich gänzlich anvertraue. Damit es aber nicht scheinen möge, als achte ich die kirchliche Ölung gering, so will ich sie gerne empfangen und ich bitte darum.“ Er wurde in der Kirche Unserer Lieben Frau des Champs begraben. Mit seinen unter einem besonderen Denkmal ruhenden irdischen Resten war die Gabe der Wunderwirkung verbunden.