Der gottselige Diener Mariens Peter Paul Maria Dupre, Laienbruder in Rom, + 8.3.1701 – Gedenken: 8. März

 

Der gottselige Bruder Peter Paul Maria war aus dem adeligen Geschlecht Dupre zu Lyon im Jahr 1643 geboren. Schon als Junge von zwölf Jahren kam er zum Kriegsheer Ludwig XIV., Königs von Frankreich, und wurde später vom Marschall Turenne wegen seiner vortrefflichen militärischen Talente ausgezeichnet. Dupre diente zwar mit aller Treue und allem Fleiß seinem König, allein den Dienst des Königs des Himmels und der Erde vernachlässigte er gänzlich, und gab sich mit allem Leichtsinn einem wüsten Soldatenleben hin. Nur ein Zeichen der Gottesfurcht war ihm geblieben, nämlich eine gewisse Ehrfurcht gegenüber gottgeweihten Orten, die er immer vor Zerstörung und Plünderung zu bewahren versuchte, ja selbst mit Gefahr seines Lebens vor der Wut der Soldaten schützte. Er selbst bekannte später oft, dass dieser einzige Funke der Andacht die Ursache möchte gewesen sein, die ihn der Barmherzigkeit des Herrn noch teilhaftig machte.

 

Nachdem er mehrere Jahre, unbekümmert um das Heil seiner Seele, an verschiedenen Orten Kriegsdienste geleistet hatte, verließ er sie endlich und nahm seinen Aufenthalt in Venedig. Hier erwarb er sich durch seine Geschicklichkeit und oft bewiesene Klugheit das Vertrauen des Senats, und wurde, da die Republik Venedig einen Gesandten an den päpstlichen Hof schickte, von ihm in sein Gefolge aufgenommen. Er hatte das Glück, dem Gesandten wesentliche Dienste zu erweisen, und zu Rom erwarb er sich noch insbesondere die Gunst des Grafen Maximilian Cauriani, der in Geschäften des Herzogs von Mantua sich daselbst aufhielt. Indessen führte er sein voriges ungeregeltes Leben fort und überließ sich seinen ungezügelten Leidenschaften.

 

Einmal befand er sich in der Mutter-Gottes-Kirche, „Maria die Größere“ genannt. Da geschah es denn, dass er durch eine übernatürliche Erleuchtung des Verstandes und eine tiefe Rührung des Herzens die Abscheulichkeit seiner Sünden erkannte und von einer überaus großen Furcht wegen des Heils seiner Seele erfüllt wurde. In Reue und Schmerz aufgelöst, sank er vor dem Bild der seligsten Jungfrau auf die Knie und gelobte Besserung seines Lebens. Unverweilt begab er sich nach Maria Loretto und machte durch Ablegung einer vollständigen reumütigen Beicht den ersten notwendigen Anfang zur Besserung seines Lebens. Nach Rom zurückgekehrt, wählte er sich einen frommen Priester zum Seelenführer, dem er alle Falten seines Herzens aufrichtig entdeckte und dessen Anordnungen er sich mit aller Bereitwilligkeit unterwarf. So schritt er immer mehr vorwärts auf dem Weg der Tugend.

 

Aber wie groß ist die Macht der Leidenschaften, wenn man sich durch langjährige Nachgiebigkeit zu ihrem Sklaven hat erniedrigen lassen. Dupre ließ sich einmal bei der Verteidigung der Angelegenheiten seines Herrn in der Aufwallung der Zorneshitze zur groben Misshandlung einiger päpstlichen Beamten hinreißen und wurde dadurch genötigt, auf der Stelle aus Rom zu fliehen, um der Todesstrafe zu entgehen.

