Der selige Ramwold (Rambold / Ramuold), Abt von St. Emmeram, Regensburg, + 17.6.1001 – Fest: 17. Juni

       

Gott wohnt im Licht auf steiler Höhe. Alle, die ihn suchen, müssen durch das dunkle Schattental aufwärts klimmen durch wildes Dornengestrüpp auf harten, felsigen Pfaden, ausdauernd und unverdrossen, wenn auch die hellen Schweißtropfen von der Stirn perlen und die Füße schmerzlich bluten. Der Preis, der dem ausdauernden Pilger winkt, ist des Schweißes wert, die endlose Freude im Vaterhaus entschädigt reichlich die aufgewandte Mühe und ein glänzender Fürstenthron ist dem treuen Kämpfer und vollendeten Sieger bereitet. Diese herrliche Aussicht begeisterte auch den heiligen Ramwold, die Welt zu verachten und das höchste und schönste Ziel beharrlich zu verfolgen.

 

Ramwold, im Jahr 901 aus einem fränkischen Rittergeschlecht geboren, ergab sich schon in früher Jugend mit rastlosem Eifer dem Studium der geistlichen Wissenschaften, um sich für den geistlichen Stand vorzubereiten. Die Theologie erlernte er in Trier und trat dann in den Benediktinerorden ein im Kloster des heiligen Maximin. Dort lernte er den heiligen Wolfgang kennen. Als der Bischof von Regensburg geworden war, berief er Ramwold zu sich und ernannte ihn zum Abt des berühmten Klosters St. Emmeram. Demütig unterwarf sich Ramwold dem Willen seines heiligen Freundes, obgleich er schon 75 Jahre alt war, und verwaltete dieses Amt mit höchstem Ruhm noch 25 Jahre. Den Ordensgenossen ging er auf dem Weg der Entsagung, der Bescheidenheit und Milde, der Gottesfurcht und des gottseligen Eifers voran und erreichte die schönsten Erfolge. Wie ein liebevoller Vater waltete er unter seinen Untergebenen und zog alle mit zarter Gewalt an sich, um mit ihnen vereint die evangelische Vollkommenheit zu üben. Aber seine gütige Fürsorge beschränkte sich nicht auf die Klostermauern, sie wollte auch den Bedrängten in der Welt tatkräftige Hilfe gewähren. Deshalb erbaute er in der Nähe des Klosters zwei Armen- und Krankenhäuser und versah sie mit kundigen und mildherzigen Pflegern. Oft besuchte er diese Anstalten und erwies den Fremden und Leidenden die erbaulichsten und niedrigsten Liebesdienste.

 

Wie alle treuen Diener Gottes sollte auch der heilige Abt Ramwold im Feuer der Trübsal gereinigt werden, um als echtes Gold vor dem prüfenden Auge des Allgerechten zu erscheinen. Zwei Jahre lang war er des Augenlichtes beraubt, aber keine Klage kam aus seinem Mund. Wenn ihn einer wegen dieses Unglückes bedauerte, pflegte er zu sagen: „Der Verlust des zeitlichen Lichtes der Augen ist nicht zu beklagen, wenn man Hoffnung hat, ein ewig dauerndes Licht zu erlangen. Gott, der mir das Licht entzogen hat, kann mir es auch wiedergeben. Will er es aber nicht tun, so haben wir keine Ursache darüber zu murren, sondern Gott noch mehr zu loben und zu lieben.“ Gott belohnte ein solch ergebungsvolles Vertrauen. Auf die Fürbitte des heiligen Emmeram wurde er von seiner Blindheit völlig geheilt.

 

Nach dem Tod seines treuen Freundes, des heiligen Bischofs Wolfgang, wurde Ramwold bei dem Kaiser Otto III. fälschlich als Verräter seiner Majestät beschuldigt und musste unter dem Druck der höchsten Ungnade viel Bitteres und Kränkendes erleiden. Auch diese Prüfung ertrug er aus Liebe zum kreuztragenden Heiland mit himmlischer Geduld. Später kam seine Unschuld an den Tag und er stieg in der Gunst des Kaisers so hoch, dass dieser ihn in allen wichtigen Angelegenheiten zu Rate zog.

 

Ramwold hatte ein volles Jahrhundert gelebt. Als er die Nähe des Todes fühlte, ließ er sich zwischen die Altäre des heiligen Emmeram und des heiligen Kilian tragen, empfing mit tiefer Andacht in Gegenwart seiner versammelten Ordensbrüder die letzte Wegzehrung und gab mit zum Himmel gerichteten Augen und Händen seinen Geist dem König des ewigen Lebens zurück im Jahr 1001. Seine treuen Jünger senkten die Leiche ihres geliebten Meisters in die Gruft, die er sich schon 15 Jahre vor seinem Tod hatte bereiten lassen. Seinem Leichenzug folgten Herzog Heinrich von Bayern, der spätere Kaiser, der Bischof Gebhard von Regensburg und eine zahlreiche Menge von Grafen und Edlen, um dem Hingeschiedenen ihre Hochachtung zu zeigen, die er im vollsten Maß verdient hatte. Das Grab des heiligen Abtes wurde fleißig besucht und durch viele Wunder verherrlicht.