Der gottselige Martin Navarrus Azpilcueta, spanischer Kanoniker, Theologe, Ökonom, regulierter Chorherr, + 1.6.1586 – Gedenken: 1. Juni

 

Am 1. Juni des Jahres 1586 ist zu Rom verschieden der weitberühmte Doktor Martinus Navarrus Azpilcueta, Kononikus regularis Ordinis St. Augustini.

 

Er schreibt von sich selber und bekennt, dass er aus folgenden Gründen der Mutter Gottes hoch verpflichtet und verbunden sei:

 

1. Weil er in Unserer Lieben Frau Kirchen ist getauft worden,

2. weil seine Mutter, Maria mit Namen, ihn von der Wiege an der Mutter Gottes aufgeopfert hat,

3. weil er, als er schon für tot gehalten aus einem Fluss gezogen wurde, seine Augen auf Maria richtete und so gerettet wurde,

4. weil er im Jahr 1566 in einer Kartause Unserer Lieben Frau in Spanien todkrank durch der Kartäuser Gebet zur Mutter Gottes binnen drei Tagen seine Gesundheit wiederbekommen hat,

5. weil er an Unserer Frauen Tag in dem adeligen Kloster, Ronkallis genannt, den Habit des Ordens empfangen und angelegt und ein Jahr nachher Profess getan hat,

6. weil er an Unserer Frauen Tag seine erste Messe zu Ehren der Mutter Gottes gehalten hat.

 

Martin hat sehr schöne und der Christenheit nützliche Bücher hinterlassen, unter denen ein Handbuch für Beichtväter vorzüglich zu nennen ist, das die Anerkennung von Seite der Bischöfe, Kardinäle und Päpste erhalten hat. Er schrieb auch viel Schönes von Unserer Lieben Frau Rosenkranz und Bruderschaft.

 

Schon im neunten Lebensjahr bekam er nach damaliger Gewohnheit eine Pfründe, d.h. den Genuss der Einkünfte, und von dem genannten Jahr an bis in sein neunzigstes betete er alle Tage die kanonischen Stunden, unterließ sogar in der Krankheit diese Andacht nicht und fügte nicht selten noch den Psalter oder doch einen Teil von ihm hinzu.

 

Er schreibt, von allen andächtigen Weisen ihn zu beten, habe er folgende als die beste erkannt:

 

1. Bete man das Vaterunser, um sich in die Gegenwart Gottes zu versetzen,

2. beim Ave Maria denke man lebhaft an die Mutter Gottes,

3. vor jedem Zehner des Rosenkranzes soll ein Geheimnis aus den fünfzehn betrachtet wrden,

4. am Ende des ersten Zehners wende man sich an die Heiligen Gottes und bete mit Mund und Herz:

„O meine glorwürdige Jungfrau und Mutter Maria, es benedeien dich zu tausend Mal alle Chöre der heiligen Engel, mit denen ich dich einst im Himmel zu sehen und zu verehren hoffe“,

5. am Ende des zweiten Zehners:

„Es benedeien dich zweitausend Mal alle Heiligen des Alten Testaments, die von Adam bis auf Johannes den Täufer gelebt haben, mit denen ich dich einst im Himmel zu sehen und zu verehren hoffe“,

6. nach dem dritten Zehner:

„Es benedeien dich zu dreitausend Mal alle heiligen Apostel und Jünger des Herrn und alle Martyrer, die ihr Blut vergossen und ihr Leben für deinen Sohn gelassen haben, mit denen ich dich einst im Himmel zu sehen und zu verehren hoffe“,

7. nach dem vierten:

„Alle heiligen Beichtväter viertausend Mal, mit denen ich dich einst im Himmel zu sehen und zu verehren hoffe“,

8. nach dem fünften und letzten:

„Alle heiligen Frauen, Martyrinnen, Jungfrauen, Witwen fünftausend Mal, mit denen ich dich einst im Himmel zu sehen und zu verehren hoffe“.

 

Das Gelübde der Armut hielt er so streng, dass er trotz der päpstlichen Erlaubnis, der gemäß im Kloster Ronkavall einiges an Besitztum gestattet war, doch nichts Eigenes haben wollte. Die Jungfräulichkeit hat er mit sich gen Himmel genommen. Allzeit hat er schlicht und nüchtern gelebt und noch im achtzigsten Jahr seines Lebens die Fasten so streng gehalten, dass er erst nach Sonnenuntergang die Fastenspeisen genoss. Er hatte Gott allzeit und allenthalben in allen Dingen vor Augen und sprach gar oft: „Gott ist bei uns, der uns sieht und hört.“ Er lehrte auch Jedermann, so zu tun und stets an Gott zu denken, was besonders dadurch leicht geschehen kann, dass man öfter den Psalmvers betet: „Herr komm mir zu Hilfe, Herr eile mir zu helfen!“ Dem Schlaf gab er nicht über fünf Stunden, die übrige Zeit brachte er bei Tag und Nacht mit Studieren, Lesen, Beten, Betrachten und Lehren zu. Als ihm vornehme Herren und gute Freunde zuredeten, er sollte sich in seinem hohen Alter mehr schonen, besser pflegen und von seiner Strenge ein wenig nachlassen, gab er diese freundliche Antwort: „Das wäre wohl ein schöner Handel, wenn ein Läufer von seinem besten Lauf nachlassen würde, da er schon nahe am Ziel steht.“

 

Martin Navarrus Azpilcueta war ein Verwandter des heiligen Franz Xaver. Er erhielt einen Abschluss in Theologie in Alcala und 1518 einen Doktortitel in kanonischem Recht in Toulouse. Ab 1524 war er an mehreren Lehrstühlen für kanonisches Recht an der Universität von Salamanca tätig. Auf Einladung des portugiesischen Königs lehrte er von 1538 bis 1556 an der Coimbra-Universität in Portugal. Im Alter von achtzig Jahren ging er nach Rom, um seinen Freund Bartolomeo Carranza, Erzbischof von Toledo, vor dem Tribunal der heiligen Inquisition zu verteidigen. Obwohl er dabei erfolglos blieb den Erzbischof zu entlasten, wurde er in Rom wegen seiner Gelehrtheit von mehreren Päpsten hochgeehrt. Seine Demut und seine Nächstenliebe waren vorbildlich. Er starb im Alter von 93 Jahren in Rom.