Der selige Papst Pius IX., + 7.2.1878 – Gedenktag: 7. Februar

 

Der Heilige Vater Papst Pius IX. hat auf eine gar innige Weise die heilige Jungfrau Maria verehrt und ist von ihr dafür mehrfach beschützt worden. Der heilige Papst Johannes Paul II. hat ihn, diesen hervorragenden Nachfolger des heiligen Apostels Petrus, im Jahr 2000 seliggesprochen. Dieser Heilige Vater Pius IX., der so ruhmvoll auf dem Stuhl Petri saß, war also einer der ergebensten Diener der Mutter Gottes, und erhielt sehr früh schon von der heiligen Jungfrau die hervorragendsten Gnadenbezeigungen. Er fühlte sich zum geistlichen Stand berufen, und er hatte selbst das Gelübde vor einer Madonna abgelegt, sich diesem Stand zum Ruhm und zur Ehre Gottes widmen zu wollen. Er hatte in Rom seine geistlichen Studien begonnen. Aber der bejammernswerte Zustand seiner Gesundheit ließ ihn befürchten, nicht mehr geziemend die Funktionen des heiligen Amtes verrichten zu können. Bevor er das Subdiakonat erhielt und eine unwiderrufliche Stelle annahm, besuchte er Papst Pius VII., seinen Verwandten, dem er besonders empfohlen war. Er setzte ihm schmerzlich bewegt seine Besorgnisse auseinander. Der Heilige Vater antwortete ihm: „Mein Sohn, habe Vertrauen; bete zur heiligen Jungfrau und du wirst immer vorwärts kommen.“

 

Auf die Worte des Papstes hin empfing er also das Subdiakonat und das Diakonat und doch war seine Gesundheit immer dieselbe. Acht Tage bevor er zum Priester geweiht wurde, und im Begriff sich zurückziehen zu wollen, besuchte er den Papst und teilte ihm seine Befürchtungen mit. Pius VII. antwortete ihm zum zweiten Mal: „Mein Sohn, habe noch Vertrauen, empfehle dich täglich der heiligen Jungfrau. Beginne heute ein neuntägiges Gebet zu ihrer Ehre, wir werden es auch tun. In dieser Zeit verbleibe in ruhiger Zurückgezogenheit, empfange in Ruhe und Vertrauen die Ordination, lies deine erste Messe mit Freude und zu wirst sehen, dass alles gut gehen wird.“

 

Der junge Mann zog sich ganz getröstet zurück. Er trat einen Augenblick in die Peterskirche, und betete am Grabmal des Fürsten der Apostel. Dann verrichtete er in seiner Zurückgezogenheit das neuntägige Gebet zur heiligen Jungfrau, empfing die Priesterweihe, hielt seine erste Messe unter Tränen der Frömmigkeit und Dankbarkeit, und seine Gesundheit war seitdem gut und günstig. Dies bewog einen seiner Lebensbeschreiber zu sagen, dass die heilige Jungfrau ihn zum Priester und Papst gemacht habe. Seine Liebe und sein Eifer zeigten sich glanzvoll, als er Bischof geworden war. Da war es seine Glückseligkeit, seine Herde mit der Milch der Frömmigkeit zu Maria zu nähren. Er ehrte und liebte alle Vorrechte seiner teuren Mutter, aber besonders entflammte sein Eifer, wenn es sich um die Unbefleckte Empfängnis handelte. Dieses allen christlichen Herzen so teure Vorrecht war für ihn der Gegenstand besonderer und ganz herzlicher Liebe, und er predigte ihn unablässig und empfahl ihn der Verehrung aller Gläubigen.

 

Als er Papst geworden war, erhielt sein Eifer für den Ruhm Mariens neuen Zuwachs. Die so sehnlichst gewünschte Erklärung von der Unbefleckten Empfängnis wurde seine wichtigste Angelegenheit. Er wendete nach dieser Richtung alle seine Sorgen und die ernstesten Gedanken. Er hatte lange mit Demut und Andachtsglut um Erleuchtung über die Bestimmung, die er treffen sollte, gebetet. Ein unnennbarer Trost kam in seine Seele, als er sah, wie wunderbar in der ganzen katholischen Welt der Wunsch erwachte, diese fromme Meinung zum Glaubenssatz erhoben zu sehen.

