Die heilige Marianna von Jesus, Mystikerin, Nonne des Dritten Ordens des hl. Franziskus, + 26.5.1645 – Fest: 26. Mai

 

Marianna von Jesus stammte von vornehmen spanischen Eroberern ab. Sie verlor sehr jung ihre Eltern und wurde von ihrer verheirateten Schwester erzogen. Beim Empfang der ersten heiligen Kommunion im Alter von sieben Jahren legte sie das Gelübde ewiger Jungfräulichkeit ab. Sie führte im Haus ihrer Schwester ein eremitisches, ausschließlich dem Gebet gewidmetes Leben und ging fast nur zum Empfang der Sakramente aus dem Haus. Mit 14 Jahren gelobte sie ein Leben nach den evangelischen Räten und wurde am 6. November 1639 in den Dritten Orden der Franziskaner aufgenommen. Die Heilige wurde wegen ihrer mystischen Erfahrungen und Prophezeiungen bekannt. Sie besaß auch die Gabe der Unterscheidung der Geister.

 

Marianna von Jesus starb am 26. Mai 1645, nachdem sie sich Gott als Sühneopfer für die Errettung der Stadt Quito vor der Pest angeboten hatte. Ihre sterblichen Überreste wurden in der Jesuitenkirche des hl. Ludwig zu Quito beigesetzt. Am 20. November 1853 wurde sie durch Papst Pius IX. selig- und am 4. Juni 1950 durch Papst Pius XII. heiliggesprochen. Marianna von Jesus ist die erste Heilige der franziskanischen Familie in Lateinamerika. Am 30. November 1945 wurde sie vom Parlament zur Heldin des Vaterlandes erklärt. Ihr Gedenktag ist der 26. Mai. Sie ist Schutzpatronin von Ecuador.

 

Aus dem Marianischen Festkalender:

 

Amerika, das den Heiligenkranz der katholischen Kirche mit seiner Rose von Lima geschmückt hat, hat ihm nun eine neue Zierde in seiner Lilie von Quito eingefügt. Es ist dies nämlich Marianna von Jesus, aus dem Geschlecht der Paredes y Flores, genannt die Lilie von Quito (in Südamerika), die am 17. Oktober 1850 vom Heiligen Vater Pius IX. in die Zahl der Seligen und von Papst Pius XII in die Zahl der Heiligen aufgenommen wurde. Diese fromme Jungfrau, geboren zu Quito den 31. Oktober 1618 an dem der seligsten Jungfrau geweihtem Wochentag (Samstag), hatte schon in der frühesten Kindheit durch die außerordentliche Unschuld und Reinheit ihres Lebens bestätigt, was in ihrer Geburtsstunde in ungewöhnlichem Glanz erstrahlend über dem väterlichen Haus ein hellleuchtender Stern vorgedeutet hatte. Die ersten Worte dieses Gnadenkindes waren: „Ave Maria!“ In ihrem frühesten Lebensalter schon des Hauses Vorbild und schönste Zierde, hatte sie sich mit ihren jungen Gefährtinnen heimlich aus der Heimat entfernt, um bei einer Marien-Kapelle an einem abgelegenen Ort ein einsames, gottgeweihtes Leben zu führen. Nicht weit von Quito nämlich, so erzählt Pater Boerior diese Begebenheit, am Abhang des Pinchincha steht eine Bildsäule der heiligsten Jungfrau Maria. Die Bewohner der Stadt haben sie dahin gesetzt, um sich dadurch gegen die drohenden Gefahren des feuerspeienden Berges zu schützen. Marianna nun gewahrend, dass dieses Bild, sonst so hoch verehrt, jetzt beinahe vergessen sei, dass niemand mehr hingehe es zu begrüßen, oder die kleine Kapelle, wo es aufgestellt war, zu bewahren, beschloss, diese Vernachlässigung wieder gut zu machen, und selbst dahin zu gehen, um dort, ihrem Verlangen nach der Einsamkeit folgend, ein ganz zurückgezogenes Leben zu führen. Ihre kleinen Gefährtinnen, denen sie ihr Vorhaben mitteilte, billigten es ganz und gar und der neue Verein von Einsiedlerinnen beschloss nun: damit sie unerkannt von den Einwohnern Quitos bei der Gnaden-Kapelle wohnen könnten, wollten sie ihr Angesicht mit Glasstückchen aufritzen und Kohlenstaub in die Ritzen streuen, um unkenntlich zu bleiben. Eine von ihnen sollte von Zeit zu Zeit nach Quito geschickt werden, um da im Bettlergewand von Tür zu Tür Brot zu erbetteln für die armen Mägde Mariens – diesen Namen wollten sie sich geben. Gesagt, getan. Donna Girolama, die Schwester Mariannas, in deren Haus sie sich nach dem frühen Tod der Eltern befand, hatte gerade, um etwas Notwendiges zu besorgen, das Haus verlassen, da brachen die Mädchen auf und gingen eilends dem Berg zu. Bereits hatten sie die Stadt ziemlich weit im Rücken und den Wald des Gebirges zur Seite, da sprang aus dem Gebüsch ein wilder Stier mit vorgehaltenen Hörnern auf die Mädchenschar los. Furchtsam sprangen sie in eine nahegelegene Grube, und der Stier sie nicht mehr bemerkend, ging in den Wald zurück. Da die kleine Pilgerschar sich sicher glaubte, kam sie aus ihrem Versteck hervor, die Wallfahrt fortzusetzen. Aber sobald das wilde Tier sie bemerkte, rannte es ihnen aufs Neue entgegen, und so jedes Mal, so oft sie den Versuch, weiter zu gehen, machten. Nach einem kurzen Gebet sprach endlich Marianna zu ihren Gefährtinnen: „Gott will nicht, dass wir uns in die Einsamkeit begeben, er befiehlt, dass wir in unsere Heimat zurückkehren. Ihm müssen wir gehorchen.“ So trat die kleine Schar wieder den Rückweg an und kam ohne weiteren Unfall nach Hause. Marianna wusste sich für diese gesuchte, aber von Gott nicht genehmigte Einsamkeit zu entschädigen. Mit Erlaubnis ihres Beichtvaters bezog sie später, nachdem sie ihr väterliches Erbe unter die Armen verteilt hatte, eine Einsiedelei in dem Haus ihrer Schwester, wo sie, ganz ähnlich der heiligen Rosa von Lima, in Gebet und Betrachtung und in Ausübung der strengsten Bußwerke Jesus, ihrem himmlischen Bräutigam, dem sie sich mit dem Gelübde immerwährender Keuschheit verbunden hatte, und Maria, ihrer geliebtesten Mutter, bis zu ihrem Tod diente. Sie starb sechsundzwanzig Jahre alt am 26. Mai 1645.

