Der heilige Peregrin Laziosi von Forli, italienischer Priester aus dem Servitenorden OSM, + 1.5.1345 – Fest: 1. Mai

 

Papst Martin IV. hatte den heiligen Philippus Benizzi nach Forli, einer Stadt in der Landschaft Romagnola als apostolischen Prediger gesendet, um durch die Kraft seines Wortes und durch die Heiligkeit seines Lebens die Bürger dieser Stadt, die in beständiger Feindschaft unter sich und im hartnäckigen Widerstand gegen den Papst lebten, zu versöhnen und zur Unterwürfigkeit gegen den Heiligen Stuhl zu bewegen. Allein der Heilige fand nur verstockte Herzen und grausame Misshandlungen für die Bemühungen seines Eifers. Die Einwohner der Stadt fielen über ihn her, jagten, mit Steinen und Stöcken bewaffnet, den lästigen Prediger von einem Stadtviertel zum andern, schlugen und verhöhnten ihn. Unter ihnen zeichnete sich ein junger Mann, Peregrin Laziosi, einziges Kind einer sonst angesehenen und vornehmen Familie von Forli, durch Mutwillen und Rohheit besonders aus. Er ging so weit, dass er sich mit frecher Miene dem heiligen Mann näherte und ihm einen Backenstreich versetzte. Allein gerade dieser mutwillige junge Mann sollte aus den verblendeten Einwohnern von Forli die erste Frucht des Eifers des heiligen Philippus und die erste Beute der Mutter der Barmherzigkeit sein, der der Heilige, als besonderer Verehrer der schmerzhaften Mutter und als Mitglied des Ordens ihrer Diener (Serviten), sein schwieriges Werk besonders empfohlen hatte. Die Demut und engelgleiche Geduld des Verfolgten, mit der er all die Misshandlungen und Beschimpfungen litt, hatten ihren Eindruck auf das Gemüt des jungen Laziosi nicht verfehlt und ihn zum Nachdenken gebracht, und als er den heiligen Mann vor den Toren der Stadt, bis wohin man ihn verfolgt hatte, auf den Knien die Blindheit der verstockten Bürger beweinen sah und ihn laut um die Bekehrung seiner Verfolger und Feinde beten hörte, da konnte er dem Zug der rufenden Gnade nicht länger widerstehen. Er eilt Philippus nach, wirft sich ihm zu Füßen und bittet ihn unter Tränen um Verzeihung. Der Heilige umarmte ihn liebevoll und versicherte ihn nicht nur seiner vollkommenen Verzeihung, sondern tröstete ihn auch durch sanfte Worte. Er ermahnte ihn zur Änderung seines bisherigen Lebens und ermunterte ihn, durch aufrichtige Buße die Verzeihung seiner Sünden von Gott zu erlangen. Um desto sicherer Gnade hierfür zu erhalten, sollte er seine Zuflucht zu Maria nehmen und sie lebenslang besonders verehren, was Peregrin, der schon aus einem reißenden Wolf in ein sanftes Lamm verwandelt war, aufrichtigen Herzens zu tun versprach.

 

Bei seiner Rückkehr in die Stadt erschien er ganz verändert. Er mied die Gesellschaft seiner Jugend- und Sündengenossen, ertrug still und demütig ihren Spott über seine veränderte Lebensweise, ging oft in die Kirchen und betete in ihnen sehr lange, um Gottes Barmherzigkeit für sein vergangenes und zukünftiges Leben über sich zu erbitten. Besonders gerne besuchte er ein Bild der gebenedeiten Jungfrau, das man in der Kirche zum heiligen Kreuz verehrte, und bat da oft und mit Inbrunst die barmherzige Mutter, auch an ihm, dem bisher so ungehorsamen Kind, Mutterstelle zu vertreten, und ihm den Weg zu zeigen, den er gehen soll, um seine Seele in Sicherheit zu bringen. Man erzählt, es sei auch hier gewesen, wo ihm die Mutter Gottes erschien und befahl, nach Siena zu gehen und sich unter ihre Diener aufnehmen zu lassen. Er tat es mit Einwilligung seiner Eltern und erhielt aus den Händen seines Retters, des heiligen Philippus Benizzi, der damals oberster Vorsteher des Ordens war, das Klein der „Diener Mariens“. Er verlebte in dem Orden noch zweiundsechzig Jahre in strengster Buße und in der innigsten Dankbarkeit und Andacht zu Maria. Der heilige Peregrin übte zwar viele Abtötungen zu Ehren der schmerzhaften Mutter, aber besonders merkwürdig ist jene, dass er sich dreißig Jahre hindurch niemals niedersetzte. Wurde er ganz ermüdet und kraftlos, so suchte er nur dadurch einige Erholung und Erleichterung, dass er sich an einen Stein etwas anlehnte. Der Herr verherrlichte den frommen Diener Mariens mit vielen Wundern im Leben und nach seinem Tod, und die Kirche verehrt ihn seit 1726 als einen Heiligen des Himmels. Sein Gedächtnis wird am 1. Mai gefeiert.