Der heilige Petrus von Sebaste, Bischof und Bekenner in Armenien, + 9.1.387 – Fest: 26. März / 9. Januar

 

Der heilige Petrus von Sebaste stammte von einem sehr alten und vornehmen Haus ab. Es zählt, nach dem heiligen Gregor von Nazianz, eine lange Reihe berühmter Helden. Aber seit vielen Jahrhunderten liegen ihre Namen im Dunkel der Vergessenheit begraben, und wir wüssten nicht einmal, dass es sie jemals gab, wenn ihr Stamm nicht Heilige hervorgebracht hätte, deren Andenken in den Jahrbüchern der Kirche ehrfurchtsvoll aufbewahrt wurden. Drei von ihnen waren zu gleicher Zeit Bischöfe. Und welch große Bischöfe! Ein heiliger Basilius, ein heiliger Gregor von Nyssa, ein heiliger Petrus von Sebaste! Sie wurden zur erhabensten Tugend herangebildet, durch ihre ältere Schwester Makrina, die die Sorge ihrer Erziehung auf sich genommen hatte. Ihre Eltern waren der heilige Basilius, der Ältere genannt, und die heilige Emmilia (Sie wurden beide des Glaubens wegen unter Maximian Galerius verbannt und genötigt, sich in die Einöden von Pontus zurückzuziehen. Das römische Martyrologium erwähnt ihre Namen am 30. Mai.). Ihre Großmutter war Makrina, mit dem Beinamen: die Ältere, die von dem heiligen Gregor, dem Wundertäter, in der Wissenschaft des Heils unterwiesen worden.

 

Petrus, den die Kirche heute verehrt, war das jüngste von zehn Kindern, aus der Ehe des heiligen Basilius und der heiligen Emmilia. Da er in seinen zartesten Jahren seinen Vater verlor, hatte er das Glück, in die Hände seiner Schwester Makrina zu kommen, die ihn nach den erhabensten Grundsätzen der christlichen Frömmigkeit erzog. Sie wollte nicht, dass er sich auf die weltliche Gelehrsamkeit verlege, und wusste seine verschiedenen Übungen so zu wechseln, dass ihm für nichtsbedeutende Dinge kein Augenblick übrigblieb. Durch diese Verschiedenheit der Beschäftigungen empfand der kleine Petrus nichts von verdrießlicher Langeweile, und gewöhnte sich unbemerkt an ein ernstes und tätiges Leben. Gelehrig auf die Stimme seiner verehrungswürdigen Schwester, die ihn mehr durch ihr Beispiel, als ihre Reden unterrichtete, machte er täglich neue Fortschritte in der Erkenntnis göttlicher Dinge, und auf den Wegen der Vollkommenheit.

 

Die heilige Emmilia hatte zwei Klöster gestiftet, eins für Männer, das andere für Frauen, und übertrug die Leitung des ersten ihrem Sohn Basilius, und die des andern ihrer Tochter Makrina. Petrus, dessen einziges Verlangen war, den Samen der Gottseligkeit, der früh in sein Herz eingestreut worden war, zu Früchten für die Ewigkeit heranwachsen zu sehen, vereinigte sich mit den Jüngern seines Bruders, dem er auch 362 als Abt der heiligen Genossenschaft nachfolgte. Mehrere Jahre stand er diesem Amt mit ebenso großer Weisheit als Heiligkeit vor. Und die schreckliche Hungersnot, mit der damals Pontus und Kappadocien so hart heimgesucht waren, gab ihm Gelegenheit, die glänzendsten Beweise seiner Nächstenliebe abzulegen. Ein Abt, der kein Heiliger gewesen wäre, hätte seine Almosen mit sogenannter klugen Sparsamkeit ausgeteilt, unter dem Vorwand, seinen Brüdern eine sichere Quelle gegen die schrecklichste aller Plagen offen zu halten. Allein Petrus hatte die Grundsätze der christlichen Nächstenliebe in einer anderen Schule, als der der menschlichen Klugheit geschöpft. Mit väterlicher Liebe nahm er alle Arme auf, die täglich zu ihm hinströmten, und verwendete zur Erleichterung ihres Elends nicht nur die Einkünfte des Klosters, sondern auch noch unermessliche Summen, die er von mehreren Menschenfreunden bezog.

