Die selige Maria Theresia Ledochowska, Gräfin, Ordensgründerin, + 6.7.1922 – Gedenktag: 6. Juli

 

Heute soll die Legende einer Frau gewidmet sein, die Papst Paul VI. am 19. Oktober 1975 seliggesprochen hat. Es ist die Gräfin Maria Theresia Ledochowska.

 

Aus dem genannten Namen kann man bereits schließen, dass es sich bei Maria Theresia Ledochowska um eine Polin handelt. Am 29. April 1862 wurde sie als Spross eines alten Adelsgeschlechtes geboren, und als die junge Gräfin eine Reihe Schulen hinter sich hatte, auf denen sie eine standesgemäße Erziehung erhielt, wurde sie in der österreichischen Stadt Salzburg Hofdame bei einer Herzogin, und nach dem natürlichen Lauf der Dinge hätte sie später einen Grafen oder einen Fürsten geheiratet, hätte Kinder erzogen, wäre gestorben und wäre vergessen worden, wie es gewöhnlich der Fall ist. Es kam aber anders.

 

Mit fünfundzwanzig Jahren begann Maria Theresia Ledochowska sich für die katholische Mission in Afrika zu interessieren. Mit Eifer las sie die Berichte der Glaubensboten, und vor allem gingen ihr der armen Heidenkinder Leid und Weh tief zu Herzen. Um zu helfen, sammelte sie Almosen, die sie nach Afrika schickte, und stellte bald fest, dass ihre Sendungen bei der großen Not doch nur wie ein Tropfen auf einen heißen Stein waren. Wollte sie mehr erreichen, so musste sie die Sache anders anpacken, und sie packte auch anders an. Die Gräfin gründete eine Zeitschrift, die sie „Echo aus Afrika“ nannte. Darin veröffentlichte sie die Briefe, die ihr die Missionare schrieben, und bat nebenbei gute Leute um milde Gaben für die Heiden.

 

Der Anfang war recht bescheiden, aber dann ging es besser, so dass die Gräfin mit der Zeit die Aufgabe allein nicht mehr bewältigen konnte. So kam es zu einer neuen Ordensgründung für Frauen, die nach dem großen Apostel der schwarzen Afrikaner, Petrus Claver, der am 9. September gefeiert wird, den etwas umständlichen Namen „Sankt-Petrus-Claver-Sodalität für die afrikanischen Missionen“ erhielt.

 

Die Mitglieder der Vereinigung nennen sich und sind in Wahrheit Hilfsmissionarinnen. Ohne selbst nach Afrika zu gehen, besorgen sie den Missionaren alles, was sie brauchen, Altäre, Kelche, Monstranzen, Glocken, Kerzenleuchter, Messgewänder, Segensmäntel, Stolen, Messdienerröcke, Fahnen, alle Arten von Kirchenwäsche, Statuen, Kreuzwege, Rosenkränze, Messbücher, Hunderttausende Kleider für die afrikanischen Kinder, Bettwäsche, Stoffe, Strickmaschinen, Schulsachen und so weiter. Alles, was die Missionare brauchen, besorgen sie Jahr für Jahr mit rastlosem Eifer und unter restlosem persönlichem Einsatz.

 

Nicht unerwähnt darf bleiben, dass Gräfin Maria Theresia auch eine Druckerei gründete, in der religiöse Bücher und Biblische Geschichten und Katechismen in afrikanischen Sprachen hergestellt werden, in der Kisanga-Sprache, in Kiswaheli, Nama, Pedi, Mande, Sesotho, Kela und anderen Sprachen, die außerhalb der Gelehrtenwelt kaum einer auch nur dem Namen nach kennt.

 

Zu all dem kommen Geldspenden, die, meist in kleinen und kleinsten Summen mühsam gesammelt, auf alle Missionsgebiete in Afrika jährlich verteilt werden.

 

Es ist das ein Werk von gewaltigem Segen, das von einer einzelnen Frau erdacht, gegründet und gestaltet wurde. Man hat die Gräfin Maria Theresia Ledochowska die „Mutter der Schwarzen“ genannt, und das ist sie auch, denn Hunderttausenden hat sie den Weg zum ewigen Leben geebnet. Dabei besaß die große Frau eine äußerst schwache Gesundheit, sie bestand scheinbar nur aus Haut und Knochen, aber in dem gebrechlichen Körper wohnten eine gewaltige Seele, ein eiserner Wille und ein unbändiger Tatendrang, alles Eigenschaften, die sie befähigten, im Dienst der Bekehrung Afrikas Unvergängliches zu leisten, und zu all dem kam schließlich als schönste Zier ein heiligmäßiges Leben.