Die heilige Olympias (Olympiades), Witwe von Konstantinopel, + 17.12.410 - Fest: 17. Dezember

       

Die heilige Olympiades, geboren um das Jahr 368, stammte aus einer erlauchten Familie, deren Mitglieder hohe Würden am kaiserlichen Hof zu Konstantinopel bekleideten. In zartem Alter schon verlor sie ihre Eltern und wurde Erbin eines unermesslichen Vermögens. Theodosia, die Schwester des heiligen Amphilochus, eine verständige und tugendhafte Matrone, leitete ihre Erziehung und hielt sie zu allem Guten, besonders aber zur Gottesfurcht an. Glänzender Abkunft, überreich mit Glücksgütern gesegnet, seltene Körperschönheit mit den herrlichsten Geistesgaben vereinigend war sie eine Erscheinung, dergleichen man seit langem nicht mehr gesehen hatte, und es konnte nicht fehlen, dass um diese Perle der Jungfrauen die edelsten Männer der Hauptstadt warben. Olympiades schenkte Nebridius, dem Präfekten von Konstantinopel, Herz und Hand. Aber schon zwanzig Monate nach der Hochzeit wurde ihr der Gatte durch den Tod entrissen. Und wie sie vordem der Schmuck der Jungfrauen gewesen ist, zeigte sie sich jetzt als die Zierde der Witwen, indem sie alle irdischen Güter zu den Füßen des Kreuzes legte und vorzog, statt der Lust und Ehre der Welt zu frönen, mit dem Heiland ein abgetötetes Leben zu führen. Vergebens gelangten die dringendsten Anträge der Wiederverehelichung an sie, vergebens suchte der Kaiser Theodosius selbst sie zur Verbindung mit einem seiner Neffen zu bereden. Sie lehnte alles ab und erklärte, wie sie fest entschlossen sei, im Witwenstand zu bleiben. Das verdross den Kaiser, und er ließ sich von der Leidenschaft zu einem unwürdigen Eingriff in die persönliche Freiheit hinreißen und nahm der Wehrlosen Vermögen in Beschlag. Sie aber, weit entfernt, sich darüber zu beklagen, richtete an ihn ein rührendes Schreiben, das ihre christliche Ergebung aufs Schönste beurkundete. Nach geraumer Zeit aber erst wurde sie in ihre Rechte wieder eingesetzt. Sie war 23 Jahre alt, als sie ihre Güter zurückbekam, und nun überließ sie sich ganz dem Drang ihres Herzens, Gott als christliche Witwe nach der Vorschrift des Apostel Paulus zu dienen. Von schwächlichem Körperbau ergab sie sich gleichwohl den strengsten Kasteiungen. Bei all ihrem Reichtum verwendete sie auf den Haushalt nur das unumgänglich Notwendige und widmete alles Übrige den Zwecken der Wohltätigkeit. Den Bischöfen sendete sie bedeutende Summen zur Verteilung unter die Armen ihrer Sprengel, und es fand sich in dem großen römischen Reich kaum eine Provinz, wohin die Gaben ihrer Mildtätigkeit nicht drangen. Sie beschenkte die Kirchen, die Klöster, die Krankenhäuser, die Verbannten und erkaufte zahllosen Sklaven die Freiheit. Da sie wusste, dass der Mensch nicht allein vom Brot des Leibes leben kann, sondern auch des Brotes der Seele bedarf, benützte sie die Gelegenheiten, die ihre Liebeswerke ihr boten, allen, die ihrer teilhaftig wurden, Worte des Heils ans Herz zu legen. Noch sehr jung war sie von Nectarius, dem Patriarchen zu Konstantinopel, ihrer Tugenden wegen als Diakonissin zum Dienst der Kirche bestellt worden. Von den besten Männern ihrer Zeit, einem Gregor von Nyssa, einem Amphilochus, einem Gregor von Nazianz, einem Epiphanius, wurde sie hochverehrt. Chrysostomus, mit dem sie innig befreundet war, und Palladius sprechen in ihren Werken mit Entzücken von der frommen Witwe. Im Jahr 404 wurde sie in die Verfolgung mit hineingezogen, die die Bosheit der Kaiserin Eudoxia gegen den heiligen Chrysostomus erregt hatte. Man beschuldigte sie mit anderen, den Brand gestiftet zu haben, der bald nach der Verbannung des großen Patriarchen und Kirchenlehrers die Hauptkirche der Stadt verzehrte, und zu Anfang des Frühlings 405 erhielt sie den Befehl, Konstantinopel zu verlassen. Ihre Güter wurden öffentlich verkauft, ihre Landhäuser dem Pöbel zur Plünderung überlassen, zerstreut die Genossenschaft der Jungfrauen, die sich vor Jahren ihrer Leitung untergeben hatten. So musste auch sie, wie die meisten Diener des Herrn, durch das Feuer der Trübsal gehen, um ganz gereinigt zu werden. Geduldig, ja frohen Mutes, ertrug sie alle diese Bedrängnisse im Hinblick auf den Erlöser, der für uns sein Blut vergossen hat. Man weiß nicht, wo und wann sie starb. Doch scheint so viel gewiss, dass sich ihr Lebensziel nicht über das Jahr 410 hinaus erstreckte.