 

Der heilige Basilius, der im Jahr 370 zum Bischof von Cäsarea in Kappadocien erwählt worden war, weihte ihn zum Priester, und der heilige Abt betrachtete diese erhabene Würde als eine neue Verpflichtung, immer mehr und mehr nach evangelischer Vollkommenheit zu streben. Mit doppeltem Eifer ergab er sich daher den Übungen der Frömmigkeit und der Erfüllung seiner Amtspflichten. Er lebte in seinem Kloster bis zu dem Tod des Eustathius (ein erklärter Arianer), dem er auf dem bischöflichen Stuhl von Sebaste 380 folgte. Dieses Bistum fand er in der traurigsten Zerrüttung. Der Arianismus, der von seinem Vorgänger öffentlich gelehrt worden war, hatte tiefe Wurzeln gefasst. Niemand war aber auch geeigneter als er, das Gebäude der Wahrheit auf den Trümmern des Irrtums wieder herzustellen, und man zweifelte nicht, dass seine Wahl die Wirkung einer besonderen Fürsorge Gottes gegenüber der Kirche von Sebaste gewesen sei.

 

Die Geschichte sagt uns zwar nichts von dem, was er während seines bischöflichen Hirtenamtes tat, nur wissen wir, dass er der allgemeinen Kirchenversammlung von Konstantinopel 381 beiwohnte, und mit den übrigen Bischöfen die Verdammung der Macedonianer, die die Gottheit des Heiligen Geistes leugneten, unterschrieben hat. Das ganze ehrwürdige Altertum spricht aber einstimmig von dem Lob seiner Heiligkeit, seines Eifers und seiner Klugheit. Er starb spätestens um das Jahr 387. Man rechnet ihn zur Zahl der kirchlichen Schriftsteller hinzu wegen eines Briefes, den er an den heiligen Gregor von Nyssa schrieb, und den man an der Spitze der Bücher dieses Vaters gegen Eunomius findet. Wir lesen beim heiligen Gregor von Nyssa (Es scheint, dass das schon in den ersten Jahren nach seinem Tod geschah.), dass die Einwohner von Sebaste sein Andenken mit dem mehrerer Märtyrer ihrer Stadt öffentlich verehrten. Das römische Martyrologium erwähnt am 9. Januar seinen Namen.

 

Nichts mag unserer Bewunderung würdiger erscheinen, als eine ganz aus Heiligen bestehende Familie. Allein wem sollen wir dieses Wunder zuschreiben? Gott, und dann den Beispielen, den Gebeten und Mahnungen der heiligen Makrina, der Älteren. Vor allem verpflanzte sie auf ihre Abkömmlinge jenen Geist der Abtötung, ohne den es kein wahres Christentum gibt. Und all die Heiligen aus ihrer Familie strebten, statt von ihrer verehrungswürdigen Großmutter in ihren Sitten sich zu entfernen, vielmehr ihr Leben in sich zu erneuern, und bemühten sich, auch anderen die Liebe zu einer Tugend einzuflößen, die die Seele aller ihrer Handlungen war. Hören wir den heiligen Gregor von Nyssa über die Abtötung der Sinne: „Wir dürfen keine Anhänglichkeit zu irgendetwas in uns tragen, vor allem, wenn zu befürchten ist, dass das erlebte Vergnügen eine Leidenschaft in uns entflammen könnte. Unsere erste Sorge sei, gegen die Sinnlichkeit im Essen, die Unverdorbenheit des menschlichen Geschlechts, die Mutter des Lasters, uns zu verwahren. Stets müssen wir die Vorschriften der strengsten Mäßigkeit beobachten, nie die Befriedigung der Sinne zu unserem letzten Ziel und Ende machen, und nur aus Notwendigkeit uns den Genuss der Dinge gestatten, mit denen Lust verknüpft ist.“ Er will ferner, dass man die Abtötung des Willens mit der Abtötung der Sinne verbindet. „Der Christ,“ sagt er, „der die Welt verachtet, soll sich selbst so entsagen, dass er nie aus seinem Willen handelt, um in allem nur den Willen Gottes zu suchen. Gott ist unser Herr, sein Wille soll also die unwandelbare Richtschnur unseres Verhaltens sein.“ Der heilige Basilius schärft ebenfalls sehr nachdrücklich die Pflicht ein, uns selbst abzusterben, damit Jesus Christus in uns lebt, und alle unsere Neigungen und Handlungen das Gepräge seines Geistes tragen.