Der heilige Maro, Einsiedler-Abt von Syrien, + 14.2.433 – Fest: 14. Februar

 

Der heilige Maro zog sich auf einen, nahe bei der Stadt Cyrus gelegenen, Berg zurück, wo er fast immer unter freiem Himmel, jeder Witterung ausgesetzt, lebte. Er hatte zwar ein Gezelt von Ziegenfellen, um sich in der Regenzeit zu schützen, benutzte es aber nur sehr selten. Da er in seiner Einsamkeit einen Götzentempel gefunden hatte, weihte er ihn dem wahren Gott, und wählte ihn zu seinem Bethaus. Wegen des Hohen Rufes der Heiligkeit, den er sich erworben hatte, wurde er 405 zur Priesterwürde erhoben. Der heilige Chrysostomus, der ihn sehr hoch schätzte, schrieb ihm von Cucusa, wohin er verbannt war, um sich seinen Gebeten zu empfehlen.

 

Unser Heiliger kannte kein größeres Vergnügen, als sich mit Gott im Gebet zu unterhalten. Er war darin ein würdiger Schüler des heiligen Zebin, der alle Einsiedler seines Jahrhunderts an Beharrlichkeit im Gebet übertraf. Dieser heiligen Übung widmete er ganze Tage und Nächte, ohne jemals müde zu werden. Seine heilige Andachtsglut vermehrte sich im Gegenteil noch mit dem fortgesetzten Gebet. Seine Gewohnheit war, stehend zu beten, nur in seinem Alter erleichterte er sich dieses ein wenig, indem er sich auf einen Stab hinstützte. Mit denjenigen, die ihn besuchten, redete er wenig, aus Furcht, die Übung des Beschauens, in die alle seine Gedanken vertieft waren, zu unterbrechen. Nichtsdestoweniger nahm er sie mit Güte auf, und ermahnte sie, bei ihm zu bleiben. Allein wenige wollten die ganze Nacht stehend im Gebet mit ihm zubringen.

 

Gott belohnte die Bemühungen des heilige Maro durch reichliche Gnaden, und durch die Macht, Krankheiten des Leibes und der Seele zu heilen. Eine besondere Gabe hatte er, andere zur Tugend anzufeuern. Es strömte ihm eine große Menge Schüler zu, und er stiftete mehrere Klöster in Syrien. Theodoret sah jene frommen Ordensmänner, die in seinem Bistum verbreitet waren, als die Frucht der Unterweisungen unseres Heiligen an. Unter die berühmtesten Schüler des heiligen Maro zählt man den heiligen Jakob von Cyrus, der sich rühmte, von dessen Händen sein erstes Bußkleid empfangen zu haben.

 

Endlich als der Augenblick gekommen war, wo der Heilige hingehen sollte, seine Belohnung zu empfangen, nahm ihn Gott nach einer Krankheit von etlichen Tagen, von dieser Erde weg. Das Verlangen, seine sterbliche Hülle zu besitzen, erweckte einen frommen Wettstreit unter den benachbarten Provinzen. Die Einwohner eines sehr bevölkerten Fleckens erhielten zuletzt diesen köstlichen Schatz, und erbauten eine prachtvolle Kirche über sein Grab, die sie durch Mönche bedienen ließen. Die Griechen verehren den heiligen Maro am 14. Februar, die Maroniten aber feiern sein Fest am 9. Februar.

 

(Diesen Namen – Maroniten – empfing ein Völkchen im fünften Jahrhundert, von den Mönchen, die den heiligen Maro als Patriarchen anerkennen. Die Maroniten erklärten sich für die Entscheidung des Konzils von Chalcedon gegen die Eutychianer, und traten in Kirchengemeinschaft mit den Melchiten oder Königlichen, die für das Ansehen dieses Konzils stritten. Die Maroniten, die längs der Küste Syriens und um den Berg Libanon wohnen, haben einen katholischen Patriarchen, und erkennen den Papst für den ersten Hirten der Kirche an. Mehrere von ihnen fielen in die Irrtümer des Nestorius und Eutyches, und wurden auch in die Spaltung der Griechen verflochten. Allein sie kehrten unter den Päpsten Gregor XIII. und Clemens VIII. in den Schoß der Kirche zurück.

Der Patriarch der Maroniten, von Antiochien genannt, wohnt in dem Kloster Canobin, am Fuß des Berges Libanon. Er wird durch den Papst bestätigt, und hat fünf Metropoliten unter sich, die Erzbischöfe nämlich von Tyrus, Damaskus, Tripoli, Aleppo, und Nikosia in Cypern.

Das Seminar der Maroniten, das von Papst Gregor XIII. zu Rom gestiftet wurde, und ehehin unter den Jesuiten stand, hat gelehrte Männer hervorgebracht, die großes Licht über die orientalische Literatur verbreitet haben.)