Der heilige Petrus Fourier, Stifter des Ordens Unserer Lieben Frau, + 9.12.1640 – Fest: 9. Dezember

 

Der heilige Petrus Fourier war ein heiliger Priester. Und dies ist das Wort, das sein Leben zusammenfasst, seine Abwechslung erklärt, und seine Einheit ausmacht. Er bewohnte im Pfarrhaus zu Mattaincourt ein schmuckloses Zimmer, das einen Tisch, zwei oder drei Strohstühle, eine Bank und eine Art von Bett enthielt, dessen er sich nie bediente, und das nur da war, um den Leuten glauben zu machen, er schlafe darin. Niemals heizte er seine Stube, in welcher Jahreszeit man sich auch befinden mochte. Er hatte nur einen Anzug, den, den er auf dem Leibe trug, und den er Tag und Nacht nicht ablegte, sofern nicht eine Krankheit ihn dazu nötigte. Und um ihm einen neuen zu geben, musste man die Gelegenheit abwarten, bis der alte so abgetragen war, dass er in Stücke fiel. Er aß nur einmal des Tages, und zwar erst am Abend, weil er seinem Körper keine Nahrung gönnte, bevor er sie nicht durch seinen Schweiß verdient hätte. Ebenso wenig wollte er seinen Geist überladen, bevor er in voller Freiheit seine Tagesarbeit erfüllt hätte. Brot, Wasser, Gemüse bildeten ausschließlich seine Mahlzeit. Nur in seinem höchsten Greisenalter trank er ein wenig Wein. Er schlief nur kurze Zeit, jede Nacht ungefähr drei Stunden, und bediente sich hierzu, anstatt des Bettes, eines Stuhls aus Weidengeflecht ohne Armlehnen.

 

Zu diesen täglichen und stündlichen Abtötungen fügte er noch andere geheime hinzu. Dieses strenge Leben oder vielmehr diesen lebenden Tod führte der heilige Petrus Fourier vierzig Jahre lang fort. Vierzig Jahre lang bot er seinen Pfarrkindern das Schauspiel eines von allem losgerissenen, über alles erhabenen Mannes, der vom menschlichen Körper nur die Kraft beibehielt, zu leiden, und aus den Leiden die Wonne schöpfte, die der Friede seines Antlitzes allen Blicken offenbarte: ein wahrhaftes Opfer der Liebe, ein rauchendes Brandopfer vor Gott, eine Reliquie des ersten Kreuzes, die man nicht sehen konnte, ohne dass das Wesen und die Göttlichkeit Jesu Christi unwillkürlich dem Auge sich dargestellt hätte.

 

Wenn ein Mensch am Ziel einer langen Laufbahn angelangt ist, wenn er die Klippen umschifft hat, deren es in jedem Menschenleben so viele gibt, und wenn ihm nur noch übrig bleibt, in der Glorie seiner Tugenden und in der Liebe der Seinigen zu sterben, so ist die Aussicht, bei der Erfüllung einer letzten Pflicht zu Grunde gehen zu müssen, eine Prüfung, die selbst die Besten oft nicht bestehen. Man will lieber der Klugheit opfern, und die Gründe bieten sich von selbst dar, die uns überreden, unseren Tod vorzubereiten, um ruhig im Bett zu sterben, anstatt unser Leben irgend einem Zufall preiszugeben, der unseren Untergang zur Folge haben könnte, sagte der beredte Lacordaire. Sie sind selten unter den Größten, die Leute, die alsdann in ihren marklosen Knochen ein Jugendfeuer vorfinden, und sich darein ergeben, unterzugehen, wie man es um der Freude einer Stunde willen, als zwanzigjähriger Jüngling in einer Stunde der Begeisterung tut.

 

Die Verbannung ist hart, selbst in der Jugend, wo die Hoffnung alles versüßt, und das Herz die Kraft besitzt, neue Bande zu knüpfen. Aber bei einem abgelebten Greis, dessen ganzer Trost darin besteht, an der Vergangenheit zu zehren, ist die Verbannung eine Strafe, deren Bitterkeit durch nichts gemildert wird. Die des heiligen Petrus Fourier, die vier Jahre bis zu seinem Tod dauerte, nahm bei den vielen anderen Schmerzen den Charakter eines Todeskampfes an.

 

Er starb am 9. Dezember 1640.

 

Petrus Fourier wurde am 29.1.1730 von Papst Clemens XII. selig- und am 27.5.1897 durch Papst Leo XIII. heiliggesprochen.