Der heilige Otto, von Mistelbach, Bischof von Bamberg, + 30.6.1139 - Fest: 30. Juni

       

Als der Freiherr Otto von Mistelbach in Mittelfranken um das Jahr 1062 geboren wurde, standen in seines Vaters Stall anstatt einer Reihe von rassigen Rossen, wie man sie damals auf den Ritterburgen allgemein vorfand, nur mehr zwei Esel, so arm war die ehedem reiche Familie geworden. Früh starben die Eltern, und Ottos ältester Bruder, der Erbe der ritterlichen Armut, ein rauer Mensch, ruhte nicht, bis er den Benjamin des Hauses aus dem Schloss verdrängt hatte, um einen Mitesser weniger am Tisch zu haben. Ottos erste Jugend war nicht schön.

 

Wie indessen ein einsamer Baum auf steiler Bergeshöhe in den Stürmen, die ihn umtosen, zwar langsamer, aber umso kräftiger heranwächst, so erging es auch dem jungen Otto von Mistelbach. Nachdem er in einer Klosterschule die Anfangsgründe der Wissenschaft erlernt hatte, zog er, weil er keinem auf der Tasche liegen wollte, nach Polen und gründete dort, wo es zu der Zeit erst wenige Lehrer gab, eine Lateinschule. Zwar wusste er anfangs noch nicht viel mehr als die Schüler, aber er verdiente sich wenigstens den Lebensunterhalt und bildete sich selbst rastlos weiter aus. Bald konnte er sich dem Bischof zur Prüfung stellen, und nachdem er die Prüfung bestanden hatte, empfing er die Priesterweihe. Von da an stieg Ottos Lebensweg steil in die Höhe. Der fähige Priester wurde Hofkaplan bei dem polnischen Herzog, wechselte in der gleichen Stellung an den deutschen Kaiserhof über, war eine Zeitlang deutscher Reichskanzler, und mit vierzig Jahren bestieg er den Bischofsstuhl zu Bamberg. Aus dem hungrigen Studenten war ein Fürst in Welt und Kirche geworden.

 

Otto war ein tatenfroher Bischof. Immer schaffte er. Er stellte die abgebrannte Domkirche in Bamberg wieder her, trug selbst Steine und Mörtel herbei und kletterte wie ein Maurer auf den Baugerüsten umher. Oft predigte er dem Volk und gab den Kindern Glaubensstunden. Zwanzig Klöster ließ er errichten, und als man ihm deswegen vorwarf, er sei verschwenderisch, antwortete er, man könne nicht genug Gasthäuser für die Pilger bauen, die von der Erde ins himmlische Vaterland reisen wollten. Das war eine schöne Antwort.

 

Des Bischofs Hauptsorge galt den Armen. Wenn ein Fürst zu ihm kam, blieb er sitzen, denn er war auch ein Fürst, stellte sich aber ein Armer bei ihm ein, so stand Otto auf und hörte ihn stehend an, denn in jedem Armen sah er den Herrn Jesus Christus. Um den Notdürftigen gut und gründlich helfen zu können, lebte Bischof Otto für sich selbst äußerst bescheiden, flickte sich selbst seine Kleider, aß fast nur Brot und Gemüse, und als ihm einmal ein großer, schmackhaft zubereiteter Fisch vorgesetzt wurde, erkundigte er sich gleich nach dem Preis. „Acht Groschen“, gab man ihm zur Antwort. „Wie!“ entgegnete er, „acht Groschen? Das ist zu viel. Weg damit! Bringt den teuren Fisch einem armen Kranken! Ich bin gesund und kann mit einem Stück Brot auskommen.“ So war der Bischof Otto.

 

Otto war auch ein großer Missionar. Damals war das Pommernland noch heidnisch. Wohl hatten sich früher bereits andere Glaubensboten um die Bekehrung der Pommern bemüht; weil sie aber als arme Mönche kamen, vertrieb man sie unter Spott und Hohn mit den Worten: „Wenn euer Gott, den ihr als den reichen Herrn des Himmels und der Erde preist, wirklich der wahre Gott wäre, so würde er euch nicht als Bettler zu uns senden.“ So hatten die Heiden in ihrem Unverstand gesagt. Deshalb schlug Otto einen anderen Weg ein. Mit großer Pracht kam er ins Land, mit vielen hochbeladenen Wagen und herrlich geschirrten Rossen, mit gepanzerten Rittern und reichgekleideten Dienern, während er sich selbst, der daheim der Armen wegen geflickte Kleider trug, im goldglänzenden Bischofsschmuck mit Stab und Mitra zeigte. Dieses Auftreten machte auf die Pommern sichtlich Eindruck, so dass sie das Christentum annahmen. Deshalb wird der heilige Otto mit Recht der Apostel der Pommern genannt, und bis ins späte Mittelalter hinein wallfahrteten die dankbaren Pommern jedes Jahr an Ottos Grab nach Bamberg, wo der Heilige siebzigjährig am 30. Juni 1139 starb.

 

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Außerdem ist der 30. Juni ein Fest aller Märtyrer, die in der Verfolgung Kaiser Neros ihr Blut vergossen. Seit 1923 wird dieses Fest in Rom gefeiert. Der neue römische Kalender hat diesen Gedenktag, der sich an das Fest der Apostel Petrus und Paulus anschließt, auf die ganze Kirche ausgedehnt.

 

„Um das Gerücht aus der Welt zu schaffen, er selbst habe die Stadt Rom angezündet, schob Nero die Schuld auf andere und verhängte die ausgesuchtesten Strafen über die wegen ihrer Verbrechen verhassten Menschen, die das Volk Christianer nannte. Der Name leitet sich von Christus ab, der unter der Regierung des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet wurde. Man verhaftete also zuerst die Leute, die bekannten, dass sie Christen waren, dann auf ihre Anzeige hin eine ganze Menge. Sie wurden nicht gerade der Brandstiftung, wohl aber des allgemeinen Menschenhasses überführt. Die Todgeweihten benützte man zum Schauspiel. Man steckte sie in Tierfelle und ließ sie von Hunden zerfleischen, man schlug sie ans Kreuz oder zündete sie an, man ließ sie nach Einbruch der Dunkelheit als Fackeln brennen. Nero hatte für diese Schauspiele seinen Park zur Verfügung gestellt und veranstaltete ein Zirkusspiel. Im Aufzug eines Wagenlenkers mischte er sich unter das Volk oder stand auf seinem Wagen.“ Das schreibt der heidnische römische Geschichtsschreiber Tacitus im 15. Buch seiner Annalen.