Der selige Nikolaus Albergati, Kartäuser, Bischof und Kardinal, + 9.5.1443 - Fest: 10. Mai (3. März)

       

Wenn dich dein Weg einmal in eine Kartause führt, dann wird dir sicher unter den Bildnissen berühmter Mönche, die da und dort die Wände schmücken, eines auffallen: ein Mönch im weißen Ordenskleid, das Haupt bedeckt mit dem roten Kardinalshut. Und wenn du näher hinsiehst, dann wirst du auch die Aufschrift finden: B. Nic. Albergati. Das ist unser Seliger.

 

Geboren wurde er zu Bologna im Jahr 1375 als der Sohn hochangesehener Eltern. Sein Vater war Advokat, seine Mutter die Tochter eines berühmten Professors der Rechtswissenschaft an der Universität von Bologna. Was Wunder, wenn der junge Nikolaus, dem die Liebe zur Rechtswissenschaft so gleichsam als Erbstück in die Wiege gelegt wurde, in die Fußstapfen seines Vaters trat und die Advokatenlaufbahn erwählte. Seine Vaterstadt gab ihm hierzu die beste Gelegenheit, denn die Universität von Bologna erfreute sich der besten Rechtslehrer und war lange Zeit hindurch ein Hauptanziehungspunkt für alle der Rechtswissenschaft Beflissenen. Frühzeitig erwarb sich denn auch unser Nikolaus die akademischen Grade und nun stand ihm eine glänzende Laufbahn in der Welt offen.

 

Aber die Vorsehung hatte es anders beschlossen. Nicht der Welt, sondern der Kirche sollte Albergati sein Talent zuwenden. Nicht im Dienste hochmütigen Parteigezänkes, sondern in demütigem Gehorsam sollte sein Ruhm bestehen. Eine jener Fügungen Gottes, die man gewöhnlich Zufall nennt, gab die erste Anregung. Als er eines Tages von der Jagd heimkehren wollte, überraschte ihn ein Unwetter, das ihn nötigte, in einem Kartäuserkloster Unterschlupf zu suchen. Das Unwetter entwickelte sich zu einem Orkan, so dass an eine Heimkehr am gleichen Tag nicht zu denken war. Nikolaus musste also, wohl oder übel, sich dazu verstehen im Kloster zu übernachten. Als dann gegen Mitternacht die Glocke ertönte, die die Mönche zum Chorgebet rief, entschloss sich unser Seliger – mehr aus Neugierde als aus Frömmigkeit – dem Chorgebet beizuwohnen. Hier war es nun, wo die göttliche Gnade anknüpfte. Der ernste Gesang, die nächtliche Stille, die Eingezogenheit der Mönche, alles das machte einen so tiefen Eindruck auf ihn, dass er sich entschloss Kartäuser zu werden. Am anderen Morgen trug er dem Prior seine Bitte vor, die ihm denn auch gewährt wurde. Zuvor galt es jedoch noch Schwierigkeiten zu überwinden, denn die Eltern waren mit seinem Berufswechsel keineswegs einverstanden. Endlich gaben sie seinem Drängen und Bitten nach. Niemand war nun glücklicher als unser junger Advokat und ohne Zögern machte er sich auf den Weg nach seiner geliebten Einsamkeit. So empfing er denn in seinem zwanzigsten Lebensjahr das Ordenskleid. Mit welchem Eifer er den religiösen Übungen oblag, mit welcher Gewissenhaftigkeit er alle Vorschriften des Ordens befolgte, geht am besten daraus hervor, dass er bald nach Ablauf seiner Probezeit zu den wichtigsten Ämtern befördert wurde. So sieht ihn das Jahr 1407 als Prior der Kartause von Bologna. War er schon als einfacher Mönch ein Muster, an dem seine Mitbrüder sich erbauen konnten, so bemühte er sich jetzt um so eifriger, mehr durch Beispiel als durch Worte, anderen vorzustehen. Einmal auf den Leuchter gestellt, sollte aber sein Licht nicht nur die weltabgeschlossenen Zellen einer Kartause erhellen. Der Leuchter sollte höher gestellt werden, dass sein Licht über die ganze Kirche sich verbreitete.

