Der heilige Maximilian Maria Kolbe, Ordensmann, Priester und Märtyrer, + 14. August 1941 in Auschwitz - Fest: 14. August

       

Vom KZ zu den Ehren der Altäre

 

Pater Maximilian starb am 14. August 1941, am Vorabend des Hochfestes der Himmelfahrt Mariä, durch Verhungern und Verdursten im KZ Auschwitz. Seinen Leichnam verbrannte man im großen Ofen des Krematoriums des Lagers und zerstreute die Aschenreste in alle Winde. Nie wird es daher Reliquien dieses modernen Märtyrers geben.

 

Mit seinem Sterben hatte es folgende Bewandtnis: Die Nazis hatten angeordnet, dass für jeden Gefangenen, der aus Auschwitz entfloh, 10 politische Gefangene als Geiseln sterben sollten. Am 30. Juli 1941 entwich ein Gefangener aus Block 14, in dem sich Pater Maximilian befand. In dieser Nacht schlief niemand in dem Zellenblock. Die ganze Nacht hindurch hörte der Priester die Beichten seiner Mitgefangenen. Am kommenden Morgen verkündete der Lagerkommandant, dass der Entflohene nicht gefunden worden sei. Alle Lagerinsassen wurden zur gewohnten Arbeit abgeschickt, nur die von Block 14 mussten bleiben, wo sie waren. Um Mittag wurde bekanntgegeben, dass der entwichene Gefangene immer noch nicht ergriffen worden sei. Der Nachmittag verging in Angst und Schrecken für die Leute von Block 14. Am Abend kehrten die anderen Gefangenen in ihre Zellen zurück. Der Mann war immer noch nicht ergriffen worden. Schließlich war das entsetzliche Warten vorbei. Der Lagerführer namens Fritsch betrat den Block 14.

 

„Der Entwichene ist nicht gefunden worden“, erklärte er. „Zehn von euch haben durch Hunger und Durst zu sterben. Das nächste Mal werden es zwanzig sein.“

 

Dann schritt er die Reihen auf und ab, studierte jedes Gesicht und traf die schicksalsschwere Entscheidung.

 

„Sie…, Sie…, Sie…, Sie…, Sie beide…, Sie…, Sie…, Sie und Sie.“ Die zehn Todeskandidaten waren ausgewählt. Pater Maximilian war nicht dabei. Da schrie einer der Verurteilten, ein junger Mann, auf: „O meine arme Frau! Meine Kinder! Was wird aus meinen vier Kindern?“

 

Pater Maximilian trat vor, um Fritsch anzureden. Der aber griff nach seiner Pistole. „Schweigen Sie! Bleiben Sie, wo sie sind! Was wollen Sie, Sie Schwein?“

 

Der Priester antwortete: „Lassen Sie mich für einen dieser Verurteilten in den Tod gehen.“ Fritsch traute seinen Ohren nicht. Eine Minute lang blickte er gedankenversunken auf Maximilian.

 

„Wer sind Sie?“

 

„Ich bin ein katholischer Priester.“

 

„An wessen Stelle wollen Sie treten?“

 

„An die Stelle von diesem“, und damit zeigte der Priester auf den Mann mit den vier Kindern.

 

„Warum?“ fragte Fritsch weiter.

 

„Weil ich alt bin (er war erst 47 Jahre alt!) und mein Leben nicht so viel Wert hat. Dieser Mann hat eine Familie!“

 

Eine Weile sagte Fritsch nichts. Dann winkte er Pater Maximilian, sich den zum Tod Verurteilten anzuschließen, während er dem Familienvater gebot, in die Reihen der anderen zurückzutreten. Das Opfer war angenommen.

 

Das alles rollte so schnell und undramatisch ab, dass die anderen Gefangenen sich dessen gar nicht recht bewusst wurden. Diejenigen, die später diese Geschichte erzählten, berichteten, dass der Franziskanerpater ganz ruhig war, als er mit den anderen neun abmarschierte.

 

In der Todeszelle nahm man den Geiseln ihre Kleider ab und überließ sie nackt dem Verhungern und Verdursten. Sie erhielten nichts zu essen und, was noch viel fürchterlicher war, nichts zu trinken. Man ließ sie allein. Was Pater Maximilian tat, um sie zum Tod vorzubereiten, muss wunderbar wirksam gewesen sein. Denn man hörte die Todeskandidaten zunächst singen und laut beten. Aber als die Tage vergingen, das Blut in ihren Adern sich vor Durst in Feuer verwandelte und ihre Lippen anschwollen, wurden ihre Stimmen zu immer schwächer werdendem Wispern. Schließlich hörte man keinen Laut mehr. Einer nach dem anderen starb in dem einsamen Schweigen.

 

Der Priester war der letzte, der in die Ewigkeit hinüberging. 14 Tage nach dem Todesurteil fand ein Aufputzer die Leiche des Paters, der auf dem Boden saß, den Kopf gegen die Wand gelehnt. Der Arbeiter, der dies öffentlich bezeugte, sagte aus, dass er nicht wie ein Toter aussah, der an Hunger und Durst gestorben war. Das war die Art, erklärte er, wie man sich den Tod eines Heiligen vorstellt. Völliger Friede lag auf seinen Zügen. Er schien zu schlafen. „Ich bin sicher, er war ein Heiliger!“ schloss der Mann.