 

Während dieser Taten vertrieb ihn die Revolution von Rom aus seinen Staaten und veranlasste ihn, einen Zufluchtsort im Königreich Neapel zu suchen. Er vernachlässigte deswegen nicht seine große Angelegenheit, er dachte im Gegenteil, dass er sie lebhafter betreiben müsse. „Denn“, sagt er, „die heilige Jungfrau hat den Kopf der Schlange unter ihren Füßen zertreten. Erhaben über alle Chöre der Engel, ihren Platz einnehmend zwischen Jesus Christus und der Kirche, voll Gnade und Anmut, hat sie immer die Christen vor feindlichen Angriffen gerettet. Wir haben die süße Zuversicht, dass sie mit uns Mitleid haben wird gemäß jener unveränderlichen Zärtlichkeit, die ihr mütterliches Herz erfüllt, und dass sie von uns abwenden wird die grausame Not, die Plagen des göttlichen Zornes und den schrecklichen Sturm, der über die Kirche hereinbricht, und dass sie unsere Trauer in Freude verwandeln wird.“

 

Und er wiederholte die Worte des heiligen Bernhard: „Unser Vertrauen ist ganz auf die heilige Jungfrau gegründet, denn in ihr hat Gott die Fülle alles Guten niedergelegt.“ Er ermunterte zugleich alle Bischöfe, feierliche Gebete zu veranstalten, und er bat sie dringend, ihm zu schreiben oder vielmehr ihm zu sagen, wie beschaffen die Verehrung für die Unbefleckte Empfängnis in ihren Diözesen sei, welcher ihr Wille und Wunsch sei in Betreff dieser Erklärung.

 

Die Hoffnung, die der Heilige Vater auf Maria gebaut hatte, wurde nicht enttäuscht. Sie zerstreute den Sturm, der ihn von seinen Staaten fernhielt. Der Aufstand wurde durch die französischen Truppen unterdrückt, und um zu zeigen, dass dies das Wort Mariens war, ereignete sich dies am Tag der Heimsuchung Mariens, am 2. Juli. Zum Gedächtnis dieses Ereignisses erhob Pius IX. die Feierlichkeit dieses Festes zu einem Festtag zweiter Reihe nach dem Kirchengebrauch.

 

Endlich hat unser geliebter Papst beschlossen, dem sehnlichen Wunsch seines Herzens nachzukommen und so vielen frommen Aufforderungen Genüge zu leisten. 1854 wurden die Bischöfe der katholischen Welt eingeladen, sich nach Rom zu begeben zur Zeit des jährlichen Festes der Empfängnis Mariens, um die Huldigung, die er Maria darbringen wollte, feierlicher zu machen und die Bischöfe dem Triumph Mariens beiwohnen zu lassen. Und, um in reichlicherem Maße Erleuchtung und Beistand von Oben zu erhalten, ordnete er neue Gebete an, und gab einen Ablass ganz in Form eines Jubiläums. Es gab außerdem in diesem Jahr eine Menge Unglück. Hunger, Pest und Krieg verheerten die christliche Welt. Er hielt es für das größte Heilmittel dieser Übel, wenn er den Kult und den Ruhm der heiligsten und unbefleckten Jungfrau Maria vermehre.

 

Der schönste Tag seines Lebens war der 8. Dezember 1854. Jeder Teil der katholischen Welt hatte ihm einen seiner Bischöfe gesendet. Pius IX. brachte mitten unter ihnen das heilige Messopfer dar in der ungeheuren Peterskirche. Nach dem Evangelium bestieg der Papst seinen päpstlichen Thron. Die vierhundert Bischöfe und niederen Prälaten richteten ihre Augen auf ihn. Achtzigtausend Gläubige lauschten seinen Worten. Aber seine Stimme versagte ihm, Tränen benetzten sein Antlitz, seine Rührung hat den höchsten Grad erreicht. Er musste das Lesen einige Minuten aussetzen. Aber dann ist er überglücklich, endlich auf unwiderrufliche Weise das schönste Vorrecht Mariens verkünden zu können.