 

Später wurde auf dem Platz, auf dem Mariannas und ihrer Schwester Wohnung gelegen war, ein Kloster für Karmeliternonnen gegründet. Oft verspürte man längere Zeit hindurch bald da, bald dort im Kloster lieblichen Wohlgeruch, wie von Lilien ausduftend. Die Bewohner des Gotteshauses und die obrigkeitlichen Personen, die dahin kamen, um von der Tatsache sich zu überzeugen, wussten das wohl zu deuten. Denn gleich am Tag nach ihrem Tod hatte man im Garten des Hauses, der niemals solche Blumen hervorbrachte, eine wohlduftende Lilie gefunden, wunderbar aus dem Bassin erwachsen, in den man aus Verehrung gegenüber der noch lebenden Jungfrau das Blut von einem Aderlass geschüttet hatte, der an ihr vorgenommen worden war. Als man den Stein des Bassins hob, zeigte es sich, dass die Blume ohne irgendwie eine Wurzel zu haben, wunderbar aus dem Blut der Seligen entsprossen war. Man pflückte den Lilienstängel und legte ihn in die Arme einer Statue der allerseligsten Jungfrau. Eine andere Blume wuchs nach, das Volk aber nannte Marianna die Lilie von Quito. Wie sich in ihrem ganzen Leben die innigste Liebe und Verehrung gegenüber der gebenedeiten Mutter des Herrn äußerte, so war es auch am Schluss ihres Lebens und mit Gottes besonderer Zulassung selbst noch nach ihrem Verscheiden. Sterbend bat sie noch, dass man sie zu den Füßen des Altares Unserer Lieben Frau von Loretto in der Jesuitenkirche ihrer Vaterstadt begraben möge. Als man nun die Bahre, auf der die Hingeschiedene Lag, durch das Portal der Kirche gebracht hatte, bemerkte man mit Staunen, wie die Tote ihre Augen öffnete, und auf das Bild Unserer Lieben Frau von Loretto geheftet hielt, das an diesem Tag auf dem Hochaltar zur Verehrung aufgestellt war.