 

Nachdem im Jahr 1416 Johannes, der Bischof von Bologna, gestorben war, wählten Klerus und Volk einstimmig den Prior der Kartause zu seinem Nachfolger. Sprachlos vor Schrecken und Betrübnis empfing er die Nachricht. Mit Aufwendung aller ihm zu Gebote stehenden Mittel suchte er die Würde von sich abzulenken; aber vergeblich. Sein Ordensgeneral selbst stellte sich auf die Seite der Bologneser und so musste er denn im heiligen Gehorsam Würde und Bürde übernehmen. „Der Jünger ist nicht über dem Meister; jener aber wird vollkommen sein, wenn er ist wie sein Meister.“ An diese Worte des Heilandes wird unser Seliger gedacht haben und dabei hat ihm das Bild seines Ordensstifters, des heiligen Bruno, vor Augen geschwebt, der auch im Gehorsam gegen den obersten Hirten der Kirche seine Herde und seine geliebte Einsamkeit verlassen musste. Ist doch der Gehorsam die erste Tugend der Ordensperson und überhaupt der Prüfstein jeglicher Tugend.

 

Es war am 4. Juli 1417, als Albergati in der Kartäuserkirche von Bologna die bischöfliche Weihe erhielt. Als Bischof hörte er nicht auf, Kartäuser zu sein. Er trug stets die vollständige Ordenskleidung, hielt sein nächtliches Stundengebet, schlief auf einem Strohsack und beobachtete alle vom Orden vorgeschriebenen Fasten. So hoffte er die göttliche Gnadenhilfe in reicherem Maße auf sich herabzuziehen, um mit um so mehr Frucht am Heil der ihm anvertrauten Herde arbeiten zu können. Und an Arbeit sollte es ihm nicht fehlen. Denn dass unter den Wirren der damaligen Zeit im Allgemeinen und dem Parteigezänk seiner Vaterstadt im Besonderen der religiöse Geist seiner Herde benachteiligt wurde, ist leicht einzusehen. Hier eine Besserung zu schaffen, lag ihm vor allem am Herzen. Unermüdlich verkündete er das Wort Gottes von der Kanzel herab, eingedenk der Mahnung des Apostels: „Weise zurecht, tadle, ermahne mit aller Geduld und Lehrweisheit!“ Mit diesem Hirteneifer verband er aber auch eine ebenso große Hirtenliebe. Gleich seinem Namenspatron, dem heiligen Nikolaus von Myra, gab es auch für ihn keine Not, die er nicht zu heben oder doch zu lindern versucht hätte. Sein Zartgefühl fand auch den Weg zu den verschämten Armen, die er heimlich auf jede Art unterstützte. Ganz besonders aber nahm er sich der gefährdeten Jungfrauen an. Er scheute keine Ausgabe, wenn es galt, ihnen durch eine passende Aussteuer zu einer anständigen Heirat zu verhelfen. Dass bei einer solchen Amtswaltung bald sein Lob in aller Munde war, ist begreiflich. Papst Martin V. musste wohl noch andere Geistesschätze in unserem Seligen entdeckt haben. Er machte ihn zum Kardinal und übertrug ihm die wichtigsten Geschäfte. Das gleiche Vertrauen schenkte ihm dessen Nachfolger Eugen IV. Sein Gerechtigkeitssinn, gepaart mit Klugheit und Milde, machten ihn besonders geeignet, Zwistigkeiten zu schlichten. So sehen wir ihn denn als päpstlichen Legaten in Venetien, in Frankreich, in Deutschland. Auf dem Konzil von Basel führte der Kardinal Albergati den Vorsitz. Ebenso leitete er die Vorarbeiten zu den Konzilien von Ferrara und Florenz.

 

Mitten in seiner Tätigkeit wurde der Selige von Gott abberufen. In Siena, wohin er den Papst begleitet hatte, warf ihn ein altes Übel aufs Krankenlager, von dem er sich nicht mehr erheben sollte. Er hatte noch den Trost, in den Armen eines Mitbruders, des Priors der Kartause von Florenz, seine Seele auszuhauchen. Es war der 9. Mai 1443. Seine sterbliche Hülle wurde auf seinen Wunsch im Kloster von Florenz zur letzten Ruhe bestattet. Sein Fest wird am 10. Mai und 3. März gefeiert. Papst Benedikt XIV. ließ den seligen Kartäuser-Kardinal in das römische Martyrologium eintragen, eine Ehre, die gewöhnlich nur den Heiligen zuteilwird. Damit bestätigte er 1744 die Verehrung dieses Seligen.