Der gottselige Martin Guitarez, Ordenspriester und Oberer in der Gesellschaft Jesu SJ, + 16. Jahrhundert – Gedenken: 21. Februar

 

Dieser fromme Diener Gottes und Mariens war seiner Geburt nach ein Spanier und glich schon in der Jugend einem Gewächs, von dem man sich viele herrliche Früchte versprechen darf. Als er aber zum jungen Mann herangereift in die Gesellschaft Jesu trat, tat er es an strenger Einhaltung der Regel, an Wissenschaft und Frömmigkeit gar vielen seiner Gefährten zuvor, insbesondere zeichnete er sich durch die innigste Andacht zur Gottesgebärerin Maria aus, deren Verehrung er gleichsam mit der Muttermilch eingesogen zu haben schien. Auch gab sie ihm nicht wenige Beweise ihrer Gegenliebe, indem sie ihm mancherlei Gnaden bewirkte und sich ihm öfter durch eine liebliche Erscheinung sichtbar machte.

 

Einmal zeigte sie sich ihm mit einem reichen weiten Mantel umgeben, unter dem die ganze Gesellschaft Jesu, das heißt alle Mitglieder dieses Ordens gelagert waren, wodurch Maria andeutete, dass sie als Schutzfrau der Jesuiten wolle angesehen und verehrt werden.

 

Oft betete Martin zum Herrn empor, ihm nicht nur die Seligkeit, wie die Jünger auf dem Berg Tabor sie gekostet hatten, sondern auch den bitteren Schmerz empfinden und einige Tropfen aus dem Leidenskelch am Ölberg trinken zu lassen und so auch Anteil zu nehmen an der Bitterkeit, die Jesus und seine göttliche Mutter erfahren mussten. Sein Gebet wurde erhört.

 

Pater Martin war nämlich im Jahr 1573 Oberer im Professhaus zu Valladolid, und weil damals der heilige Franziskus Borgias starb, so wurde er mit mehreren anderen Oberen nach Rom abgesandt, um dort für die Gesellschaft Jesu einen neuen General zu wählen. Nachdem sie nun wie ihnen geraten wurde, ihre Reise durch Frankreich angetreten und schon einige Meilen zurückgelegt hatten, kam ihnen die Kunde, dass die ketzerischen Hugenotten jener Gegend ihnen nachspürten und sie gefangen zu nehmen trachteten. Sie lenkten deshalb vom Weg ab und glaubten bereits in Sicherheit zu sein, da geschah es, dass die Reisenden, deren ihrer vier waren, plötzlich von einer Rotte bewaffneter Hugenotten überfallen, gefangen genommen, ausgeplündert und unter vielen Schmäh- und Lästerreden auf eine benachbarte Burg geschleppt wurden. Hier erfuhren sie gar mancherlei Übles, und wurde den Jesuiten besonders vorgeworfen, dass sie es gewesen sind, die in Frankreich und anderwärts den Hugenotten am schärfsten entgegengetreten und ihre Lehre am hartnäckigsten bekämpft hätten. Nach unzähligen Plagereien und Drohungen begehrten die Wüteriche eine ungeheure Summe als Lösegeld und da die vier Patres hierauf sich nicht einlassen konnten, gaben die Räuber ihren Worten durch grausame Misshandlung dieser Wehrlosen größeren Nachdruck. Einer von ihnen versetzte dem armen Pater Martin einen derben Streich und Stich mit seinem Degen, und da er von schwacher Leibesbeschaffenheit war und hier weder Hilfe noch Pflege erhielt, so geschah es, dass er nach wenigen Tagen, immer noch im Kerker, von seinen Freunden umgeben aus dem Leben schied. So überraschend dieser Todesfall auch den Brüdern kam – Martin Guitarez war darüber wenig verwundert. Denn als die kurz vor ihrer Gefangennahme bei einer Marien-Kapelle vorbeireisten und dort Halt machten, und ihr Gebet zur Gottesmutter verrichteten, da wurde ihm die innere Erleuchtung und Prophezeiung, dass er innerhalb acht Tagen das Zeitliche segnen werde. In Erwartung nun, dass dieses Wort sich erfülle, bereitete sich Pater Martin Guitarez andächtig auf den Tod vor und Maria ließ ihren Günstling in der Tat nicht länger als verheißen, auf dieser Erde warten.

 

Ja, die Gunst Mariens zu ihrem frommen Verehrer erstreckte sich noch über seinen Tod hinaus, wie die Legende erzählt. Als nämlich Pater Martin Guitarez am frühen Morgen aus dem Leben geschieden war, da erschien auf einmal im Kerker eine züchtige, ernsthafte Frau in würdiger Kleidung, näherte sich dem Pater Suarez, der dieses berichtet und mit von der Gesandtschaft war, und verlangte von ihm die Auslieferung des Leichnams, um ihn nach Gebühr bestatten zu können. Darauf zog die Matrone ein schönes weißes Tuch hervor, wickelte den Leichnam darein, blickte ihn mitleidig an, gab ihm den Segen und entfernte sich, ohne von den Patres Geld oder Dank weiter anzunehmen. Weder die Ankunft noch der Abgang dieser barmherzigen Frau war von den Wachen oder anderen Leuten bemerkt worden und doch hätte selbe an mehreren vorüber schreiten müssen. Die Vertraulichkeit, mit der Maria ihren Liebling im Leben behandelt hatte, brachte die Zeugen dieser Tat auf den Gedanken, dass die Gottesmutter in eigener Person besagte Dienste ihm nach seinem Hinscheiden erwiesen habe. Sie allein mag entscheiden, ob dies wirklich der Fall gewesen war, oder ob sie einem sterblichen Geschöpf den Gedanken eingab, ihrem Verehrer diesen letzten Liebesdienst zu tun.

 

Pater Suarez fügt in einem Brief, wo er obigen Vorgang berichtet, die Worte an: „Wollte Gott, meine Seele käme auch dahin, wo ich glaube, dass die seinige sei.“ Auch wir werden dies hoffen dürfen, wenn wir – das tun, was Pater Martinus tat.