 

Der Raum wurde für die nächsten zehn Insassen gesäubert und die Leichen in das Krematorium geschafft.

 

Selbst wenn Pater Maximilian nicht als Märtyrer gestorben wäre, wäre sein Leben denkwürdig gewesen. Er war einer der großen Presseapostel der Neuzeit. Im Jahr 1938 hatte die von ihm gegründete Zeitung „Das Kleine Journal“ eine Abonnentenzahl von 320.000 erreicht, was eine in der katholischen Presse hohe Zahl, für Polen aber geradezu phantastisch ist. Eine Muttergotteszeitschrift mit dem Titel „Der Ritter unserer Lieben Frau“ hatte 1939 eine Auflage von 1 Million. Pater Maximilian schuf sich eine Gruppe von Franziskaner-Laienbrüdern, die den Druck und Versand seiner Druckerzeugnisse besorgten.

 

Auf der Höhe seines Erfolges aber verließ er 1930 Polen und fuhr nach Japan, um dort ein neues Verlagsunternehmen zu starten. Bei einer Zugfahrt hatte er eine Gruppe japanischer Studenten getroffen und sich mit ihnen in ein Gespräch über ihr Land eingelassen. Bevor sie auseinandergingen, gab er ihnen geweihte Medaillen und empfing dafür ein paar kleine weiße Elefanten, die sie als glückbringende Zeichen bei sich trugen.

 

Die Studenten hatten einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht. Er konnte sie und ihr Land, das sie ihm beschrieben hatten, nicht vergessen. Er war fest entschlossen, dorthin zu gehen und eine katholische Presse zu schaffen. Schließlich erhielt er auch die Erlaubnis seiner Oberen dazu. Unter großen Mühen gelang ihm das Werk. Im Krieg stürzte es dann allerdings wieder zusammen.

 

Von Japan zog Pater Maximilian nach Indien. Hier hatte er nur wenig Erfolg. Aber das Werk, das er in Polen begonnen hatte, blühte. Im Jahr 1936 wurde er als Superior der Franziskaner in Niepokalonow nach Polen zurückgerufen und blieb dort, bis er von den Nazis verhaftet wurde.

 

Sein bürgerlicher Name war Raymond Kolbe gewesen. 1894 war er in der Nähe von Lodz geboren. Zusammen mit seinem Bruder Franz trat er in das Seminar der schwarzen Franziskaner ein. Der religiöse Gehorsam fiel ihm aber schwer, und er bekam ernste Zweifel über seinen Beruf, so dass er sich entschloss, wieder nach Hause zurückzukehren. Da besuchte ihn die Mutter eines Tages und sagte ihm, dass auch die jüngeren Söhne im Kloster seien und dass auch sie und der Vater in ein Kloster gehen wollten. Die Mutter ging zu den Benediktinerinnen, der Vater zu den Franziskanern in Krakau. So war es die Mutter, die Raymonds geistlichen Beruf auf diese Weise rettete. Sobald die Mutter gegangen war, begab sich Raymond zum Provinzial und bat, ihn sein Studium für das Priestertum durchführen zu lassen. Er studierte im Franziskaner-Kolleg in Rom und machte seinen philosophischen und theologischen Doktor an der Gregorianischen Universität der Jesuiten. Aber das geistliche Leben zog ihn mehr an als das akademische.

 

Eine tiefe Muttergottesverehrung war die Grundlage seines Lebens und Wirkens. Für sie gründete er zusammen mit zwei anderen polnischen Priestern und vier Italienern bald nach seiner Priesterweihe seine Sturmscharen.

 

Pater Maximilian war immer ein echter Franziskaner. Er nannte die Setzmaschinen in der Druckerei „unsere Schwester Maschine“. Ebenso bezeichnete er die Pressen, die Tinte usw. als „Bruder“ oder „Schwester“. Wie Franziskus sehnte er sich nach dem Martyrium. Er suchte es im Fernen Osten. Aber seine Erlebnisse in Japan, China und Indien waren recht friedlicher Natur. Doch die Dinge ändern sich im 20. Jahrhundert schnell, beinahe über Nacht. Europa wurde zur Zwangsfeste der Barbarei und Pater Maximilian fand, was er suchte, wenige Kilometer von seinem Geburtsort entfernt!

 

Er wird vielleicht der erste moderne europäische Märtyrer sein, der die Ehre der Altäre erreicht. Am 24. Mai 1948 wurde die Voruntersuchung für seine Seligsprechung in Padua eingeleitet. Maximilian Kolbe wurde 1971 seliggesprochen. Bei der Heiligsprechung am 10. Oktober 1982 durch den polnischen Papst Johannes Paul II. war der gerettete Franz Gajowniczek auf dem Petersplatz in Rom zugegen. So wird es vielleicht einmal sein, dass man sich Hitlers hauptsächlich deshalb erinnert, weil er für den Tod von Kindern, Frauen und Männern wie Pater Maximilian Kolbe verantwortlich ist. Erinnern wir uns nicht auch Neros vor allem deshalb, weil er sich an dem blutigen Schauspiel der Christenverfolgungen im Kolosseum ergötzte?