 

Er begab sich heimlich nach Mantua, wo er bei seinem Gönner, dem Grafen Cauriani, freundliche Aufnahme fand. Er erkannte wohl, dass es für ihn das beste wäre, sich aus den Zerstreuungen und Gefahren des Weltlebens gänzlich zurückzuziehen, allein er befürchtete, wegen seines schon vorgerückten Alters und seines früheren Standes mit seiner Bitte um Aufnahme in einen geistlichen Orden abgewiesen zu werden. Jedoch wurde er auf Empfehlung des Grafen Cauriani, dem er seinen Wunsch und seine Zweifel mitteilte, am 19. Juni 1687 im Serviten-Kloster zu Mantua als Laienbruder eingekleidet. Dupre lag nun zwar mit allem Eifer den geistlichen Übungen ob und verrichtete die ihm auferlegten Arbeiten mit aller Geschicklichkeit, aber als es galt, sich selbst zu verleugnen und den eigenen Willen unbedingt dem Willen der Obern zu unterwerfen, da regte sich besonders der Stolz und Eigensinn des früheren Soldaten, dessen Versuchungen er auch wirklich unterlag, so dass er nach zehn Monaten das Kloster verließ und zur vorigen Freiheit zurückkehrte. Sieben Jahre irrte der Unglückliche nun unstet umher, von innerer Unruhe und Angst gefoltert, bis er endlich zu seinem Gönner nach Mantua zurückkehrte, der ihn abermals gütig aufnahm, und bei dem er ein wohlgeordnetes Leben führte. Allein er hatte den Stachel im Herzen und Maria, die ein frommer Schriftsteller die Seelenjägerin nennt, gibt ihre Beute so leicht nicht auf. Er fühlte immer den Antrieb in sich, Gott und Maria auf vollkommenere Weise zu dienen. Voll von diesem Gedanken und Wunsch begab er sich einmal in das Jesuitenkollegium zu Mantua, um unter Anleitung des Hieronymus Tansone die geistlichen Übungen des heiligen Ignatius zu machen.

 

In Mantua wagte er nicht um Aufnahme anzuhalten, da er dort selbst schon früher das Ordenskleid getragen und so treulos wieder abgelegt hatte. Er verfiel daher auf den Gedanken, beim Ordensgeneral in Rom selbst um Aufnahme zu bitten. Bewogen durch die Zeichen seiner aufrichtigen Bekehrung und Buße, nahm ihn der Pater General, Johann Franz Maria Poggi, auch wirklich in den Orden auf. Er trat nun, bereits im fünfzigsten Lebensjahr stehend, im Kloster zu Sankt Marcello in Rom als Laienbruder ein, und erhielt den Namen „Peter Paul Maria“. Im Kloster musste er nebst anderen niedrigen Geschäften auch den Pförtnerdienst versehen, und da er sich streng an die Vorschriften der Obern hielt, so konnte es nicht fehlen, dass mancher mit ihm unzufrieden war, und er oft mit Vorwürfen und rauen Worten behandelt wurde. Allein er nahm alles hin mit unüberwindlicher Geduld und Demut, und erwiderte die ungerechtesten Schmähungen nur mit: „Deo gratias! (Gott sei Dank!) oder sprach höchstens: „Verzeiht mir, dass ich euch in diesem Stück nicht willfahren kann; denn der Gehorsam verbietet es.“ Sah er aber, dass sich jemand nicht besänftigte und zufrieden stellte, so fiel er auf seine Knie, bat ihn um Verzeihung, und stand nicht eher auf, als bis er ihn versöhnt sah.

 

 

So lebte der Bruder Peter Paul als ein wahrer Diener der heiligen Jungfrau Maria ein heiliges Leben, bis er am 26. Februar 1701 von einer Krankheit befallen wurde, die der Arzt nicht für so bedeutend, er selbst aber für seine Todeskrankheit erklärte. Obwohl man an keine nahe Gefahr glaubte, wurden ihm doch auf sein inständiges Bitten die heiligen Sakramente gereicht. Am 8. März in der Nacht, sprach er mit seinem Mitbruder, der bei ihm wachte, in heiliger Sehnsucht von den Freuden des Himmels, richtete dann mit einem Mal mit dem Ausdruck der innigsten Liebe die Augen auf das Bild des Gekreuzigten und der schmerzhaften Mutter, und sagte, zur Verwunderung aller: „Wir wollen noch dreimal das heilige Vaterunser und den Englischen Gruß beten, damit Maria, unsere liebe Mutter, in meinem Hinscheiden mir gnädig beistehe!“ Kaum war das Gebet vollendet, so gab er sanft und selig seinen Geist auf.